Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

''Diakonie – der kleine Unterschied''

Unterscheidet sich Diakonie von nichtkirchlicher Sozialarbeit?

Die Delegierten der Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) diskutierten in Bern den Unterschied kirchlicher Diakonie gegenüber säkularen Anbietern.

Unterscheidet sich Diakonie von nichtkirchlicher Sozialarbeit? Hat sie einen Mehrwert? Diese Fragen diskutierten 47 Delegierte und Gäste aus den Kirchen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes sowie von diakonischen Einrichtungen, die sich am 24. April unter dem Thema "Diakonie – der kleine Unterschied" in Bern versammelten.

Doppelte Überheblichkeit droht bei dem Versuch, Diakonie als Helfen mit religiösem Mehrwert zu betrachten, so Heinz Rüegger, wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Institut Neumünster in seinem Vortrag (>>> Referat "Diakonie als helfendes Handeln" online auf www.sek.ch): "Einmal eine realitätsfremde Überschätzung der christlichen Fähigkeit, sodann eine Abwertung der Hilfe-Fähigkeit von Menschen ohne christlichen Glauben." Bei diakonischen Trägern sei immer wieder das Bedürfnis feststellbar, das eigene soziale Handeln als anders darzustellen als dasjenige von säkularen Anbietern. Dies sei kritisch zu hinterfragen, so Rüegger. Das Helfen von Christinnen und Christen sei meist nicht anders als das von nicht christlich motivierten Akteuren. Zudem könne "der ideologisch-religiöse Anspruch, man müsse in der Diakonie anders, besser, erlöster sein als andernorts, Mitarbeitende unter einen unguten Leistungsdruck stellen&q uot;.

Eine andere Position vertrat Brigitte Arnold, Schwester der Kommunität Diakonissenhaus Riehen. Diakonisches Handeln sei nicht besser als soziales Engagement. Professionalität sei nicht alles. Das Spezifikum diakonischen Handelns im Vergleich zu sozialem Handeln sei jedoch "das Gegründet sein in Christus", betonte Arnold. Diakonisches Handeln sei "zuerst und vor allem ein Weitergeben der Liebe, die ich in und durch Christus an mir erfahren habe". Eine solche Haltung wirke sich auf den Dienst am Nächsten aus und sei spürbar.

Die Delegierten der Diakoniekonferenz thematisierten im Anschluss die Spannweite der Diskussion um den Unterschied zwischen Diakonie und Sozialarbeit sowie die Frage, wie sich Diakonie innerhalb des allgemeinen Sozialwesens besser positionieren könnte. Die Debatte wurde vor dem Hintergrund eines aktuellen Projektes geführt, mit dem der Kirchenbund die verschiedenen Gefässe im Bereich der Diakonie in der Schweiz analysiert. Der Rat des Kirchenbundes ist beauftragt, der Abgeordnetenversammlung bis Ende 2013 Massnahmen zur verbesserten Bündelung, Koordination und Steuerung dieser Gefässe vorzulegen.

Die Diakoniekonferenz ist eine Reflexionsplattform des SEK, die sich zweimal jährlich zu ausgewählten Themen versammelt. Sie setzt sich zusammen aus mindestens einem Vertreter oder einer Vertreterin aus den Mitgliedkirchen des SEK und ihm nahestehenden Werken und Organisationen sowie aus wichtigen diakonischen Einrichtungen. Eine Delegation der Diakoniekonferenz ist an der Abgeordnetenversammlung des SEK mit zwei Sitzen vertreten. Die kommende Diakoniekonferenz findet am 13. November 2012 in Bern statt.

Informationen und Dokumente auf www.sek.ch.


Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK, Medienmitteilung, Bern, 26. April 2012
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