Blühende Gemeinden in entlegenen Bergdörfern, eine gespendete Kirche in der Tristesse von ''Happy Valley''

Skizzen von Sylvia Bukowski aus Manila, Philippinen (V)


Manila am Morgen; Foto: Carlo San, sxc.hu

Pastor Miguel
ist Pfarrer
vieler Dörfer
in den höchsten Bergen
der Cordilleras.
Um manche Familien zu besuchen
muss er viele Stunden wandern.
Diese Zeit nutzt er,
um für seine Gemeinde zu beten.
Sie wächst und blüht
wie die Blumen
in seinem Pfarrgarten.

 

Eine Familie
in dem entlegenen Berdorf
hat alle Nachbarn eingeladen
zu einem "thanksgiving".
Ihre Hütte ist düster,
die Luft schwer von dem Rauch des Feuers,
das den Herd heizt
und von den Gerüchen,
die die Menschen mitbringen.
Ein Schwein ist geschlachtet.
Das frisch gekochte Fleisch
wird aus einer riesigen Schale
mit der Hand
an die Gäste verteilt.
Reiswein wird dazu angeboten.
Ich werde offen von allen bestaunt
wie ich nur sehr zögernd esse.
Aber ein Lächeln
verbindet unsere verschiedenen Welten.


Lydia,
eine junge Pfarrerin
hat es schwer
mit ihren älteren Kollegen.
Sie ist zu gebildet.
Sie kommt zu gut an.
Und sie träumt davon,
noch mehr zu erreichen.
Auf einer Pfarrkonferenz
ist sie sexuell belästigt worden.
Selber schuld,
hat es geheißen.
Ihre Klage dagegen
hat wohl kaum eine Chance.
Nun schläft sie
bewacht von zwei Jugendlichen.
Die Sakristei
ihrer kleinen Kirche
ist ihr Pfarrhaus.

Der Name ist geändert.


Was ich hasse in Manila:
die verpestete Luft,
die einen schwarzen Schleier
auf alles legt;
die Lautsprecher,
denen ich nirgendwo entkomme,
nicht mal in der Kirche;
das Lachsackgelächter
aus dem Radio,
das jede Busfahrt pausenlos begleitet;
die riesigen Malls
mit ihren falschen Glücksversprechen;
das dichte Menschengewimmel
wohin ich gehe;
meine Verlorenheit
in dieser Megastadt.

Was ich liebe in Manila:
die Freundlichkeit so vieler Menschen;
die Schönheit der Blumen,
die dem Dreck der Großstadt trotzen;
die Gerüche der kleinen Garküchen
am Straßenrand,
die Vielfalt der Früchte,
die ich nicht kenne;
die Kunst, mit allem zu improvisieren;
die zähe Hoffnung
engagierter Christen,
Armut und Unrecht
in diesem Land
zu besiegen.


In "happy valley"
weit außerhalb
von Metro-Manila
leben nun
umgesiedelte Slumbewohner.
Endlose Reihen
von Einraumhäusern
hat man dort für sie errichtet.
Die älteren sind
längst aufgestockt worden
für die wachsenden Familien;
anderswo warten noch Rohbauten
auf ihre Bewohner.
Und mittendrin steht eine kleine, weiße Kirche.
Ma' am Maria
hat sie gestiftet
von dem Ersparten
ihrer Arbeit in Übersee.
Nun lebt sie hier
schon seit vielen Jahren
und begeistert die zahlreichen Kinder
mit pfiffigen frommen Bewegungsliedern,
die sie mir zu Ehren vorführen.
Die alte Dame
verbreitet eine echte Freude
in der tristesse
von "happy valley".

Sylvia Bukowski, Pfarrerin und Autorin bei reformiert-info, ist für zwei Monate auf den Philippinen. In Baguio unterrichtet sie Homiletik und Liturgie am Ecumenical Theological Seminary. Ihre Tätigkeit dort wurde vermittelt von der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM): www.vemission.org.


Sylvia Bukowski, Pfarrerin, Februar 2012
Letzte Skizzen von Sylvia Bukowski, Philippinen (VII)

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Skizzen von Sylvia Bukowski aus Manila, Philippinen (II)

von den Elendsviertel auf dem Müll Manilas, von "der lärmenden Hässlichkeit eines geschundenen Lands" und dem Burnham Park in Baguio, "wo das Tosen des Verkehrs endlich leiser wird"