Kirchengeschichtliche Forschung

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Kurt  Lüthi

(1923-2010)

Kurt Lüthi (1923 - 2010) in jungen Jahren

Wien (epdÖ) - Der langjährige Ordinarius für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Wien, Kurt Lüthi, ist am Mittwoch, 30. Juni 2010, am Evangelischen Friedhof Simmering (Zentralfriedhof) beigesetzt worden. Der aus der Schweiz stammende reformierte Theologe war am Freitag, 11. Juni, 86-jährig in Wien verstorben.

"Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes, das war sein Lebensthema", sagte Lüthis Nachfolger am Institut für Systematische Theologe, Ulrich Körtner, in seiner Predigt bei der Trauerfeier. Ob in Kirche und Gesellschaft, in der Kunst oder im Verhältnis der Geschlechter und auf dem Gebiet von Sexualität und Sexualmoral, stets sei es Kurt Lüthi um Freiheit und Befreiung von überholten theologischen Denkmustern, "von erstarrten gesellschaftlichen Konventionen" und ungerechten wirtschaftlichen und politischen Zwängen gegangen. Die Bibel habe Kurt Lüthi als Buch einer großen Befreiungsgeschichte gelesen, er selbst war "bewegt von der Idee einer Befreiungstheologie im europäischen Kontext". Lüthi, im persönlichen Umgang ein "bescheidener und liebenswerter Mensch", konnte durchaus ein "unbequemer Mahner und Querdenker" sein, erinnerte Körtner, "auch und gerade in seiner eigenen Kirche". Wie Bonhoeffer sei Lüthi überzeugt gewesen, dass Kirche kein Selbstzweck sei, sondern nur dann der Botschaft Christi treu bleibe, wenn sie Kirche für andere ist. In "bester reformierter Tradition" habe Lüthi seine Kirche aufgefordert, ihre prophetische Stimme zu erheben, was er auch selbst immer wieder getan habe. Seine Theologie sei wie jene von Wilhelm Dantine geprägt gewesen von einer starken Verbindung zwischen Theorie und Praxis, sie war, so Körtner, "öffentliche Theologie im besten Sinne des Wortes".

Dass Lüthis Theologie sich auch "außerhalb des Elfenbeinturms" ausprägte, unterstrich der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, James Loader. Lüthi habe sich in seinem Wirken "immer auf die Seite der Schwachen" gestellt, auch als Universitätslehrer sei er ein Mensch geblieben, "der Mensch für andere Menschen ist".

Der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, Thomas Hennefeld, dankte für Lüthis Wirken in seiner Kirche, er war "ein großer Lehrer und engagierter Mitarbeiter". Dabei habe Lüthi klare Akzente gesetzt, "bewusst reformiert, konfessionsbewusst aber niemals konfessionalistisch engstirnig". In seinem bescheidenen Auftreten habe er andere "in aller Stille begeistern" können. Geprägt von einer tiefen Humanität habe Kurt Lüthi "allergisch" reagiert gegen jede Form von Ausgrenzung.

Auf Lüthis Beitrag für den christlich-jüdischen Dialog verwies der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker. Prophetisch habe sich Lüthi bereits 1974 gegen alle Kritik auch für die Leuenberger Konkordie eingesetzt, heute ein anerkanntes Erfolgsmodell in der Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa. Seine öffentliche Theologie wurde "gefragt und gehört", sagte Bünker, der vor allem auch Lüthis Einsatz für die Gleichberechtigung der Frauen in der evangelischen Kirche hervorhob. Im Unterschied zu manchen leitenden Amtsträgern habe Lüthi dabei immer den Dialog mit den Betroffenen gesucht. Mit seinem Mut zum Dialog, seinem Eintreten für eine offene Kirche habe der "streitbare, kirchenkritische, sensible Zeitgenosse und Freund" den Weg von Theologie und Kirche in Österreich wesentlich mitbestimmt.

Die "Offenheit für andere fernab von ideologischer Rechthaberei" habe sich bei Lüthi auch in seinem Dialog mit Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, sagte der Kunsthistoriker und Rektor der Jesuitienkirche in Wien, Gustav Schörghofer. Schon früh habe Lüthi auf die "Ökumene der Künstler" hingewiesen und hier entscheidende Akzente gesetzt.

Kurt Lüthi wurde am 31. Oktober 1923 als Sohn eines Volksschullehrers und einer Handarbeitsschullehrerin im Kanton Bern geboren und wuchs in dem Dorf Rohrbach auf. Er studierte Evangelische Theologie in Bern und Basel. Zu seinen Lehrern gehörten Karl Barth, Karl Ludwig Schmidt und Oskar Cullmann. Literarisch wurde er auch durch Martin Buber und Dietrich Bonhoeffer beeinflusst. Nach Abschluss seiner Studien im Jahr 1949 wurde er Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Bern, zunächst in Beatenberg, später in Biel. Bei Cullmann promovierte Lüthi 1955 in Basel mit einer Dissertation über Judas Iskarioth in der Geschichte der Auslegung. Einige Jahre später habilitierte er sich mit einer Studie über Gott und das Böse an der Universität Bern. 1964 wurde er auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie H.B. an die Evangelisch-Theologische Fakultät Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1990 lehrte. In den Jahren 1966/67, 1971/72 und von 1979 bis 1981 war Lüthi Dekan der Fakultät.

Quelle: www.evang.at >>>

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