Glaube hinter Gittern

''Was macht eigentlich…die Gefängnisseelsorge?''

Im JVA-Andachtsraum, der zurzeit renoviert wird, berichtete Pfarrer Harald Blümel (2. von links) seinen Besuchern von den dort gefeierten Gottesdiensten.

Kreis Lippe. Als evangelischer Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Detmold begegnet Pfarrer Harald Blümel Menschen, mit denen andere nichts zu tun haben wollen. Andererseits ist Pfarrer Blümel für manche Gefangene vielleicht der einzige Ansprechpartner, dem sie unmittelbares Vertrauen entgegenbringen. Interessierte nahmen jetzt die Möglichkeit wahr, sich in der landeskirchlichen Veranstaltungsreihe „Was macht eigentlich…?“ in der JVA Detmold über die Gefängnisseelsorge zu informieren.

Harald Blümel ist seit sieben Jahren mit einer halben Stelle Gefängnisseelsorger, mit der anderen halben Stelle Gemeindepfarrer in Bösingfeld. In der Detmolder Haftanstalt betreut er zusammen mit einem katholischen Amtskollegen rund 150 inhaftierte Männer.

Ein hoher Anteil der Gefangenen ist zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden wegen Tötungsdelikten, Sexualstraftaten und Rauschgiftkriminalität. Ihnen allen stehe das seelsorgerliche Angebot offen, einmal wöchentlich an einem Gesprächskreis „über Gott und die Welt“ und einmal im Monat an einem Bibelabend teilzunehmen, erklärt Pfarrer Blümel. Außerdem biete er persönliche „Vier-Augen-Gespräche“ an und lade im Wechsel mit dem katholischen Pfarrer alle vierzehn Tage zum Sonntagsgottesdienst in den Andachtsraum der JVA ein.

Der Gottesdienst erfreue sich regen Zuspruchs. Gut zehn Prozent aller Gefangenen nähmen daran teil. Verglichen mit einer Kirchengemeinde „draußen“ sei das ein hoher Prozentsatz. Die Gottesdienste mit Liedbegleitung von einer kleinen Orgel unterschieden sich prinzipiell nicht von Gemeindegottesdiensten. Allerdings treffe er, berichtete Blümel, für seine Predigten eine besondere Sprachwahl. Beispielweise erzähle er eine biblische Geschichte bewusst als „Tathergang“.

Die persönlichen Gespräche handelten zumeist von Beziehungsproblemen und vom Verhältnis zu Angehörigen außerhalb des Gefängnisses. Die Inhaftierung eines Menschen habe gravierende Folgen für die Angehörigen, sie greife massiv in das System der Familie ein. In diesem Zusammenhang gehe es im seelsorgerlichen Zwiegespräch weniger um Ratschläge, sondern mehr ums Zuhören.

Nicht selten begegnet Pfarrer Blümel Gefangenen, die sich schwer damit tun, das Schuldhafte ihres Handelns anzuerkennen. Als Gefängnisseelsorger wende er sich seinem Auftrag gemäß den Tätern zu, dabei könne und dürfe er die Opfer jedoch nicht ausblenden. In der seelsorglichen Beratung werde deshalb auch begangenes Unrecht angesprochen, und zwar mit dem Ziel, für das Leid der Opfer zu sensibilisieren. Weil der Strafvollzug auf die Resozialisierung und Reintegration der Gefangenen in das gesellschaftliche Leben abzielt, ist Pfarrer Blümel auch in die Entlassungsvorbereitung der Inhaftierten eingebunden. Den kurz vor ihrer Entlassung stehenden Gefangenen, die ernsthaft einen Schlussstrich unter ihr bisheriges Leben ziehen wollen, rate er zum Start in eine delikt- und straffreie Zukunft: „Vergesst Detmold, vergesst den Knast.“


Lippische Landeskirche, Öffentlichkeitsarbeit, 12. April 2011
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