'Auch der Fremde gehört zum Wir'

Präses Rekowski predigt zum 200. Jubiläum der Universität Bonn

© Evangelische Kirche im Rheinland

Rekowski plädiert für mehr Miteinander

Ein gutes Miteinander der Religionen und Weltanschauungen ist nach den Worten des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, wesentlich für die Lösung der politischen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit. Aktuell erlebe man jedoch immer wieder, „dass Glaube und Religion zerstörerische Sprengkraft entwickeln können und religiöse Fanatiker sogar immer wieder zu Sprengstoff und Waffen greifen“, sagte Rekowski am Donnerstag (vgl. Sperrfrist!) im ökumenischen Festgottesdienst zum 200-jährigen Bestehen der Universität Bonn in der Kreuzkirche. Dagegen setze die Bibel mit dem Gebot der Nächstenliebe die Gleichwertigkeit aller Menschen. Das Gebot besage klar: „Liebe Deinen Nächsten. Er ist wie Du.“

Für Christinnen und Christen stehe in der biblischen Tradition das „Wir“, das Miteinander, hoch im Kurs, sagte Rekowski in seiner Predigt. Er nahm damit Bezug auf das Festmotto der Universität „Wir – seit 200 Jahren“. In der Gesellschaft erlebe man gegenwärtig aber etwas anderes: „Wir sind und bleiben uns oft fremd. Das läuft nach dem Motto: Ich bin ich – Du bist Du. Und wer zuerst kommt ist klar: ich zuerst“, sagte Rekowski. Diese Haltung setze sich derzeit auch weltweit in zwischenstaatlichen Verhältnissen fort. „,Wir zuerst‘ hat Hochkonjunktur. Und immer klingt zugleich mit: ,Ihr nicht!‘“, beklagte der Theologe.

Nach christlichem Verständnis gehöre jedoch auch der Fremde zum Wir. In der christlichen Gemeinde werde eine Gemeinschaft gelebt, in der Unterschiedlichkeit nicht mehr trenne, unterstrich der rheinische Präses. Wenn diese Haltung auch für die Gesellschaft insgesamt gelten würde, dann, so Rekowski, sei er „ganz sicher: Viele würden das Wir entdecken.“ Denn „die Alternative dazu gefährdet stets den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft“.


Quelle: Evangelische Kirche im Rheinland

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