Aktuelle Termine


2017: Generalversammlung der Weltgemeinschaft reformierter Kirchen (WGRK)
27. Juni - 7. Juli 2017
Die WGRK kehrt an den Geburtsort der Reformation des 16. Jahrhunderts zurück, um zu bezeugen, dass dieses Ereignis den Christen auf der ganzen Welt gehört. Die 26. Generalversammlung wird vom 27. Juni bis 7. Juli 2017 in Leipzig (Deutschland) stattfinden. Die Generalversammlung der WGRK tagt alle sieben Jahre.


36. Deutscher Evangelische Kirchentag in Wittenberg
Vom 24. bis 28. Mai 2017
Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Kirchentages, lädt ein: „Feiern Sie mit uns einen besonderen Kirchentag in Berlin und beim großen Finale in Wittenberg, wo der Schlussgottesdienst zum Festgottesdienst wird.“


Christliche Hoffnung im Horizont der Reformierten Theologie
21. – 26. August 2016, Reformierten Sommeruniversität, Johannes a Lasco Bibliothek Emden
Eine Verantaltung der Johannes a Lasco Bibliothek Emden, des Seminars für Reformierte Theologie der Universität Münster, und der Theologischen Universität Apeldoorn


Christus und das Alte Testament
26. bis 28. August: Bibelkongress in der Woltersburger Mühle, Uelzen
mit Magdalene Frettlöh, Frank Crüsemann, Jürgen Ebach, Rinse Reeling-Brouwer, Klara Butting, Dirk-Jan Döhling, Egbert Ballhorn


Credo! - Das Apostolikum in reformierter Perspektive mit ökumenischen Akzenten
15. Februar bis 30. Mai - öffentliche Ringvorlesung in Bern


Du siehst mich
24. bis 28. Mai 2017 in Berlin: Deutscher Evangelischer Kirchentag mit einem internationalen Begegnungsort der Reformierten am Gendarmenmarkt
"Du siehst mich", das erkennt Hagar, eine junge Frau auf der Flucht, deren Geschichte im ersten Buch Mose erzählt wird. Die christliche Gewissheit, von Gott gehalten zu sein und daraus die Kraft zu schöpfen, auf Menschen zuzugehen und sie wirklich zu meinen, das ist als Losung ein kraftvolles Signal.


Einfach frei – nicht nur am 31. Oktober 2017
Die westfälische Landeskirche auf dem Weg zum 500-jährigen Reformationsjubiläum
Westfalen. Mit der Kampagne »Einfach frei« nimmt die Evangelische Kirche von Westfalen den einmaligen Feiertag am 31. Oktober 2017 zum Anlass, die aktuelle Bedeutung der Reformation vor 500 Jahren zu unterstreichen.


Gott und das Leid
18. bis 21. Juli
47. Internationale Karl-Barth-Tagung, Leuenberg bei Basel


Hoffnung gestalten und leben
10. bis 12. Juni: Ostfriesischer Kirchentag in Rhauderfehn
„Hoffnung haben wir“ - Ostfriesischer Kirchentag im Zeichen von Familie und Teens


Interkulturelle Woche 2016: Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt
25. September bis 1. Oktober 2016
Kirchen veröffentlichen Gemeinsames Wort zur Interkulturellen Woche 2016


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Luther und Zwingli: Der Abendmahlsstreit

Ein historisches Treffen

Luther und Zwingli bei ihrem Treffen in Marburg

Martin Luther und Ulrich Zwingli konnten ihren schon lange schwelenden Streit über die Bedeutung des Abendmahls auch bei einem persönlichen Treffen nicht überwinden.

Martin Luther und Huldrych Zwingli begegneten sich nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Bevor es zu diesem historischen Treffen kam, kämpften die beiden grossen Reformatoren in vielen Schriften gegeneinander, seitdem unter ihnen im Jahr 1525 der offene Streit über das Abendmahl ausgebrochen war. Der Wittenberger lehrte, dass Christus „in, mit und unter“ Brot und Wein gegenwärtig sei (Konsubstantiation), während der Zürcher Reformator im Brot und Wein blosse Zeichen sah, die daran erinnerten, dass Christus seinen Leib und sein Blut hingegeben hatte. Während der Abendmahlsfeier sei Christus im Glauben, keineswegs jedoch in den Elementen präsent. Das Abendmahl gab auch deshalb zu grossen Diskussionen Anlass, weil die Eucharistie im Mittelpunkt der spätmittelalterlichen Frömmigkeit stand.

Da der Streit über das richtige Abendmahlsverständnis auf beiden Seiten zu immer heftigeren Anschuldigungen führte, wuchs [auch aus politischen Gründen -TN] das Bedürfnis, den Zwist durch ein gemeinsames Gespräch zu überwinden. Der Landgraf Philipp von Hessen organisierte im Jahr 1529 ein Treffen in Marburg, zu dem er neben Luther und Zwingli auch Melanchthon aus Wittenberg, Oekolampad aus Basel und einige süddeutsche Reformatoren einlud. Auf dem Schloss des Landgrafen fanden zunächst Einzelgespräche zwischen Zwingli und Melanchthon, Luther und Oekolampad statt, wobei es zu Annäherungen ausser in der Abendmahlsfrage kam.

Am Tag danach folgte das Hauptgespräch, an welchem nebst den Diskutierenden auch Landgraf Philipp und eine ausgewählte Zuhörerschaft anwesend waren. Luther und Zwingli sassen zusammen mit Melanchton und Oekolampad an einem Tisch. Bis zum Abend sprachen sich der Wittenberger und der Zürcher Reformator über ihre unterschiedlichen Abendmahlslehren aus, ohne dass eine Seite ihre Position aufgegeben hätte. Zwingli argumentierte, das „ist“ in den Einsetzungworten („dies ist meine Leib“) meine „bedeutet“ (significat), und der Leib Christi könne nicht gleichzeitig im Himmel und im Sakrament sein. Luther hingegen hielt am Wortsinn der Einsetzungsworte fest. Beide Reformatoren beharrten auf ihren Meinungen, und das Gespräch endete ohne Verständigung.

Da der Landgraf weiter auf eine Einigung drängte, formulierte Luther eine Reihe von 15 Glaubensartikeln, welche den gemeinsamen evangelischen Glauben dokumentierten. Nachdem der Text an wenigen Stellen geringfügig geändert worden war, unterzeichneten beide Seiten die „Marburger Artikel“. Die ersten 14 Artikel enthalten gemeinsame Lehraussagen (über Gott, Christus, den Glauben, der gerecht macht, die Taufe), während im letzten Artikel, dem Abendmahlsartikel, der Dissens bekannt wird. Dort heisst es zum Schluss: „Zwar konnten wir uns darüber, ob der wahre Leib und das wahre Blut Christi in Brot und Wein gegenwärtig sind, zu dieser Zeit nicht einigen. Aber dennoch soll jede Partei gegenüber der anderen, soweit es immer das Gewissen zulässt, christliche Liebe erzeigen. Beide Parteien sollen Gott den Allmächtigen unablässig bitten, dass er uns durch seinen Geist die rechte Einsicht geben möge. Amen.“

Die Abendmahlslehre war - und blieb es in der Zukunft - der einzige Punkt, der die beiden grossen protestantischen Kirchen trennte. Andere Unterschiede in der Lehre wirkten nie kirchentrennend, obwohl die Verschiedenartigkeit zwischen der Theologie Luthers und Zwinglis an vielen Punkten erkennbar ist. Im Gegensatz zur Abendmahlslehre war man gegenüber Abweichungen in anderen Fragen bereit, Toleranz zu zeigen.

Im Umgang mit dem Alten Testament, in der Tauflehre, in der Christologie, in der Lehre über den Staat, in der Gewichtung der Nachfolge, in der Liturgie und anderem mehr unterschied sich der Zürcher Reformator von Martin Luther.

Zum Teil kann man die Unterschiede auf zwei Denkschulen zurückführen, welche auf die beiden Reformatoren einwirkten. Luther wurde in der Via Moderna, der neueren scholastischen Richtung geschult, während Zwingli eher im Alten Weg (Via Antiqua) unterrichtet wurde und darüber hinaus ein Kind des Humanismus war.

Andererseits dürften gewisse Lehrunterschiede auch mit einer feststellbaren Grundhaltung zusammenhängen: In sehr vielen Punkten zögerte der Wittenberger, die bestehenden Traditionen sofort zu ändern, behielt sie vielmehr bei und versuchte dies auch zu rechtfertigen, während Zwingli meistens darauf drängte, sobald als möglich die bestehenden, der christlichen Lehre widersprechenden Verhältnisse zu ändern und zu einer biblischen Lehre und Praxis zurückzukehren.


Ch. Scheidegger am 14. Februar 2001 (bearb.) aus www.zh.ref.ch
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