Gefahr - nicht gebannt

Notat to read. Von Barbara Schenck


CCFoto: Geschütz der USMarine

Eine ideologische Anpassung an die „amerikanische Manie“, Stärke zu demonstrieren und Konflikte militärisch lösen zu wollen, verberge Bundespräsident Gauck unter dem Zauberwort „Normalisierung“, schrieb jüngst Michael Weinrich in zeitzeichen.

Was mittlerweile in Handlungsweisen der Bundeswehr als „normal“ erscheinen soll, zeigt Uwe-Karsten Plisch, Referent für Theologie der ESG, in seinem Vortrag "100 Jahre danach – Gefahr gebannt? Fortwirkungen von Kriegslegitimation in die Gegenwart".

Der Vortrag als PDF

Drei Beispiele als Leseanreiz:

Ein Werbevideo der Bundesmarine preist die militärische Sicherung der Seewege. Die Schmolllippen eines Mädchens, das seine tägliche Banane nicht bekommt, zeigen: Soweit könnte es kommen, würden die scharfen Geschütze auf Übersee nicht ausgefahren.
„Ganz unverhohlen wird hier für Wirtschaftskriege geworben“, kommentiert Plisch.

Zur Aufgabe der Militärgeistlichen heißt es in der EKD-Afghanistan-Handreichung:
„Das christliche Angebot trägt dazu bei, den Alltag zu strukturieren und Raum für seelische Rekreation zu bieten. Junge Soldatinnen und Soldaten werden in Afghanistan mit existenziellen Grenzerfahrungen konfrontiert. Militärgeistliche helfen bei der Bearbeitung und Einordnung solcher Erfahrungen.“
Bündiger sei Militärseelsorge als Wehrertüchtigung selten formuliert worden, sagt Plisch.

Die Afghanistan-Handreichung trägt den Titel. „Selig sind die Friedfertigen“. Das soll ein Zitat aus der Bergpredigt sein (Mt 5,9). Allerdings erklärte bereits Luther selbst, gemeint seien die, die den Frieden verfertigen, sprich: stiften.
Was sollen wir dazu sagen? „Theologische Armseligkeit“, so Plisch.

Lesen Sie selbst auf der Internetseite www.denk-mal-gegen-krieg.de unter Texte > Theologie >

Statt eines Notat to go gibt’s heute ein Notat to read und meinerseits einen Dank an den lutherischen Theologen Plisch.


Barbara Schenck, 24. September 2014