German Dream

Mittwochskolumne von Paul Oppenheim


© Pixabay

Motor der amerikanischen Gesellschaft war und ist noch heute der „American Dream“. Es ist der Glaube an die persönliche Freiheit jedes Individuums und an die Möglichkeit, Wohlstand unabhängig vom ethnischen und sozialen Herkommen zu erlangen. Gibt es so etwas wie einen „German Dream“?

Mit der Realität hat der amerikanische Traum wenig zu tun. Soziale Ungerechtigkeit schreit zum Himmel. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft so weit auseinander wie in kaum einem anderen Land. Die Coronakrise hat es ans Licht gebracht: Millionen Menschen wurden über Nacht arbeitslos und wären ohne Lebensmittelspenden verhungert. Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat es in Erinnerung gerufen: Abkömmlinge afrikanischer Sklaven sind bis heute Opfer von Rassismus in nahezu allen Bereichen der amerikanischen Gesellschaft.

Trotzdem ist der Traum unausrottbar. Immer wieder wird in Wahlkämpfen das Bild vom Land der unendlichen Möglichkeiten beschworen. Zuletzt tat es Joe Biden mit den Worten: „Ich habe immer geglaubt, dass […] in Amerika jeder, und ich meine jeder, die Möglichkeit haben sollte, so weit zu gehen, wie es seine Träume und gottgegebenen Fähigkeiten zulassen.“1

Wie sieht es aber mit dem „Deutschen Traum“ aus? Womit identifizieren sich hierzulande Wählerinnen und Wähler? Vieles spricht dafür, dass sie nicht als die Abgehängten, als die Verlierer, als die Benachteiligten angesprochen werden wollen. Für das Versprechen sozialer Gerechtigkeit auf niedrigem Niveau sind sie weniger empfänglich als für die Aussicht auf echten Wohlstand und Erfolg. Der „German Dream“ ist wahrscheinlich nicht viel anders als der amerikanische. Individuelle Freiheit kommt hierzulande nicht durch das Recht zum Waffentragen zum Ausdruck, eher durch das Autofahren ohne Tempolimit. Der Traum, „vom Tellerwäscher zum Millionär“ aufzusteigen, ist aber genauso weit verbreitet wie in Amerika, auch wenn dafür die Chancen nicht größer sind als sechs Richtige im Lotto.

Was bedeutet das für den Wahlerfolg politischer Parteien? Wohltaten für „Looser“ sind unbeliebt, aber jeder und jede träumt davon, auf der Gewinnerseite zu stehen.

---

1 Rede von Joe Biden bei seiner Nominierung als Kandidat der Demokratischen Partei in Wilmington, Delaware am 19.8.2020


Paul Oppenheim

Aktuelles

Frieden stiften, der Gerechtigkeit dienen

Lippe: Landeskirche beschließt Stellungnahme zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr
In Lippe liegt einer der größten Bundeswehrstandorte, von dem Einheiten in militärische Auslandseinsätze entsandt werden. Die Lippische Landessynode bezog auf ihrer Tagung am 12. Juni Position.

Isabel Metzger

Weichen für die Zukunft

WGRK: Exekutivausschuss beschließt Interims-Leitungsplan
Der Exekutiv-Ausschuss der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) stellte in einer Tagung wichtige Leitlinien für die künftige Leitung und gemeinsame Arbeit auf.

Quelle: WGRK

Neuland für die Ökumene

Baden: Katholische und evangelische Dekanate arbeiten in Zukunft noch enger zusammen
Bei einem feierlichen Gottesdienst haben die beiden evangelischen Kirchenbezirke Adelsheim-Boxberg und Mosbach und das katholische Dekanat Mosbach-Buchen am Samstag (12.06.) in St. Oswald in Buchen eine gemeinsame Rahmenvereinbarung unterzeichnet. Die sieht eine engere Zusammenarbeit auf Dekanatsebene vor.

Quelle: EKiBa

'Ich wünsche konstruktive Gespräche und kluge Entscheidungen'

EKM: Landesbischof Kramer zum Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Zum Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gratulierte Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) - besonders betonte er die Bedeutung von Toleranz, Menschenwürde und Bewahrung der Schöpfung.

Quelle: EKM

'Kirche muss sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren'

Rheinland: Referat bei Synode - Präses Thorsten Latzel zur Zukunft der Kirche
Thorsten Latzel, der seit März oberster Repräsentant der zweitgrößten EKD-Gliedkirche ist, hielt auf der Synodalversammlung ein Impulsreferat mit dem Titel „Kirche der Zukunft“. Darin stellte der 50-jährige Theologe fest, dass Mitglieder- und Relevanzverlust nicht neu sind.

Quelle: EKiR

'Hoffnung auf neue Freude am Fußball und Sport'

Hessen-Nassau: Volker Jung zur Fußball-EM
Volker Jung ist hessen-nassauischer Kirchenpräsident und Sportbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er erhofft sich von der am 11. Juni beginnenden EURO 2021 auch Impulse für den Breitensport. Vor allem für die Kinder und Jugendlichen nach der Corona-Pandemie.

Quelle: EKHN

Hilfe für Geflüchtete in Ruanda

VEM-Gemeinschaft: 45.000 Euro Soforthilfe nach Vulkanausbruch
Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW), die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) und die Vereinte Evangelische Mission (VEM) der Presbyterianischen Kirche in Ruanda (EPR) stellen 45.000 Euro Sofirthilfe zur Verfügung, damit diese Flüchtlingen helfen kann.

Quelle: EKvW

'Ein Glücksfall für die Universität Potsdam'

EKBO: Kapitel Jüdische Theologie an der Universität Potsdam gegründet
Am 9. Juni gründete die Universitätsgesellschaft an der School of Jewish Theology der Universität Potsdam ihr Kapitel Jüdische Theologie. Damit soll der EU-weit einzigartige Studiengang für Rabbiner und Kantoren noch besser unterstützt und gefördert werden.

Quelle: EKBO

Zusammengespannt

Predigt zu Matthäus 11, 28-30 am 2. Sonntag nach Trinitatis, 13. Juni 2021
Von Kathrin Oxen

Kathrin Oxen

'Ich will euch erquicken'

Gottesdienst am Küchentisch. Zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 13. Juni 2021
Von Kathrin Oxen

Kathrin Oxen
1 - 10 (14) > >>