Der Heidelberger Katechismus in den Mitgliedsgemeinden des Reformierten Bundes

Ergebnis einer Umfrage

Anfang des Jahres 2011 hat der Reformierte Bund einen Fragebogen zum Heidelberger Katechismus an seine Mitgliedsgemeinden verschickt. 124 Gemeinden haben geantwortet. Von ihnen gaben 112 an, der Katechismus sei in ihrer Gemeinde in Gebrauch. 12 teilten mit, dass er es nicht (mehr) sei oder er nur sehr selten vorkäme.

Die Auswertung der Fragebögen ergibt folgendes Bild:
Der Haupteinsatzort für den Heidelberger Katechismus scheint der Konfirmandenunterricht zu sein. Jedenfalls gaben 100 Gemeinden an, dass er dort verwendet werde. In 94 Gemeinden müssen Fragen auch auswendig gelernt werden, allerdings nicht immer in dem Umfang, wie sie im Unterricht behandelt werden.
Bei den Angaben über die im Unterricht vorkommenden Fragen gibt es große Unterschiede. Wird in einigen Gemeinden – insgesamt sind es 18 - allein Frage 1 („Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“) behandelt, so ist es in wenigen anderen fast der ganze Katechismus. Die Mehrzahl der Gemeinden bewegt sich hier jedoch im Mittelfeld; sie wählen bestimmte Fragen aus, nicht selten sind es mehr als 10.
Am häufigsten werden dafür folgende Fragen genannt: nach der schon erwähnten Frage 1, die in allen Gemeinden zum Repertoire gehört, ist „Spitzenreiter“ Frage 21 („Was ist wahrer Glaube?“), gefolgt von Frage 54 („Was glaubst du von der heiligen, allgemeinen, christlichen Kirche?“) und - jedoch deutlich seltener - Frage 60 („Wie bist du gerecht vor Gott?“). Frage 66 („Was sind Sakramente“ ) wird ebenfalls häufiger genannt sowie auch Frage 86 („Da wir nun aus unserm Elend ganz ohne unser Verdienst aus Gnade durch Christus erlöst sind, warum sollen wir gute Werke tun?“).
Bestimmte Fragegruppen, wie die zur Auslegung der Gebote (Frage 92 ff) und – nur geringfügig seltener - die zum Gebet (Frage 116 ff) kommen im Unterricht vieler Gemeinden ebenfalls häufig vor.

Im Gegensatz zum Konfirmandenunterricht spielt der Katechismus in der Erwachsenenbildung eine wesentlich geringere Rolle. Nur 44 Gemeinden gaben an, dass der Katechismus in der Arbeit mit Erwachsenen, z.B. in Gesprächskreisen, vorkäme.

Fast gleich hoch – nämlich 45 - ist die Anzahl der Gemeinden, in denen der Katechismus in der Seelsorge Bedeutung hat. Einige vermerkten hier, dass Frage 1 im Rahmen von Trauerfeiern am Grab gelesen oder - viel seltener – als Text für eine Trauerpredigt gewünscht würde.

Im Gottesdienst, so das weitere Ergebnis der Umfrage, ist der Katechismus stärker verankert. Insgesamt 99 Gemeinden gaben an, der Katechismus käme in ihrer Gemeinde im Gottesdienst vor. In 91 von ihnen wird er in Auswahl gelesen, meistens in der Funktion als Bekenntnisaussage. In 27 Gemeinden wird er (auch) als Predigttext verwendet, in manchen regelmäßig, in anderen unregelmäßig oder aus besonderem Anlass, z.B. einer Predigtreihe.

Aus etwa der Hälfte der zurückgeschickten Fragebögen geht hervor, welche Themen im Zusammenhang mit dem Katechismus als besonders interessant angesehen werden. Die individuell gegebenen Antworten lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • die Frage nach dem wahren Gauben
  • der Zusammenhang von Glauben und (guten) Werken
  • Glaubensgewissheit - Zuspruch – Trost
  • Frage 1 als Zuspruch und Bekenntnis
  • das Menschenbild des "Heidelbergers"
  • Schöpfung und Bewahrung
  • die Bedeutung Jesu für den Glauben, sein dreifaches Amt
  • Kirche und Heiliger Geist
  • die Bedeutung von Taufe und Abendmahl
  • die Gebote Gottes, Dankbarkeit
  • Traditionsbewusstsein und -bestand
  • was ist eigentlich evangelisch-reformiert?
  • reformierte Positionen im ökumenischen Gespräch
  • Aufbau und Struktur des "Heidelbergers" als theologische Aussage
  • didaktischer Umgang mit dem Katechismus

Über die genannten Themen hinaus werden auch Schwierigkeiten mit dem Katechismus benannt, vor allem hinsichtlich seiner Sprache und der Theologie des 16. Jahrhunderts. Einige Gemeinden wünschen sich (deshalb) Predigtentwürfe und neues didaktisches Material.
Andere Gemeinden teilen mit, dass sie den Katechismus als Ausgangspunkt für Gespräche über den Glauben verwenden (wollen).
 

 


Aleida Siller