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Streiten, was politisch zu verantworten ist

Reformierter Kirchenpräsident Heimbucher hält Unterstützung der AfD für gefährlich

Dr. Martin Heimbucher, kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche

Interview der Rheiderlandzeitung mit Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher

1.  Herr Kirchenpräsident, darf man als Christ die AfD wählen? 

Heimbucher: Die Wahlen in unserem Land sind frei und geheim. Insofern darf niemand einem anderen vorschreiben, was er zu wählen hat. Es gibt also ein Menschenrecht auf politischen Irrtum. Aber es muss unter Christen darum gestritten werden, was politisch zu verantworten ist und was nicht. Ich halte eine Unterstützung der AfD vor allem aus drei Gründen für gefährlich: Die AfD verkennt, wie wichtig ein geeintes Europa für den Frieden ist. Sie fördert ein generelles Misstrauen gegen Flüchtlinge und Zugewanderte. Und sie trägt dazu bei, das Gedankengut von Neonazis hoffähig zu machen. All dies müssen nach meiner Überzeugung Christen entschieden ablehnen. 

2.  Inwiefern greift die AfD die Kirchen an?

Heimbucher: Die AfD greift vor allem die grundlegende Solidarität der Kirchen mit Flüchtlingen an. Aber sie muss wissen: Indem sie diese Solidarität angreift, die Jesus allen Christen aufgetragen hat, greift sie den christlichen Glauben in seiner Substanz an. Dagegen werden wir uns als Kirchen weiterhin entschieden wehren – um der betroffenen Menschen willen.

3.  Wie will die Evangelisch-reformierte Kirche in Zukunft mit der AfD und ihren Mitgliedern umgehen?

Heimbucher: Wir sollten als Kirche und als einzelne Christen den problematischen Positionen der AfD fair aber entschieden entgegentreten. Wir sollten das Gespräch mit ihren Sympathisanten suchen, aber sie auch konfrontieren mit den Aussagen führender AfD-Politiker und ihrem Parteiprogramm. Es gibt allerdings auch rote Linien, an denen ein Gespräch aufhört: Wer den Holocaust verharmlost, antisemitische Vorurteile verbreitet oder Halbwahrheiten und Gerüchte in die Welt setzt, mit dem würde ich mich nicht zum Gespräch zusammensetzen.

4.  Sollte man es untersagen, dass sich AfD-Mitglieder als Kandidatinnen und Kandidaten für kirchliche Ämter aufstellen lassen?

Heimbucher: Unsere Kirchenverfassung sieht vor, dass Gemeindemitglieder von der Wahl ausgeschlossen werden können, wenn ihr Verhalten der christlichen Botschaft offen und andauernd widerspricht. Ein Mitglied der AfD, das eine Aufgabe in der Kirche übernehmen möchte, muss sich zumindest sehr deutlich fragen lassen, ob seine politischen Positionen mit dem Auftrag der Kirche vereinbar sind. Das gleiche gilt für Mitarbeitende in unseren Gemeinden, die einer solchen Partei beitreten. Von der Tendenz her halte ich die Grundorientierungen der AfD mit den Orientierungen der Kirche für nicht vereinbar.

Das Interview erscheint am 29. März 2017 in der Rheiderland Zeitung. Mit freundlicher Genehmigung der Zeitung und der Pressestelle der ErK auf reformiert-info.de.

 

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