Bedingungsloses Grundeinkommen in Namibia befreit zu Eigeninitiative - ein Pilotprojekt auch für Europa?

Fachtagung zum Basic Income Grant in Namibia


Die Anzahl der KInder, die aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen können, sank nach Einführung des BIG (Basic Income Grant) um 50%.

Seit Januar 2008 erhält jeder Einwohner von Otjivero monatlich 100 namibische Dollar (acht Euro) – ohne Vorbedingungen. In dem kleinen Dorf in Namibia gibt es Basic Income Grant (gesichertes Grundeinkommen), kurz BIG. Über dieses weltweit erste Pilotprojekt informierten Vertreter aus Kirche und Politik am 6. März auf einer Fachtagung in Wuppertal. Dabei ging es auch um die aktuelle politische Debatte zum Basic Income Grant in Namibia.

Viel weniger unterernährte Kinder

Der Anteil der unterernährten Kinder ist seit Projektbeginn von 42 auf 17 Prozent zurückgegangen. Dank der Grundversorgung haben Eltern nun das Geld, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Das geschieht jetzt bei 90 Prozent, deutlich mehr als der Landesdurchschnitt. Ebenso bietet die finanzielle Unterstützung den Menschen die Möglichkeit, sich im Falle einer Krankheit medizinisch versorgen zu lassen. In Otjivero können das seit Beginn des Projekts fünfmal so viele wie vorher. Die Beschäftigungsquote ist seit der Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens von 36 auf 48 Prozent gestiegen, während die im Zusammenhang mit Armut stehende Kriminalitätsrate um 60 Prozent zurückgegangen ist.

Ein Modell für Europa?

Das Pilotprojekt ist maßgeblich von der Vereinten Evangelischen Mission, der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen und von Brot für die Welt unterstützt. Auf der Fachtagung diskutierten rund 150 Teilnehmer auch die Frage, ob das Modell eines bedingungslosen Grundeinkommens Perspektiven für die Entwicklungszusammenarbeit geben und inwieweit es auch für Europa gelten kann. Dazu Dr. Claudia Haarmann, Leiterin des Pilotprojektes in Namibia: „Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist kein statisches Wohlfahrtsprogramm. Weil es gerade Menschen auch dann unterstützt, wenn sie ökonomisch aktiv werden, können wir es mit einem Trampolin vergleichen: Es fängt die Menschen auf, bevor sie am Boden liegen. Und es hilft ihnen dabei, wieder nach oben zu kommen.”

Dr. Zephania Kameeta, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia und Sprecher der Basic Income Grant Koalition, ergänzt: „Die Speisung der Fünftausend hat Jesus nicht an Bedingungen geknüpft. Das Teilen des täglichen Brotes ist nicht und kann nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft sein. Gottes Hilfe und Liebe waren und sind bedingungslos. Durch ein derartiges bedingungsloses Grundeinkommen werden Menschen befreit, Verantwortung zu übernehmen und Initiative zu ergreifen.”

Fachleute aus Kirche und Politik

Die Fachtagung zum Basic Income Grant wurde veranstaltet von der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Vereinten Evangelischen Mission. Beteiligt waren auch Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Aufsichtsratsvorsitzender des Evangelischen Entwicklungsdienstes, Professor Dr. Peter Katjavivi, Leiter der Nationalen Planungskommission der Regierung Namibias, Thomas Albert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie Mitglieder aus Europaparlament und Bundestag.

www.vemission.org

Quellen: Internetseite der EKvW / Auswertungsbericht, veröffentlicht unter: www.bignam.org >>> /Pressemitteilung der EKiR


Barbara Schenck