Noch einmal: Evangelischer Pfarrerverband zur Kontroverse um israelfeindlichen Artikel

Zweite Stellungnahme des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland zu den Reaktionen auf den Beitrag von Jochen Vollmer im Deutschen Pfarrerblatt 8/2011


Einer ersten Stellungnahme vom 24. August hat der Vorstand des evangelischen Pfarrerverbands am 1. September eine zweite folgen lassen - zu den Reaktionen auf den Beitrag von Jochen Vollmer - nicht zu dem als israelfeindlich kritisierten Artikel selbst.

Die "teils heftigen Kontroversen" um den israel-feindlichen Artikel "Vom Nationalgott Jahwe zum Herrn der Welt und aller Völker" von Jochen Vollmer im Deutschen Pfarrerblatt 8/2011 waren "Grund" für den Vorstand des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer, eine Sondersitzung einzuberufen und nach der ersten Stellungnahme vom 24. August 2011,reformiert-info berichtete, am 1. September eine zweite zu verabschieden.

Der Verbandsvorstand weist in der Stellungnahme vom 1. September "alle Versuche zurück, den Verband auf die inhaltliche Position des in der Öffentlichkeit und in den Medien heftig diskutierten Artikels von Jochen Vollmer festzulegen." Die "heftigen Reaktionen" zeigten dem Verband, "dass viele, die sich um den christlich-jüdischen Dialog und um die Verständigung im israelisch-palästinensischen Konflikt bemühen, durch diese Veröffentlichung verärgert sind und sich verletzt fühlen."

Als Antwort darauf bekräftigt der Verband seine eigene Position zum Verhältnis von Kirche und Israel, Christen und Juden:
"Der Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland steht unmissverständlich auf der Linie der Studien des Rates der EKD „Christen und Juden“ I bis III (1975 - 2000) sowie der Synodalerklärungen zahlreicher Gliedkirchen zur Neubestimmung ihres Verhältnisses zu Israel und zum Judentum aus dem Jahr 1998 und den folgenden Jahren." Zitiert wird die Erklärung der Bayerischen Landessynode von 1998 mit dem Satz: „Christen unterstützen das Bestreben des jüdischen Volkes nach einer gesicherten Existenz in einem eigenen Staat.“
Mit keinem Wort erwähnt wird jedoch der von Jochen Vollmer polemisch kritisierte und falsch interpretierte Rheinische Synodalbeschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ von 1980 (siehe dazu den Leserbrief von Volker Haarmann >>>).

Die Stellungnahme des Pfarrerverbands vom 1. September 2011 im Wortlaut:
http://pfarrerverband.de/meldungen_1469.htm

Die Stellungnahme des Pfarrerverbands vom 24. August 2011 im Wortlaut:
http://www.pfarrerverband.de/meldungen_1468.htm

Hintergrundinformationen:

Informationen, Stellungnahmen, Theologie:
Kirche und Staat Israel
Kirchliche Verlautbarungen aus uniertem und reformiertem Kontext

Diskussionsimpuls zur Lage in Israel / Palästina (EKiR im September 2008)

Die fragliche Wahrheit und Vernunft der biblischen Landtheologie
Dogmatisch-theologische Einsichten von Friedrich-Wilhelm Marquardt

Christlich-jüdischer Dialog und deutsch-israelische Beziehungen
Von Tobias Kriener

KLAUS WENGST 
Land Israel und universales Heil im Neuen Testament.
Eine theologische Auseinandersetzung mit dem „Kairos Palästina-Dokument“

Reaktionen auf den israelfeindlichen Artikel im Deutschen Pfarrerblatt 8/2011:

EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider im Interview mit dem Deutschlandfunk (29. August 2011):
https://www.strongspace.com/shared/myajf0kim9

Leserbrief des Direktors des Hofgeismarer Predigerseminars, Dr. Manuel Goldmann:
http://www.deutscher-koordinierungsrat.de/_downloads/Goldmann_Leserbrief.pdf

Leserbrief von Dr. Jürgen Zarusky, Historiker am Institut für Zeitgeschichte, München:

http://www.deutscher-koordinierungsrat.de/_downloads/Zarusky_Leserbrief.pdf 

Leserbrief von Dr. Volker Haarmann, Landespfarrer für christlich-jüdischen Dialog in der EKiR
http://reformiert-info.de/7432-0-159-2.html 

Vom „Nationalgott Jahwe“ und anderen Mythen. Die Israelvergessenheit 2.0 der neueren protestantischen Theologie
Eine Antwort auf Jochen Vollmer: Vom Nationalgott Jahwe zum Herrn der Welt und aller Völker,
DtPfrbl 8/2011, S. 404-409
von Stefan Meißner

ONLINE-EXTRA Nr. 148
Debatte: ANTIJUDAISMUS "IM DEUTSCHEN PFARRERBLATT"?
Wolf-Rüdiger Schmidt:
Auch Antizionismus ist keine Perspektive
Friedhelm Pieper:
Altneuer Antijudaismus

Antisemitismus im evangelischen »Pfarrerblatt«
JÜDISCHE ALLGEMEINE am 1. September 2011

Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG:
http://www.sueddeutsche.de/N5a387/162893/Verstoerende-Angelegenhei.html

Beitrag auf EVANGELISCH.DE
http://www.evangelisch.de/themen/religion/beitrag-in-pfarrerblatt-als-judenfeindlich-kritisiert47001

Meldung der Nachrichtenagentur EPD:
http://www.epd.de/rheinland_pfalz_saarland/rheinland_pfalz_saarland_index_90590.html

Kommentar auf "Israelnetz":
http://www.israelnetz.com/themen/nachrichten/artikel-nachrichten/datum/2011/08/29/kommentar-stehen-wir-zu-israel/ 

Der Theologe, Judaist und Religionswissenschaftler Karl Erich Grözinger auf den Seiten von SPME (Scholars for Peace in the Middle-East):
http://www.spme.net/cgi-bin/articles.cgi?ID=8348

Die Hörfunksendung "Schabat Schalom" im NDR berichtete in seiner Ausgabe von Freitag, 26. August 2011, in einem fünfminütigen Beitrag über den Vorfall, inkl. eines Interviews mit Landesrabbiner Henry G. Brandt:
https://www.strongspace.com/ahavta/public/NDR-Schabbat_Schalom-20110826.mp3


Barbara Schenck, 3. September 2011
Erste Reaktion des Herausgebers zur Kritik an einem israel-feindlichen Beitrag im Deutschen Pfarrerblatt

Einige Tage vor dem Israelsonntag am 28. August hat ein Beitrag von Jochen Vollmer im Dt. Pfarrerblatt heftige Kritik an seinen antijüdischen Aussagen ausgelöst, reformiert-info berichtete. Der Artikel vertrete nicht die "Linie" der EKD betonte ihr Ratsvorsitzender Präses Nikolaus Schneider. Andere Theologen deckten das alte antijudaistische Schema in Vollmers Artikel auf, Historiker die "dilettantische, einseitige und offenkundig auf die Schaffung eines antiisraelischen Feindbildes abzielende Darstellung" und Redakteure benannten den "eigentlichen Skandal": dass ein solcher Text im Dt. Pfarrerblatt überhaupt veröffentlicht worden sei. Dessen ungeachtet lässt der Vorstand des Pfarrerverbandes verlautbaren, er möchte den "Freiraum" und die damit verbundenen "Spielräume" im Pfarrerblatt erhalten.