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Die Großstadt ist kein Luftkurort

Mittwochskolumne von Paul Oppenheim

Der Himmel über der Großstadt von heute ist oft grau: Beispiel Ludwigshafen © Pixabay

Schlechte Luft gehörte seit den Anfängen der Industrialisierung zum städtischen Leben dazu, gerade in Deutschland.

Rauchende Fabrikschlote, qualmende Öfen, dampfende Lokomotiven, knatternde Verbrennungsmotoren waren einst der Stolz der Städter, der Inbegriff des Fortschritts. Da kommen wir her und manche, die den Qualm und die Abgase überlebt haben, erinnern sich noch daran. Heute ist die Stadtluft so sauber, wie seit Beginn der Neuzeit nicht mehr, besonders in Deutschland. Heute sind aber auf einmal Stickoxyde in aller Munde, besonders in Deutschland. Sie sind die Kehrseite der Kraftstoffeinsparung, denn wer Sprit sparen will, fährt ein Dieselauto.

Beim Spritsparen wollten die Deutschen Weltmeister sein und kauften deshalb mit Vorliebe Dieselfahrzeuge. Der Staat machte den Liter Diesel billiger als den Liter Super, um den Ölverbrauch zu drosseln. Nun stellt sich heraus, dass Dieselmotoren mehr Stickoxyde ausstoßen, als man dachte, und das gilt nicht nur für deutsche Städte, sondern genauso für Städte in Frankreich, Österreich, Luxemburg, Irland, Belgien, Spanien, wo man auch Sprit sparen wollte. Sie alle überschreiten einen Höchstwert, der von der EU festgelegt wurde, ganz zu schweigen von Ländern wie Italien oder Griechenland, wo noch nie richtige Messungen vorgenommen wurden.

Typischerweise ist die Aufregung vor allem in Deutschland groß. Auch wenn jeder deutscher Dieselmotor deutlich weniger Stickoxyde ausstößt als jeder französische oder italienische Dieselmotor hat man hierzulande nur deutsche Autohersteller im Visier. In keinem anderen Land gibt es Prozesse gegen Städte und nirgends wird so lautstark nach Fahrverboten für Dieselautos gerufen wie hierzulande. Inmitten der völlig irrationalen Diskussion und der panischen Rufe nach blauen Plaketten wurde aber tatsächlich ein ganz vernünftiger Vorschlag laut, der leider sehr schnell wieder begraben wurde.

Öffentliche Verkehrsmittel sollten kostenlos angeboten werden und dafür waren schon vier Musterstädte ausgewählt worden! Dieser Vorschlag leuchtet unmittelbar ein und das stärkste Gegenargument seiner Gegner ist das beste Argument zu seinen Gunsten: Man müsse mehr Busse und längere Straßenbahnen anschaffen. Über Nacht würden nämlich Hunderttausende von Städtern und Vorstädtern vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umsteigen. Sie würden ihre Diesel- und Benzinautos stehen lassen und mit Bussen und Bahnen fahren.

Tausende von teuren Fahrkartenautomaten würden überflüssig und die Gerichte würden von Strafverfahren gegen Schwarzfahrer entlastet. Es gäbe riesige Ersparnisse beim Straßenbau und Flächen, wo heute Autos parken, würden für den Wohnungsbau frei. Die Pendlerpauschale könnte man abschaffen und aus dem ersparten Geld den ÖPNV kräftig fördern. Für Bedürftige, Schüler und die meisten Arbeitnehmer wäre der kostenlose Nahverkehr eine riesige Entlastung und das Problem der Grenzwertüberschreitungen wäre auf einen Schlag gelöst. Großstädte würden dadurch noch nicht zu Luftkurorten aber es ginge den Stadtbewohnern in vielerlei Hinsicht deutlich besser!


Paul Oppenheim
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