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Ein aufgehendes Licht der Hoffnung

Weihnachtsbotschaft 2013 des Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen

In den neutestamentlichen Erzählungen von Christi Geburt hüten einfache Hirten ihre Schafe in der Nacht, während weise Gelehrte aus dem Morgenland unterwegs in denselben Nachthimmel aufblicken und mitten unter den sich bewegenden Sternen etwas noch nie Dagewesenes entdecken. Sie alle waren offen dafür, sich auf einen Weg zu begeben, um etwas zu sehen, jemanden, der Hoffnung für die Welt brachte.

Die Nacht ist eine Zeit zum Nachdenken über vergangene Tage, für Erwartungen und für die Vorbereitung auf das, was Gott mit dem aufgehenden Licht des neuen Morgens schenken mag.

Der Evangelist Johannes beginnt seine Erzählung am ersten Tag noch vor dem Sonnenaufgang. Im Anfang, wird uns gesagt, war das Wort bei Gott, und Gott war das Wort. Das Wort des Lebens und des Lichts, das ewige Wort, das weiterhin leuchtet und niemals von der Finsternis ergriffen werden wird.

Das Evangelium nach Lukas erzählt eine Reihe von Begebenheiten, die zu Jesu Geburt führten. Zu einem frühen Zeitpunkt der Erzählung prophezeit Zacharias – der Vater von Johannes dem Täufer –, er singt ein aufsteigendes Lied der Hoffnung, das mit folgenden Worten schließt:

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. (Lk 1,78-79)

In der Heiligen Schrift ist das Licht ein Symbol für Gottes Führung auf unserer Pilgerreise des Glaubens:

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. (Ps 119,105)

In aller Aufrichtigkeit müssen wir Sterblichen uns von Gott führen lassen, um den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden, zu Versöhnung und Leben in Fülle zu finden. Wir brauchen die Leuchte von Gottes Wort, damit unsere Füße auf Gottes Wege geleitet werden.

So haben wir auf der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Busan, Republik Korea, jüngst unsere Stimmen gemeinsam erhoben und immer wieder das Gebet gebetet, das das Motto der Vollversammlung bildete: „Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden“.

Eines der Bilder, die wir mit aus Busan nach Hause genommen haben, ist dasjenige der Pilgerreise. Wir traten eine symbolische Reise an, in gemeinsamen Andachten, Workshops und institutionellen Beratungen, und wir begaben uns auf tatsächliche Reisen mit Wochenendausflügen in die verschiedenen Regionen der Republik Korea, von der Südküste bis zu den Rändern der enttäuschend als „demilitarisierte Zone“ bezeichneten Gegend zwischen Süd- und Nordkorea.

Wir erkannten, dass der Weg zu Gerechtigkeit und Frieden die Grenze mitten in Korea überwinden muss, ebenso die zahlreichen Mauern der Feindseligkeit, die Nationen, Kulturen, Klassen und Familien spalten. Als Vollversammlung brachten wir eine besondere Besorgnis für Binnenvertriebene, Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten zum Ausdruck, für Regionen wie der Nahe Osten und die Region der Großen Afrikanischen Seen, insbesondere den Kongo, und wir verurteilten die Politisierung der Religion als Mittel zur versuchten Rechtfertigung von Gewalt.

Vor allem aber riefen wir alle Menschen guten Willens auf, sich unserer Pilgerreise zu gerechtem Frieden weltweit anzuschließen. Wir beabsichtigen, zusammen voranzugehen, und auf unserer gemeinsamen Reise wollen wir die Einheit unter uns und unsere Liebe füreinander zeigen.

Wir finden eine Inspiration in den Hirten und den Weisen, um an unerwarteten Orten nach dem Fürst des Friedens zu suchen, selbst an solchen, die vielleicht als die „falschen“ angesehen werden.

Möge der Segen der Weihnachtszeit Sie begleiten, und möge das aufgehende Licht aus der Höhe die ganze Welt besuchen.

Pastor Dr. Olav Fykse Tveit
Generalsekretär
Ökumenischer Rat der Kirchen

Diese Botschaft, gelesen vom ÖRK-Generalsekretär, ist auch als englischsprachige Audio-Aufnahme verfügbar.

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