Termine
25. April bis 8. Juni 2012: Wanderausstellung über Migration und Integration in Ostwestfalen-Lippe vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart in Bielefeld
BIELEFELD - Mit der Ausstellung „OWL – Heimat für Fremde? Migration und Integration in Ostwestfalen-Lippe vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart“ haben sich Archive in Ostwestfalen-Lippe zu einem gemeinsamen Projekt zusammengefunden.
Himmelfahrt bis Erntedank
An Himmelfahrt "Am Heiligen Brunnen" Gottesdienst feiern, in einem Garten, einem Pfarrhof , unter eine Blutbuche - das und mehr bieten die besonderen Gottesdienste "Kirche im Grünen" 2012.
Kunst, Literatur und Musik in lippischen Kirchen
Kreis Lippe. In der Nacht von Pfingstsonntag (27. Mai) auf Pfingstmontag bieten rund 230 Kirchen in Westfalen und Lippe ein vielfältiges Programm: es ist die 5. Nacht der offenen Kirchen. In Lippe sind Kirchen in Bad Meinberg, Bad Salzuflen, Detmold, Dörentrup-Bega und Lemgo geöffnet.
23. bis 25. Mai 2012 in der Johannes a Lasco Bibliothek Emden
Elternkurs beginnt am 24. Mai 2012
Ev. Familienbildung lädt Eltern zum Kurs „Elternstart NRW“ ein
Kreis Lippe. Die Ev. Familienbildung der Lippischen Landeskirche bietet ab Mai für Eltern mit einem Kind im ersten Lebensjahr den Kurs „Elternstart NRW“ an. An fünf Terminen besteht die Gelegenheit für Informationen, Tipps und Gespräche.
In der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2012: 300 Kirchen in NRW geöffnet
"Herzlich willkommen zur fünften Nacht der offenen Kirchen!" - So oder ähnlich werden viele Besucher in der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag an den westfälischen Kirchentüren begrüßt werden. Denn viele der beteiligten Gemeinden sind seit 2004, der ersten Nacht der offenen Kirchen, wieder mit dabei. Und - in ökumenischer Verbundenheit - immer mehr katholische Kirchengemeinden.
Pfingsten: Nacht der offenen Kirchen in 10 Kirchen des Evangelischen Kirchenkreises Siegen
Zum 5. Mal laden evangelische Gemeinden in Westfalen und Lippe vom Pfingstsonntag auf Pfingstmontag (27. Mai/28.Mai) zu einer Nacht der offenen Kirchen ein.
Pfingstsonntag, 27. Mai, 11.30 Uhr, Kaiser-Wilhem-Platz, Detmold
Detmold. Zu einem ökumenischen Gottesdienst „Gottes Geist in unserer Mitte“ laden die Lippische Landeskirche, das Römisch-Katholische Dekanat Bielefeld-Lippe, die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten) und die Evangelisch-Methodistische Kirche ein.
Pfingstsonntag, 27. Mai 2012
Mit einem großen Geburtstagsfest in Ratzeburg wird die Nordkirche ihren allerersten Tag feiern: Am Pfingstsonntag (27. Mai) wird Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland offiziell gegründet - sie entsteht aus dem Zusammenschluss der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und der Pommerschen Evangelischen Kirche.
27. und 28. Mai 2012 in Detmold
Detmold. Mit einer Vielzahl an Informationen und Aktionen beteiligen sich die Lippische Landeskirche, ihre Kirchengemeinden sowie die Diakonie zu Pfingsten am Nordrhein-Westfalen-Tag in Detmold.
31. Mai 2012, 12 Uhr in Düsseödorf
Anlässlich der konstituierenden Sitzung der 16. Wahlperiode des NRW-Landtages laden der Beauftragte der Evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen und der Direktor des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen am Donnerstag, 31. Mai 2012, zu einem Ökumenischen Gottesdienst ein. Dieser Gottesdienst, den Kirchenrat Rolf Krebs und Prälat Martin Hülskamp leiten, beginnt um 12 Uhr in der Pfarrkirche St. Maximilian, Schulstraße 9, in Düsseldorf.
1. bis 3. Juni 2012: Tagung in Bremen
Träger: Bremische Evangelische Kirche; Evangelisches Bildungswerk
Bremen; Reformierter Bund; Internationaler Versöhnungsbund, Deutscher Zweig; Bremische Stiftung für Rüstungskonversion und Friedensforschung; Church and Peace; Stiftung Die Schwelle
1. bis 10. Juni 2012 in Wetzlar
Die Hessen können sich auf ein vielfältiges Programm der Kirchen auf dem Hessentag in Wetzlar freuen: Vom 1. bis 10. Juni laden die evangelischen Kirchen in Hessen und das katholische Bistum Limburg in ökumenischer Verbundenheit zu Gottesdiensten, Gebetszeiten, Konzerten, Musicals, Lesungen und Mitmach-Aktionen ein. Der gemeinsame Auftritt ist eine Premiere in der Geschichte des Landesfestes und steht unter dem Leitwort „Über uns – Ein Himmel für den Hessentag“. Er knüpft an die über Jahrhunderte gewachsene, geschwisterliche und praktizierte Ökumene im Dom von Wetzlar an: Seit der Reformation wird dieses Gotteshaus von beiden Konfessionen gleichermaßen genutzt und belebt. Der Dom und die zur „Himmelskirche“ umgestaltete Hospitalkirche und eine Himmeltreppe auf der Hessentagsstraße werden Zentren des kirchlichen Auftritts sein.
4. Mai, 1. Juni, 30. Juni, 9. September 2012
in der evang.-ref. Kirche Leipzig, Tröndlinring 7, 04105 Leipzig
1. bis 3. Juni 2012: Pilgerwochenende in Falkenhagen
Kreis Lippe. Eine Auszeit für die Seele, eine Unterwegszeit für die Füße, eine Zeit der Gemeinschaft auf dem lippischen Pilgerweg: Zu einem Pilgerwochenende lädt die Lippische Landeskirche nach Falkenhagen ein.
3. Juni 2012: Kindergottesdiensttag in Unna - Anmeldeschluss 1. Mai
UNNA/WESTFALEN - Zum westfälischen Kindergottesdiensttag unter dem Motto „Was für Kinder“ am 3. Juni in Unna werden tausend Personen erwartet. Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Annette Kurschus, kommt an diesem Tag mit einem prominenten Kindergottesdienst-Mitarbeiter ins Gespräch: Samuel Koch, der bei „Wetten, dass… “ verunglückte und seitdem querschnittsgelähmt ist. Bis zum 1. Mai sind noch Anmeldungen möglich.
3. Juni 2012: Evangelischer Bauerntag in Silixen
Kreis Lippe/Extertal-Silixen. „Was darf unser Essen kosten?“ – unter diesem Motto steht der Evangelische Bauerntag der Lippischen Landeskirche am Sonntag, 3. Juni, von 14 bis 17 Uhr in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Silixen.
10. bis 20. Juni 2012: Studienfahrt nach Südfrankreich
Veranstalter: Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen in Verbindung mit ECC-Studienreisen; Anmeldeschluss: Ende Februar 2012
15. bis 16. Juni 2012: 32. Friedenskonsultation der landeskirchlichen Friedensausschüsse und christlichen Friedensdienste in Königswinter am Rhein
Zur Friedenskonsultation 2012 lädt die Evangelische Kirche im Rheinland ein und die Evangelischen Akademie im Rheinland richtet sie aus.
16. Juni 2012, 10 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. Michael Weinrich
Thema der Reformierten Konferenz ist die zweite Bitte des Unser-Vater-Gebets: "Dein Reich komme".
Dienstag, 28. Februar 2012; Dienstag, 19. Juni 2012
Lebens- und Alltagserfahrung stehen im Mittelpunkt der diesjährigen »Jüdisch-christlich-muslimischen Perspektiven« in Wuppertal.
21. Jubi bis 15. Juli 2012: Ausstellung in der Johannes a Lasco Bibliothek Emden
Eröffnung am 21. Juni 2012, um 19.30 Uhr
Eine Wanderreise vom 2. bis 9. Juli 2012
Das Bayerische Pilgerbüro bietet eine Reise zu den einstigen Hochburgen des Protestantismus in Frankreich an. Jeden Tag stehen Wanderungen von bis zu 4 Stunden auf dem Programm.
5. bis 7. Juli 2012: Tagung in der Evangelischen Akademie Villigst
Zur Zukunft der Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext
German Brass kommt am 7. Juli 2012 in die Evang.-ref. Kirche, Gildehaus, Grafschaft Bentheim
Zum Landesposaunenfest der Evangelisch-reformierten Kirche kommt das hochkarätige Bläserensemble German Brass. Vom 6. bis zum 8. Juli feiert die Kirche mit dem Bläserfest den 125.Geburtstag des Gildehauser Posaunenchores und damit das Bestehen ihres ältesten Bläserensembles. German Brass wird am Samstag, dem 7. Juli, um 20.00 Uhr erwartet.
Neuer Name für die Berliner Bibelwochen ab Sommer 2012
UEK. Europäische Bibeldialoge – ein neuer Name macht das veränderte Profil der Berliner Bibelwochen deutlich. Längst kommt mehr als ein Viertel der Teilnehmenden aus anderen Ländern. Die Bibeldialoge sind eine Art europäische Denkwerkstatt für Gemeinden, in denen Bibeltexte und Fragen unserer Zeit diskutiert werden.
Sechstes ostfriesisches Christentreffen findet vom 13. bis 15. Juli 2012 statt.
Der sechste Ostfriesische Kirchentag findet vom 13. bis 15. Juli 2012 in Aurich statt. Eine gemeinsame Konferenz der Superintendenten der sieben Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise des Sprengels Ostfriesland und der Präsides der evangelisch-reformierten Synodalverbände Ostfrieslands hat jetzt erste Planungen für das größte Christentreffen der Region besprochen. Hilke Klüver, Sprecherin der evangelisch-reformierten Gemeinden in Ostfriesland sagte, sie erwarte wieder einen Kirchentag mit fröhlichen und nachdenklichen Veranstaltungen. Der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland, Detlev Klahr, wünscht sich ein lebendiges Glaubensfest mit Mut machenden Begegnungen.
Vom 14. Juli bis 6. August 2012 lädt die Evangelisch-reformierte Kirche junge Erwachsene zu einer internationalen Jugendbegegnung ein.
Junge Menschen aus verschiedenen Mitgliedskirchen der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen verleben drei Wochen miteinander. Die alle zwei Jahre stattfindende Jugendbegegnung findet in diesem Jahr in Ruanda statt; die presbyterianische Kirche von Ruanda ist Gastgeberin des Treffens. Die anderen Teilnehmenden kommen aus Südafrika, Belgien und Deutschland. Neben der Evangelisch-reformierten Kirche ist auch die Kirche von Ruanda zugleich Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission.
16. bis 19. Juli 2012: 42. Internationale Karl Barth Tagung auf dem Leuenberg, Schweiz
"Sind die Christen zufrieden mit sich selbst? Genügt es ihnen, ihre christliche Frömmigkeit in der besonderen Art, in der sie nun eben hier oder dort, zu dieser und dieser Zeit ihre eigene ist, zu haben und zu pflegen ...?" - Karl Barth, KD III/4,578
19. bis 24. August 2012 in Apeldoorn - Anmeldung bis zum 15. Juli 2012
Die Theologische Universität Apeldoorn, das Seminar für Reformierte Theologie der Universität Münster und die Johannes a Lasco Bibliothek Emden laden ein zum Studium des "Heidelbergers" von A bis Z: Aufbau, Anthropologie, Hermeneutik, Soteriologie ... bis zur Zukunftsfrage: Wie predige ich den Katechismus?
1. September bis 4. Oktober 2012: ''Schöpfungszeit''
Zur ökumenischen Feier eines Tags der Schöpfung hat die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) eine Gottesdiensthilfe erstellt. Die Materialien stehen ab Mitte Mai auf der Internetseite der ACK zum Download bereit.
19. bis 21. September 2012: Konferenz in Belgien
The conference 'Music and Theology in the EUropean Reformations' will take place 19-21 September 2012 at the KULeuven. Leading professional theologians, historians, biblical scholars and musicologists from throughout Europe and North America will come together, to address the relationship between music and theology during the sixteenth century, with a particular emphasis on the question of reformation in all its forms (Lutheran, Calvinist, Catholic, and Radical).
20. bis 25. September 2012 in Florenz
„Frei für die Zukunft“ lautet das Thema der 7. GEKE-Vollversammlung vom 20.-25.9.2012 in Florenz - erstmals Steward-Programm für junge Erwachsene - Rat beruft Liturgie- und Rechtsberater sowie Fachkreismitglieder.
Gemeinsames Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2012
EKD. „Herzlich Willkommen – wer immer Du bist.“ So lautet das Motto der Interkulturellen Woche 2012, die vom 23. bis 29. September stattfindet.
Wettbewerb zum 7. Musikfestival ''Klassik für Kinder'' vom 28. bis zum 30. September 2012
Wolfgang Amadeus hat es getan, Johann Sebastian und Felix, genauso wie im vergangenen Jahr erst Svenja oder Aaron: Sie alle haben sich schon als Kind ans Notenpapier gesetzt und Musik geschrieben. Auch heute gibt es Kinder, die schon eigene Werke komponieren. Das Musikfestival „Klassik für Kinder“, das vom 28.-30. September 2012 zum siebenten Mal in der Evangelisch-reformierten Kirche zu Leipzig stattfindet, schreibt daher wieder einen Kompositionswettbewerb aus und wird dabei durch den Musikverlag Bärenreiter unterstützt.
11. bis 21. November 2012
Ökumenische FriedensDekade 2012 ruft zum mutigeren Eintreten für Menschenrechte auf
11. bis 21. November 2012
Infos und Materialien auf:
friedensdekade.de
Veranstaltungen weltweit in Vorbereitung; Start am 18. und 19. Januar 2013 mit Konferenzen in Gouda (NL) und Grand Rapids (USA)
Die Veröffentlichung des Heidelberger Katechismus 1563 und der Abschluss des Konzils von Trient im selben Jahr bieten Anlass, das 450jährige Jubiläum beider Ereignisse im Jahr 2013 vorzubereiten. Viele der Partner der internationalen Plattform Refo500 arbeiten an Ausstellungen, Kongressen, Reisen und Büchern.
Große Ausstellung in Heidelberg und Apeldoorn für 2013 geplant
1. bis 5. Mai 2013: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT) in Hamburg
Hamburg, 31. Januar 2012. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg steht unter der Losung „Soviel du brauchst“. Das hat das Kirchentagspräsidium in Erfurt beschlossen.
Jubiläumsausstellung im Kurpfälzischen Museum und im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses vom 12. Mai bis 15. September 2013
21. bis 23. Juni 2013: Internationale Konferenz in Apeldoorn
4000 Teilnehmer in Dortmund erwartet
Die Evangelisch-reformierte Kirche richtet die größte bundesweite Tagung für Kindergottesdienstmitarbeiter mit aus. Dazu werden im Jahr 2014 etwa 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland in Dortmund erwartet. ''Das Ganze ist wie ein kleiner Kirchentag rund um die Arbeit mit den Jüngsten bei uns'', sagte Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche und Beauftragter für die Kindergottesdienstarbeit.
Das Verständnis der Musik bei Johannes Calvin und seine Nachwirkungen
von Dr. Jan R. Luth, Rijksuniversiteit Groningen (NL)
Eine singende Gemeinde wünschte Calvin sich. Für die Lieder akzeptierte er nur "heilige" Texte, vornehmlich Psalmen. Liturgische Musik ist für den Reformator Genfs nicht nur Lobpreis Gottes, sondern auch gesungene Verkündigung, besonders kräftige sogar, denn die Wirkung gesprochener Worte sei größer, wenn eine Melodie dazukomme. "Für Calvin ist die Predigt nicht wichtiger als das Singen im Gottesdienst", sagt Jan R. Luth.
Vortrag im Rahmen der Reformierten Matinee in der Evangelisch-reformierten Gemeinde in Frankfurt am Main zur Eröffnung des Themenjahres "Reformation und Musik" im Rahmen der Reformationsdekade der EKD am 30. Oktober 2011
Das Verständnis der Musik bei Johannes Calvin und seine Nachwirkungen
Dr. Jan R. Luth, Rijksuniversiteit Groningen (NL)
Der Genfer Psalter
Johannes Calvin (1509-1564) hat das Entstehen der Bereimung der Psalmen – in der Geschichte bekannt als der Genfer Psalter oder Hugenottenpsalter - stark gefördert. Dieser Psalter hatte Jahrhunderte lang bis heute einen wichtigen Platz im gottesdienstlichen Repertoire des reformierten Protestantismus und die calvinistische Musik ist Jahrhunderte lang bestimmt gewesen vom Genfer Psalter.
Die Zeit des Entstehens umfasst 23 Jahre. Die erste Ausgabe mit 19 Psalmen und Gesängen, bestimmt für Calvins Gemeinde in Strassburg, erschien 1539. Dieses Gesangbuch wurde von Calvin verfasst und hatte neben Psalmbereimungen von Clement Marot auch einige Psalmen und Gesänge von Calvin selbst. Diese Reimpsalmen wurden gesungen auf Melodieen aus dem Gesangbuch der deutschsprechende Gemeinde von Strassburg. (z.B. Ps. 36 = 68 von M. Greitter, später auch bekannt O Mensch, bewein dein Sünde gross). Calvin war aber davon überzeugt, dass Bereimen und Komponieren ein Gewerbe ist und so suchte und fand er Dichter und Komponisten, die seinen Wunsch nach einem vollständigen Psalter erfüllen konnten. Ab 1541 arbeitete Calvin in Genf. 1562 waren alle 150 Psalmbereimungen fertig und seitdem hat der Genfer Psalter viele Drucke erlebt in verschiedenen Sprachen. Nur in der Strassburger Ausgabe finden wir Texte von Calvin. In den späteren Ausgaben wurden Bereimungen von Marot und seinem Nachfolger Théodore de Bèze aufgenommen, aber die Melodien aus Strassburg wurden beibehalten. Die meisten Melodien wurden komponiert von den Genfer Kantores Louis Bourgeois, Maître Pierre und Guillaume Franc. Mehrere Melodien sind von einem Hymnus oder Sequenz übernommen worden, wie Ps. 80 Victimae paschali laudes, Ps. 141 Conditor alme siderum. Diese Psalmen wurden von der Gemeinde in Genf einstimmig gesungen ohne Begleitung. Mehrstimmige Sätze, wie von Louis Bourgeois (1547) und Claude Goudimel (1565) hatten nicht ihren Ort im Gottesdienst, sondern in den Häusern.
Dass Calvin viel Zeit und Energie im Verlaufe seines Lebens diesem umfangreichen Projekt gewidmet hat, kann nur aus seiner theologischen Auffassungen bezüglich Musik und insbesondere gottesdienstlicher Musik erklärt werden. Das soll heute morgen erläutert werden.
Es ist auffallend, dass schon vor der Reformation der Kirchengesang zusammen mit der Feier des Abendmahls und dem Wunsch, einen Katechismus zur Verfügung zu haben, im Mittelpunkt der Veränderungsbestrebungen stand. Auch für Calvin lag hier der Schwerpunkt für die Änderungen, die er in der Kirche für notwendig erachtete. Er wusste zweifellos, dass Gemeindegesang in Wittenberg und Strassburg eingeführt wurde, und vielleicht hatte er Gemeindegesang in Basel gehört, wo dieser seit 1535 eingeführt worden war. Jedenfalls wünschte Calvin schon vor allen reformatorischen Änderungen eine singende Gemeinde.
Psalmsingen gehörte für Calvin zum öffentlichen Gebet und war notwendig zum Aufbau der Kirche und um Gott zu loben und zu preisen. Calvin weist darauf hin, dass diese Gewohnheit zurück geht auf die alte Kirche und auf Paulus. Er ist der Meinung, dass die Gebete der Gläubigen so kalt sind, dass es beschämend ist. Das Singen der Psalmen kann uns aber anregen, unsere Herzen zu Gott zu erheben und uns bewegen, Gott zu loben. Seine Kritik an der römisch-katholischen Kirche ist, dass die Psalmen dort entartet sind zu einem Gemurmel, ohne dass jemand etwas davon versteht.
La Forme des Prières (1542)
Einen wichtigen Teil von Calvins Theologie der Musik finden wir im Gesangbuch La Forme des Prieres et Chant Ecclesiastiques, das 1542 in Genf erschien. Calvin weist darauf hin, dass der Gottesdienst zum Zweck hat, Gott zu ehren. Auch soll der Gottesdienst die Gemeinde erbauen. Das ist aber nur möglich, wenn man versteht, was im Gottesdienst gesprochen und getan wird. Calvin ist der Meinung, dass es nicht ausreichend ist, am Gottesdienst nur visuell teilzunehmen. Inhalt und Bedeutung sind wichting. Wo das nicht der Fall ist, tritt das Verbot des Paulus in Kraft, dass man nicht ohne Erklärung in Zungen sprechen soll. Das heißt: für Calvin sind Kenntnis und Verstehen sehr wichtig. Das war eine Reaktion auf die Katholische Messe, in der die Gemeinde viel vermutete, aber wenig verstand.
Seiner Meinung nach gibt es drei Elemente, die Gott für den Gottesdienst verpflichtet hat: die Verkündigung, die Gebete und die Sakramente. Was die Gebete betrifft, gibt es einen Befehl des Heiligen Geistes, dass die in der Volkssprache sein sollen. Das begründet er mit Epheser 5,19 und Kolosser 3,16 wo Calvin liest, dass Lieder mit dem Herzen gesungen werden sollen, jedoch nicht innerlich, sondern so, dass das Herz der Zunge vorangeht. Aber das Herz kann nicht ohne den Verstand. Das ist den Unterschied zwischen Menschen und Vögeln: mit Verstand Singen ist eine besondere Gabe, die nur dem Mensch gegeben worden ist; der Mensch weiss und versteht, was er singt. Nach dem Verständnis folgen das Herz und die Affekte. Das ist der Fall, wenn den Gesang im Gedächtnis eingeprägt worden ist.
Calvin unterscheidet zwei Gebetsgattungen: es gibt gesprochene und gesungene Gebete. Diese Einteilung geht ebenfalls zurück auf Paulus, aber daneben gibt es auch die Erfahrung die lehrt, dass Singen eine grosse Kraft hat, um die Menschen zu bewegen und dazu zu bringen, dass sie Gott loben.
Calvin ist der erste in der Geschichte, der unterscheidet zwischen Musik für den Gottesdienst und Musik ausserhalb des Gottesdienstes, oder wenn man will: zwischen weltlicher und geistlicher Musik. Calvin sagt folgendes: Es ist sehr wichtig darauf zu achten, dass das Kirchenlied nicht leicht und flüchtig sei, sondern Gewicht und Gravität hat. Es soll einen grossen Unterschied geben zwischen der Musik, mit der man sich zu Hause und zum Tisch vergnügt und den Psalmen, die man in der Kirche singt in Anwesenheit von Gott und seinen Engeln. Aber auch ausserhalb des Gottesdienstes ist Singen ein Mittel, Gott zu loben und seine Grösse zu überdenken. Das ist so notwendig, weil nur das gesprochene Wort viel zu kurz greift.
Unter den Sachen, die den Menschen Vergnügen und Freude geben, ist Musik die wichstigste. Weil sie aber eine Gabe Gottes ist, soll sie so auch benutzt werden. Deshalb warnt Calvin, anders als Luther, gegen den Missbrauch der Musik. Diese Warnung stützt er auf Plato, der der Meinung war, dass nichts die Sitten des Menschen so beeinflusst wie Musik. Calvin schreibt, dass er täglich diese unglaubliche Kraft der Musik erfährt.
Sehr wichtig und ziemlich unbekannt ist der Unterschied, den Calvin macht zwischen zwei Aspekten der Musik, nämlich dem Text und der Musik. Die Wirkung, so schreibt er, eines Textes ist viel grösser, wenn eine Melodie dazu kommt. Dann wird das Herz viel kräftiger durchschnitten und wird das Innere des Menschen erreicht. Als Illustration benützt er das Bild eines Trichters: wie Wein durch einen Trichter ins Fass gegossen wird, so auch ein Text durch die Melodie in den Menschen. Diese intensive Wirkung einer Melodie hat zur Folge, dass die Textwahl von größter Bedeutung ist.
Calvin akzeptiert deshalb nur heilige Texte. Für ihn kommen die Psalmen an erster Stelle. Was kann man besser singen als Wörter, die Gott uns selber gegeben hat. Er bezieht sich auf Augustin. Deshalb bevorzugte Calvin die Psalmen und schreibt: wenn wir diese Worte singen, sind wir sicher, dass Gott sie in unseren Mund gelegt hat, wie wenn er selber in uns singt. Calvin beschliesset seine Vorrede mit der Mitteilung, dass er die Melodien modifiziert hat, damit sie Gewicht und Stolz haben, und so in Űbereinstimmung sind mit dem Inhalt und geeignet, um sie in der Kirche zu singen.
Wichtig in Calvins Theologie der Musik ist die Auffassung von Schöpfung und von Gottesdienst. Einerseits ist Musik die wichtigste Gabe der Schöpfung, die Freude bringt, andrerseits wird diese Gabe immer von Missbrauch bedroht. Gottesdienst als Ereignis für das Angesicht Gottes und seine Engel ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.
Macht der Musik
Calvins Mitteilung über seine eigene Erfahrung mit der Macht der Musik steht quer zu der Auffassung in der Literatur, dass er zwar der Organisator des Genfer Psalters war, aber selber nichts mit Musik hatte. Wir finden Gedanken über die Macht der Musik übrigens nicht nur bei Calvin, auch die Humanisten erkannten die Macht der Musik und stützten sich ebenfalls auf Plato und Augustin. Auch der Reformator von Strassburg, Martin Bucer schrieb, dass durch Musik das Böse tief in das Herz des Menschen eindringen kann.
Ein eigener Stil
Ich habe schon darauf hingewiesen, dass Calvin als erster in der Geschichte unterscheidet zwischen Musik im Gottesdienst und anderer Musik. Musik in der Kirche soll anders klingen als ausserhalb der Kirche. Calvin fordert einen kirchlichen Stil und Melodien, die “convenable au sujet”, sind; das bedeutet: in Űbereinstimmung mit den Texten die gesungen werden. Daneben sollen Melodien “poids & majesté” haben. Am besten ist das zu übersetzen mit „Gewicht und Vornehmheit“. Die Frage ist natürlich, wie Melodien, die Gewicht und Vornehmheit haben, sich unterscheiden von Melodien, die das nicht haben und für Calvin “legier & volage”, ohne Gewicht und flüchtig sind. Diese Frage ist nicht so einfach in einer Definition zu beantworten. Aber die Merkmale der Genfer Melodien helfen uns weiter. Charakteristisch ist, dass die Wahl der Kirchentonart bestimmt wurde vom Inhalt des Textes. Psalmen über Schuld und Buße haben z. B. die phrygische Kirchentonart, wie Psalm 51. Ein weiteres Merkmal des Genfer Psalters ist der Gebrauch von nur zwei Notenwerten und das vermeiden von Melismen, d.h. das Singen von mehreren Noten auf einer Silbe, wie das in der Gregorianik üblich war.
Das Thema Calvin und die Kirchenmusik kennt einige Missverständnisse
Wir haben gesehen, dass Calvin einen Akzent darauf legt, dass der Gottesdienst für Gott und seine Engel stattfindet und dass die göttliche Nähe ihn dazu bringt, gottesdienstliche und weltliche Musik zu unterscheiden. Der Ausdruck “poids & majesté”, „Gewicht und Vornehmheit“, benützt Calvin um deutlich zu machen, was er für den Gottesdienst als akzeptabel achtet. Mit Unrecht aber wird dieser Ausdruck oft angewendet um zu verteidigen, dass mit „Gewicht und Vornehmheit“ in der Kirche gesungen werden soll, das bedeutet: vornehm und in einem sehr niederigen Tempo. Calvin schreibt hier aber nicht über Aufführungspraxis, sondern er charakterisiert einen Stil: Melodien die im Gottesdienst gesungen werden, sollen „Gewicht und Vornehmheit“ haben. Das unterscheidet diese Melodien von anderen, die kein Gewicht haben und flüchtig sind. Dass diese Interpretation die richtige ist, zeigen die verschiedenen zeitgenössischen Űbersetzungen dieser Vorrede Calvins.
Wenn es um Missverständnisse geht, möchte ich noch auf einen anderen Punkt hinweisen.
Meistens wird Luther in der Literatur gesehen als der grosse Stimulator der Kirchenmusik, und Calvin als ein Feind der Künste, also auch der Musik. Das ist bestimmt falsch. Ein wesentliches Merkmal in Calvins Theologie ist die Auffassung, dass liturgische Musik gesungene Verkündigung ist. Ausgangspunkt dafür ist die damals übliche Erklärung von Paulus Brief an die Epheser 5,19 und dem Paralleltext in Paulus Brief an die Kolosser 3,16: Redet unter einander in Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Herzen. Die Erklärung Calvins ist, dass Singen nicht nur Lob Gottes ist, sondern wenn die Gemeinde singt, singt man zugleich einander zu: das wird von Calvin gesehen als gesungene Verkündigung. Singen ist also nicht ein sekundäres Phänomen neben der gesprochenen Verkündigung, der Predigt. Für Calvin ist die Predigt nicht wichtiger als das Singen im Gottesdienst. Im Gegenteil: gesunge Verkündigung hat sogar einen grösseren Aktionsradius als gesprochene Verkündigung. Das ist der Kernbedeutung vom genannten Bild des Trichters, das er benützt, um die grosse Wirkung der Musik darzustellen. Wenn man einem Text eine Melodie hinzufügt, ist die Wirkung des Textes viel grösser als wenn ein Text gesprochen wird. In diesen Hinsicht geht Calvin ebenso weit wie Martin Luther, wenn es um die Bedeutung der Kirchenmusik geht. Damit ist auch klar, dass Calvin zu Unrecht gesehen wird als jemand, der die Kirchenmusik als nicht von Bedeutung achtete. Die jedenfalls in den Niederlanden viel gehörte Aussage, dass es im Gottesdienst um das Wort geht, würde Calvin bestimmt unterschreiben, vorausgesetzt, dass dies nicht nur das gesprochene, sondern auch das gesungene Wort betrifft.
In Genf hat man mit diesem Prinzip den Gottesdienst gestaltet, was an der Tatsache zu sehen ist, dass man den Psalmen als Form der Verkündigung einen bedeutenden Platz im Gottesdienst eingeräumt hat. Beim Eingang von St. Pierre in Genf und später auch in den Genfer Gesangbüchern wurden Tafeln geschrieben und gedruckt, in denen angegeben wurde, welche Psalmen während des Gottesdienstes gesungen wurden. Als der Genfer Psalter 1562 vollständig vorlag, war die Struktur dieser Tafeln so, dass alle 150 Psalmen in 26 Wochen, also zweimal pro Jahr, gesungen wurden, verteilt über drei Gottesdienste pro Woche: zwei am Sonntag und ein Gottesdienst am Mittwochabend. Wenn wir uns diese Tafeln näher ansehen, dann stellt sich heraus, dass in jedem Gottesdienst etwa 33 Strophen gesungen wurden und weiter, dass soviel wie möglich ganze Psalmen gesungen wurden, oder Teile der sehr langen Psalmen, wie Psalm 119. Diese Teile wurden in den Gesangbüchern zwischen den Strophen durch Sternchen markiert und später ersetzt von dem Wort “Pause”. So entstand in Deutschland der Ausdruck “einen Pausam singen.“([1]) Das Wort Pausam bedeutet dann nicht Pause als Zeichen am Zeilenende, sondern eine Anzahl Strophen, meistens 3 oder 4.
Die Wahl der Psalmen in diesen Tafeln ist nicht eindeutig zu erklären. Es gab kein Kirchenjahr und Calvin hat auf der Grundlage der Lectio continua gepredigt, d.h. dass er ganze Bibelbücher erklärte. Es ist aber klar, dass am Sonntag hauptsächlich Lobpsalmen und am Mittwochabend Busspsalmen in Genf gesungen wurden. Es steht also fest, dass der Gemeindegesang grosse Bedeutung hatte, nicht nur in Calvins Theologie, sondern dieses wird auch gezeigt in dem grossen Anteil der Psalmen im Gottesdienst.
Es ist sprichwörtlich geworden, dass Calvin den Psalmen eine bevorzugte Stellung einräumt. Das erklärt sich daraus, wir schon sahen, dass er die Psalmen als von Gottes Geist eingegeben sah. Wer diese Texte singt, singt von Gott gegebene Wörter. Das hat dazu geführt, dass in einigen reformierten Kirchen in den Niederlanden, Schottland, Amerika und Australien das Singen von anderen Gesängen abgewiesen wurde und wird. Calvin wollte ja, dass nur Psalmen gesungen werden. Es ist die Frage, ob man hier Calvin zu Recht in Anspruch nimmt. Obwohl er den Psalmen den Vorzug gab, hat er in seiner Bereimung der Zehn Gebote eine letzte, freie Strophe hinzugefügt, die nicht auf einen Bibeltext zurückgeht. Im Psalter von Ambrosius Lobwasser lautet diese 9. aus dem Genfer Psalter übersetzte Strophe wie folgt:
“Herr Gott, dein wort gestreng und heftig
Klingt heller dann einig Metall
Wirck in uns durch dein gnad so kräftig
Das wir thun deinen willen all.”
Viertes und letztes Missverständnis. Das betrifft den Gebrauch von Instrumenten im Gottesdienst. Luther gestattet sie, Calvin nicht. Für Calvin gibt es Instrumentalmusik zum Vergnügen. Sie ist nicht notwending, aber auch nicht überflüssig, oder sogar verboten. Aber die menschliche Stimme ist primär. Instrumentalmusik, so Calvin, gehört zum Gottesdienst des Alten Testaments und gehört nicht in den Gottesdienst, ebensowenig wie Kerzen und Weihrauch. Gott hat Wohlgefallen an Einfachheit. Ausserdem verbietet Paulus, im Gottesdienst anders zu sprechen als das, was verständlich ist (er verweist auf den ersten Brief des Paulus an die Korinther 14,16.) Für ihn gehört Instrumentalmusik, wie das Reden in Zungen, zu dem, was nicht verständlich, ist und dient darum nicht dem Aufbau der Gemeinde.
Noch wichtiger ist der Gedanke, dass die menschliche Stimme das natürlichste Instrument ist. Instrumentalmusik wurde davon abgeleitet und ist deshalb sekundär. Man geht in einer falschen Weise mit der Schöpfung um, wenn Instrumente benützt werden.
Für viele Menschen spricht Calvin hier als ein Feind der Künste. Aber einen solchen Vorwurf macht man nicht zu Recht. Denn Calvin wiederholt einfach die Auffassung des frühen Christentums, das sogar Instrumentalmusik in den Häusern verbot. Diese frühchristliche Auffassung finden wir heute noch immer in den Orthodoxen Kirchen des Ostens. In Russland, auf dem Balkan, in Griechenland klingt keine Instrumentalmusik in den Gottesdiensten; nur Vokalmusik. Es ist also nicht typisch für Calvin und den reformierten Protestantismus des 16. Jh., Instrumentalmusik zu verwerfen. Calvin hat die Orgelmusik nicht abgeschafft, er führte sie einfach nicht ein, denn es existierte überhaupt keine Begleitung des Gemeindegesanges und auch vor der Reformation war Orgelmusik eine Ausnahme. Die Orgel klang bei festlichen Gelegenheiten, entweder solo, oder in Abwechselung mit dem Chor (die sogenannte Alternatimpraxis). Diese Gewohnheit wurde von Calvin nicht übernommen.
Zusammenfassend
Für Calvin findet der Gottesdienst statt vor dem Angesicht Gottes und seiner Engel. Das bestimmt die hohe Anspüche, die er an die Kirchenmusik stellt.
Gemeindegsang ist nicht nur Lobpreis Gottes, sondern auch gesungene Verkündigung. Gesungene Verkündigung hat einen grösseren Aktionsradius als gesprochene.
Er unterscheidet und scheidet gottesdienstliche und nicht-gottesdienstliche Musik.
Qualität im Gottesdienst ist sehr wichtig.
Der Einfluss des Genfer Psalters war groß. Er wurde in vielen Landen übersetzt und gesungen und hat viele Komponisten inspiriert. Ein schönes Beispiel ist Deutschland. Die erste deutsche Űbersetzung des Genfer Psalters ist Ambrosius Lobwasser zu verdanken. Seine bekannteste Ausgabe erschien 1573, zusammen mit den vierstimmigen Sätzen von Claude Goudimel. Lobwassers Psalter wurde in der reformierten Kurpfalz eingeführt; anschließend folgten in Deutschland zahlreiche Ausgaben. Mitte des 17. Jahrhunderts beauftragte der reformierte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg den Berliner Kantor Johann Crüger, neue Sätze zum Lobwasserpsalter zu komponieren. Sie erschienen in den Jahren 1657 und 1658 unter dem Titel Psalmodia sacra. Bei der Komposition der Melodien ließ sich Crüger vom Genfer Psalter inspirieren. Z.B. das Lied „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“, hat eine Melodie, die vom 23. Psalm des Genfer Psalters abgeleitet wurde.
Zum Schluss. Wie steht es mit der Nachwirkung?
Calvin war sehr wichtig für die Kultur. Der Genfer Psalter hat sich weltweit ausserordentlich verbreitet. Aber die Theologie, die diesem besonderen Psalter zugrunde liegt, nicht. Im reformierten Protestantismus kennt man Calvin, wenn es um Dogmatik (z.B. seine Abendmahlsauffassung) und um kirchliche Organisation geht. Was den Gottesdienst und die Kirchenmusik betrifft, ist Calvin entweder unbekannt, oder falsch verstanden.
Literatur
Jan R. Luth, Calvinistische Musik, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik, begründet von Friedrich Blume. Zweite, neubearbeitete Auflage, hg. von Ludwig Finscher, Sachteil 2, Kassel, Basel, London, New York, Prag, Stuttgart, Weimar, [1995], S. 336-342.
Idem, Calvinistische Musik II. Reimpsalter und Gesänge in den Niederlanden, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. neubearbeitete Aufl. hg. von Ludwig Finscher, Sachteil Bd.2, Kassel 1995, Sp. 335-344.
Idem, Kirchenlied, Niederlande, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik, begründet von Friedrich Blume. Zweite, neubearbeitete Auflage, hg. von Ludwig Finscher, Sachteil 5, Kassel, Basel, London, New York, Prag, Stuttgart, Weimar, 1996, 94, 95.
Idem, Jan Utenhoves Reimpsalter im Gottesdienst, in: Chr. Strohm (Hg.), Bibliothek und Reformation. Miszellen aus der Johannes a Lasco Bibliothek Emden, Veröffentlichungen der Johannes a Lasco Bibliothek 4, 2001, 151-175.
Idem, Der Genfer Psalter und niederländische Reimpsalter im 16. Jahrhundert, in: P.E. Bernouilli, F. Furler (Hg.), Der Genfer Psalter. Eine Entdeckungseise, Zűrich 2001, 57-62.
Idem, Das Tempo der Genfer Psalmmelodien, in: Bulletin Int. Arbeitsgemeinschaft für Hymnologie 25/ 1997, 41-62.
Idem, The Music of the Dutch Reformed Church in Sweelinck´s Time, in: P. Dirksen (ed.), Sweelinck Studies. Proceedings of the Sweelinck Symposium Utrecht 1999, Utrecht 2002, STIMU (Foundation for Historical Performance Practice); 27-38. E. Grunewald, H.P. Jürgens,
E. Grunewald, H.P. Jürgens, J.R. Luth (Hrsg.), Der Genfer Psalter und seine Rezeption in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden, Niemeyer Tübingen 2004, 498 S. [Frühe Neuzeit. Studien und Dokumente zur deutschen Literatur und Kultur im europäischen Kontext. In Verbindung mit der Forschungsstelle “Literatur der Frühen Neuzeit” an der Universität Osnabrück, Bd. 97.] ISBN 3-484-36598-6.
J.R. Luth, Aulcuns psealmes et cantiques mys en chant A Strasburg 1539, in: E. Grunewald, H.P. Jürgens, J.R. Luth (Hg.), Der Genfer Psalter und seine Rezeption in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden, Niemeyer Tübingen 2004, 9-19.
Gemeindegesang in den Niederlanden im 16. Jahrhundert, in: idem, 421-434.
Gemeindegesang und Orgelbegleitung in den Niederlanden im 18. Jahrhundert, in: idem, 481-498.
Idem, Strassburg und Genf. Der reformierte Psalmengesang, in: Matthias Schneider, Beate Bugenhagen (Hg.), Zentren der Kirchenmusik, Laaber-Verlag, Laaber 2011, 78-82 [Matthias Schneider, Wolfgang Bretschneider, Günther Massenkeil (Hrsg.), Zentren der Kirchenmusik, Bd. 2]
©Dr. Jan R. Luth, Rijksuniversiteit Groningen (NL)
[1] W. Blankenburg, “Was bedeutet `einen Pausam singen?”, in: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 1963, 170, 171.
Jan R. Luth, Das Verständnis der Musik bei Johannes Calvin
und seine Nachwirkungen.pdf
Dr. Jan R. Luth, Rijksuniversiteit Groningen (NL), Oktober 2011
| |
|
|
Reformationsdekade 2012: Reformation und Musik
Infos, Predigten, Termine, Link-Tipps |
|









