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Die Kirche und das Geld

Einspruch! - Mittwochs-Kolumne von Georg Rieger

Foto: G. Rieger

Immer wieder Finanzskandale in der (reformierten) Kirche. Warum das so ist und was dagegen hilft.

Es tickert gerade durch die kirchliche Medienlandschaft: In einer reformierten Gemeinde im Emsland wurde vor Jahren Geld veruntreut. Die Frau des damaligen Pfarrers, die auch Rechnungsführerin der Gemeinde war, ist geständig, hat zurückbezahlt und ist mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Nun ist auch der Pfarrer selbst ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. In manchen Kommentaren wird auf frühere Fälle verwiesen: Das stark dezimierte Vermögen der Johannes-a-Lasco-Bibliothek und das verzockte Vermögen der Evangelisch-reformierten Kirche in Bayern. In den beiden letzten Fällen ging es um Millionen und um einen enormen Schaden – finanziell und was das Vertrauen angeht. Es scheint fast so, als hätten die Reformierten ein Problem mit Geld.

Allerdings nicht nur in der Evangelisch-reformierten Kirche, sondern auch in anderen Landeskirchen gab es schon solche Fälle. Immer wieder laden kirchliche Kassen offensichtlich zum Zulangen ein. Kontrollen gibt es, doch sie greifen erst, wenn das Geld schon weg beziehungsweise woanders ist. „Wir haben zu viel Vertrauen gehabt“, heißt es jedes Mal aus dem Umfeld. Ist also mehr Misstrauen angesagt?

Aus den beiden länger zurückliegenden Fällen weiß ich, dass die später Überführten sehr empfindlich auf Kontrollversuche reagiert haben. Als sei jedes Hinschauen schon ein unverschämter Vorwurf und ein Hinweis auf mangelndes Vertrauen. Natürlich waren in diesen Fällen und zu dem Zeitpunkt die Karren schon im Dreck und die Reaktion eine nachvollziehbare Abwehr.

Doch auch in gut funktionierenden Strukturen kommt es vor, dass sich Finanzverantwortliche abschotten. Warum das so ist, hat sicher damit zu tun, dass finanzielle Themen immer etwas Unangenehmes haben, dass Gremien sich manchmal schwertun, über Geld zu reden. Der Umgang mit Geld hat etwas Irrationales. In Kirchenvorständen wird oft eine Stunde über Kosten von hundert Euro diskutiert und fünf Minuten über einen Betrag, der in die Tausende geht. Im Rahmen des Wiederaufbaus unserer Kirche in Nürnberg sind wir für Millionenbeträge verantwortlich. Da kann einem schwindelig werden. Und die Versuchung ist groß, sich diesen Diskussionen und der Rechtfertigung für jeden Geldtransfer zu entziehen.

Das einzige Rezept gegen Misstrauen ist aber größtmögliche Transparenz. Viele Augen sehen mehr, viele Gedanken erkennen mehr. Und wo risikofreudige und vorsichtige Menschen gemeinsam über eine Kasse wachen, kann so leicht auch nicht viel schiefgehen. Es braucht manchmal Mut, solche Offenheit einzufordern, wenn sie nicht schon hergestellt ist. Doch das ist unverzichtbar. In den meisten Fällen auch Vorschrift. Das Wegschauen also unverantwortlich.

Aber jede und jeder, der Verantwortung für viel Geld übernimmt, sollte die Selbsterkenntnis mitbringen, dass sich Offenheit lohnt und eine enorme Entlastung ist. Also von sich aus Transparenz herstellen, alle Vorgänge durchsichtig und verständlich machen! Nach anfänglichem Unverständnis wächst so in den Gremien auch die Kompetenz - und das Vertrauen.

 

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