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Ach und Weh - Das Ezechielbuch als Trauma-Literatur

Marburger Theologin Ruth Poser erhält Hanna-Jursch-Preis

"Ezechiel" (Detail) von Michelangelo im Fresko der sixtinischen Kapelle, 1510

EKD. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat zum sechsten Mal den Hanna-Jursch-Preis vergeben. Ausgezeichnet wurde die Theologin Ruth Poser für ihre Dissertation. Das Werk trägt den Titel "Es stand dort geschrieben: Tiefstes Wehklagen, Ach und Weh (Ezechiel 2,10b): Das Ezechielbuch als Trauma-Literatur“.

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Preisträgerin arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg und ist dort Koordinatorin des berufsbegleitenden Masterstudiengangs Evangelische Theologie.

Die Arbeit von Ruth Poser zeige in beeindruckender Weise, dass das Ezechielbuch aus dem Alten Testament als ein Buch gelesen werden könne, dass die schwere und dunkle Thematik der Traumatisierung differenziert aufgreife und biete damit viele Anknüpfungspunkte für die Arbeit mit Menschen, die schwere Gewalt erfahren haben, so die Vorsitzende der Jury, Prof. Dr. Helga Kuhlmann von der Universität Paderborn. Opfer von Gewalt fühlten sich oft selbst schuldig, schämten sich und könnten über ihre Erlebnisse nicht sprechen. Auch Ezechiel könne als eine Gestalt gesehen werden, die durch Gewalt traumatisiert sei. In Posers Buch würden die Gewalterfahrungen der literarischen Figur des Mannes Ezechiel als eine Traumatisierung interpretiert und im Unterschied dazu die Erfahrungen sexualisierter Gewalt der Stadtfrau Jerusalem. Deutlich werde, dass Menschen geschlechtsunterschiedlich Gewalt erleiden müssten, sagte die Juryvorsitzende.

Außerdem wende sich Ruth Poser in ihrem Werk besonders der Darstellung Gottes zu. Gott werde im Ezechielbuch zeitweise so erfahren, dass er durch das Schicksal seines geliebten Volkes verwundet wird und in seinem Zorn zur Instanz wird, die selbst Gewalttaten will. Dennoch stelle Ruth Poser klar heraus, dass im Buch Ezechiel den Traumatisierten im Jerusalemer Tempel ein sicherer Ort verheißen werde und dass sogar Getötete durch den göttlichen Geist wieder neu belebt werden. Das Buch wecke Lust, so die Juryvorsitzende abschließend, das Ezechiel-Buch als Ganzes neu zu lesen.

Der Hanna-Jursch-Preis wird alle zwei Jahre vom Rat der EKD für herausragende wissenschaftlich-theologische Arbeiten aus der Perspektive von Frauen vergeben. Die 6. Ausschreibung stand unter dem Motto „Liebe - Sexualität – Geschlechtergerechtigkeit. Als Geschöpfe miteinander leben“. Die Verleihung des Preises an Ruth Poser findet am 5. Juli 2012 im Rahmen eines Festaktes in der Alten Aula der Universität Marburg statt.  

Hannover, 13. Dezember 2011
Pressestelle der EKD

Reinhard Mawick
Pressesprecher

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