Für eine gemeinsame Zukunft in einem geeinten Europa

Ein Wort der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Stärkung des europäischen Zusammenhaltes

Angesichts der Euro-Krise und der Verleihung des Friedens-Nobelpreises meldet sich die Protestantische Kirche zur Zukunft Europas zu Wort. Auch in der Krise müssten die gemeinsamen Werte tragfähig sein, die Kirchen sollte dazu ermutigen, fordert das Papier.

„Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat ihren Preis. Europa aber hat vor allem einen Wert.“ So heißt es in einem Diskussionspapier, das der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) anlässlich des am heutigen Donnerstag beginnenden Gipfels der Europäischen Union in Brüssel veröffentlicht hat. Der Text trägt den Titel „Für eine gemeinsame Zukunft in einem geeinten Europa – Ein Wort der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Stärkung des europäischen Zusammenhaltes“ und bildet den Auftakt zu einem Austauschprozess mit den europäischen Partnerkirchen.

Angesichts der Schulden- und Finanzmarktkrise gehe es längst um mehr als um den Erhalt der gemeinsamen Währung in der Eurozone: „Es geht um die Zukunft der europäischen Idee.“ Die EKD sehe sich in der Verantwortung, für eine gemeinsame Zukunft in Respekt und sozialer Verantwortung einzustehen. „Die Gemeinschaft in Europa hat einen Wert, der weit über die gemeinsame Währung hinaus geht.“

Krise und Integration Europas gingen die christlichen Kirchen unmittelbar an. Die „Vision einer, versöhnten Verschiedenheit‘“ könne nicht nur den Kirchen, sondern auch den Nationen Europas helfen, „Zusammenhalt in Unterschieden“ zu gestalten. Aus der ökumenischen Erfahrung der Kirchen wachse auch ein gemeinsamer Auftrag in der Welt. Deshalb setze sich die EKD für eine politische Ordnung ein, „in der Vielfalt und Respekt vor unterschiedlichen Identitäten als Stärke erlebt werden“.

In dem Text wird vor einem Zerfall der Eurozone gewarnt, da in einem solchen Fall neben „hohen volkswirtschaftlichen Belastungen“ auch mit einem „dramatischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen“ zu rechnen sei. Solche „Verwerfungen“ könnten „die Werte zerstören, die Europa ausmachen und die die Europäische Union verkörpern: Frieden, Wohlfahrt und Gerechtigkeit.“ In der Krise liege aber auch die Chance, europäische Entscheidungsmechanismen längerfristig neu zu justieren.

Eine Vertiefung der Gemeinschaft  in Europa, so heißt es in dem Text weiter, werde aber nur gelingen, wenn Entscheidungen in den „sensiblen Bereichen nationaler Identität“ – beispielsweise in der Kultur- und Sozialpolitik – „auf nationaler Ebene belassen und gesellschaftliche Unterschiede respektiert werden.“ Deshalb gelte es „lokales Handeln und lokale Verantwortung“ zu stärken. Eine „vorschnelle Verlagerung möglichst vieler Entscheidungskompetenzen“ auf die Ebene der Europäischen Union drohe dagegen zu einer Entfremdung der Bürgerinnen und Bürger zu führen.

Das Wort der EKD bekräftigt, dass der europäische Kontinent in besonderer Weise vom Christentum geprägt sei. Deshalb sehen sich die Kirchen in der Pflicht für den europäischen Zusammenhalt einzustehen, denn „Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung sind Anliegen, die nicht an nationalen Grenzen enden.“ Und weiter heißt es: „Unsere Zukunft liegt in Gottes Hand. Zugleich aber haben wir den Auftrag, sie in der Nachfolge Christi mitzugestalten. Die Zukunft eines freien, demokratischen und sozialen Europa lohnt unseren Einsatz – nicht nur als Bürgerinnen und Bürger Europas, sondern auch als christliche Kirchen.“

Abschließend ruft der Text dazu auf, Europa zu „unserer Sache“ zu machen: „Es ist an der Zeit, die Kraft des gemeinsamen Glaubens zu aktivieren“, denn: „Die Kirchen – gerade in ökumenischer Verbundenheit – haben die Kraft und die Reichweite, Menschen zu einem gemeinsamen europäischen Weg zu ermutigen.“

Das Wort „Für eine gemeinsame Zukunft in Europa“  nimmt  die Überlegungen des Rates der EKD und verschiedene ökumenischen Beratungen in den vergangenen Monaten auf. Die Veröffentlichung versteht sich erster Schritt hin zu einem gemeinsamen ökumenischen Wort zur Stärkung des Zusammenhalts in Europa. Zur Erarbeitung eines gemeinsamen Eckpunktepapiers und zum Podiumsgespräch mit der europäischen Politik beabsichtigt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)  andere europäische Kirchen und Kirchenbünde im kommenden Jahr 2013 zu einer Konferenz einzuladen.

 

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Nikolaus Schneider besuchte Haus der EKD in Brüssel

EKD. Der amtierende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat erstmals seit seinem Amtsantritt als Ratsvorsitzender das Haus der EKD in Brüssel besucht. Anlässlich einer Podiumsdiskussion über die Finanzlage der Kommunen, die vom Büro Brüssel des Bevollmächtigten des Rates der EKD und von der EU-Vertretung des Diakonischen Werks der EKD veranstaltet wurde, forderte Schneider einen Entschuldungsplan für die Kommunen und eine tragfähige finanzielle Basis für deren Arbeit. ''Die Kommune ist der Ort an dem Menschen Demokratie erleben und gestalten'', hob Schneider hervor.
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