Sport und Nationalgefühl

Mittwochskolumne von Paul Oppenheim

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Was war das denn nach der Niederlage der englischen Mannschaft im WM-Halbfinale? Die Argentinier jubelten mit anti-englischen Parolen. "Las Malvinas son argentinas" ("Die Falkland-Inseln sind argentinisch") war auf einem Poster zu lese. So leicht kann sportliche Begeisterung in blanken Nationalismus umschlagen.

Immer wieder behaupten Sportfunktionäre, internationale Sportereignisse könnten unpolitisch sein. Spätestens seit der Berliner Olympiade von 1936 weiß man, dass olympische Spiele von Diktaturen für ihre Propaganda genutzt werden. Mit dem Ausschluss bestimmter Länder und den Forderungen nach dem Ausschluss anderer Länder sind solche Sportereignisse alles andere als politisch neutrale Wettbewerbe. Zuletzt wollte Donald Trump im Licht der Fußballweltmeisterschaft glänzen und drängte bei der Abschlussfeier die Regierenden aus Mexiko und Kanada auf unfeine Art in den Hintergrund.

Nationalgefühle werden im Vorfeld durch Nationalhymnen und überdimensionale Fahnen aufgeheizt. Die Berichterstattung in den Medien ist eigentlich immer tendenziös, in manchen Ländern spielt sie unverhohlen mit nationalen Vorurteilen oder gar Feindbildern. Nichts von alledem ist harmlos, denn wir erleben allenthalben die Wiedergeburt des Nationalismus. Die rechtspopulistischen Kräfte, die in zahlreichen Ländern Europas an die Macht kommen oder bereits regieren, sind allesamt nationalistische Bewegungen. Ihr gemeinsamer Nenner ist der Nationalismus. Ähnlich der MAGA-Bewegung in den USA streben sie danach, dem eigenen Land absolute Priorität einzuräumen. Die Remilitarisierung der europäischen Staaten folgt der Logik nationaler Interessen und wird den Kontinent immer unsicherer machen. Die Bemühungen um wirtschaftliche Erfolge werden als Konkurrenzkampf aller gegen alle geführt und zeugen nur wenig von europäischer Solidarität. Großmächte wie China, Russland oder die USA verbinden ihren übersteigerten Nationalismus mit politischen Machtansprüchen gegenüber anderen Ländern. 

Wie gefährlich ist der sportliche Wettbewerb von Nationalmannschaften in dieser Ära des wachsenden Nationalismus? Ist es nicht an der Zeit, vom nationalen Wir-Gefühl beim Sport Abschied zu nehmen?


Paul Oppenheim