| 16 | 31 | 46 | 61 | 73 | 85 | 100 | 115 | |
| 17 | 32 | 47 | 62 | 74 | 86 | 101 | 116 | |
| 18 | 33 | 48 | 63 | 75 | 87 | 102 | 117 | |
| 19 | 34 | 49 | 64 | 76 | 88 | 103 | 118 | |
| 20 | 35 | 50 | 65 | 77 | 89 | 104 | 119 | |
| 21 | 36 | 51 | 66 | 78 | 90 | 105 | 120 | |
| 22 | 37 | 52 | 91 | 106 | 121 | |||
| 23 | 38 | 53 | 92 | 107 | 122 | |||
| 24 | 39 | 54 | 93 | 108 | 123 | |||
| 25 | 40 | 55 | 67 | 79 | 94 | 109 | 124 | |
| 26 | 41 | 56 | 68 | 80 | 95 | 110 | 125 | |
| 27 | 42 | 57 | 69 | 81 | 96 | 111 | 126 | |
| 28 | 43 | 58 | 70 | 82 | 97 | 112 | 127 | |
| 29 | 44 | 59 | 71 | 83 | 98 | 113 | 128 | |
| 30 | 45 | 60 | 72 | 84 | 99 | 114 | 129 | |
Der Heidelberger Katechismus in der Evangelischen Kirche im Rheinland
Interview mit Barbara Rudolph, Leiterin der Ökumeneabteilung und Mitglied der Kirchenleitung

Frau Rudolph, Sie sind Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR): Was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie an den Heidelberger Katechismus denken?
Ich denke als erstes an Caspar Olevian, der an der Entstehung des Heidelberger Katechsimus mitgewirkt hat. Die Forschung ist sich zwar nicht ganz einig, welche Bedeutung er hatte, aber in einem ist sie sicher: er ist auf dem Boden der rheinischen Kirche, in Trier, geboren und hat als junger Mann einen spannenden, aber letztlich gescheiterten Reformversuch in Trier unternommen. Es hat die rheinische Kirche geprägt, dass die Reformierten oft sehr einflussreich, aber in kleiner und bedrängter Zahl gelebt haben.
Verbindet Sie biographisch etwas mit diesem Text?
Ich habe den Heidelberger Katechismus nicht im Konfirmandenunterricht, sondern erst als Pastorin in meiner ersten Gemeinde kennen gelernt. Vielleicht ist das auch mein Glück! Ich habe wichtige Fragen und Antworten mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden gemeinsam auswendig gelernt. Das war für uns alle ein besonderes gemeinsames Lernerlebnis in meinen ersten Jahren als Pfarrerin.
Wie ist Ihre Einschätzung: Welche Rolle spielt der Heidelberger Katechismus heute (noch) in der EKiR?
Nur noch in wenigen Gemeinden wird der Katechismus im Konfirmandenunterricht verwendet, auch in Gottesdiensten wird er (leider) wenig gelesen. Sicher hat die Frage 1 eine gesonderte Stellung, viele kennen sie und sie wird z.B. bei Beerdigungen gelesen. Theologische Grundentscheidungen des Heidelberger Katechismus prägen allerdings bis heute das Denken, so z.B. die Formulierung der 1. Frage, die Eingang gefunden hat in die Formulierung der 1. These der Barmer Theologischen Erklärung. Oder auch die Abhandlung der Gebote unter der Überschrift „Von der Dankbarkeit“.
Die EKiR ist eine große unierte Kirche, in der vom Niederrhein bis zum Saarland unterschiedlich geprägte Gemeinden zusammen gehören. Gibt es Regionen, die in besonderer Weise durch den Heidelberger Katechismus geprägt wurden?
Schon im Jahr seiner Entstehung ist der Heidelberger Katechismus an den Niederrhein gekommen und hat über 400 Jahre Glaubensgeschichte geprägt. In der niedrrheinischen Kirchengemeinde in Moers, in der ich Pfarrerin war, wird er bis heute im Gottesdienst gelesen. Auch im Umkreis von Wuppertal gibt es bis heute eine starke Prägung durch den Heidelberger Katechismus, immer verbunden mit einem starken reformierten Bewusstsein.
Kann man das den Gemeinden bzw. den Menschen anmerken?
Es ist nicht ganz einfach einzuschätzen, welche Prägung die reformierte Theologie allgemein und der Heidelberger Katechismus insbesondere in Gemeinden hervorgerufen hat. Vielleicht kann ich es an einer Sache fest machen: Die Fragen des Katechismus richten sich an das glaubende „Ich“, viele reformierte Gemeindeglieder trauen sich „Ich“ zu sagen, sie sind selbstbewusste Christinnen und Christen, die sich selbst klar und engagiert positionieren können.
Gibt es andere Katechismen, die in der EKiR einflussreich waren oder sind?
Luthers Kleiner Katechismus hat eine weite Verbreitung gefunden, nach meiner Einschätzung sogar eine größere als der Heidelberger Katechismus. Versuche von Unionskatechismen hat es gegeben, die Texte sind aber nicht weiter bedeutend geworden.
Sie leiten die Ökumene-Abteilung Ihrer Kirche. Wie schätzen Sie die ökumenischen Qualitäten des Heidelbergers ein? Ist er aus Ihrer Sicht für das ökumenische Gespräch - wenn überhaupt - hilfreich oder ist er eher hinderlich?
Nun, der Heidelberger Katechsimus ist in der römisch-katholischen Kirche vor allem wegen seiner Frage und Antwort 80 bekannt, in der die römisch-katholische Messe als „vermaledeite Abötterei“ bezeichnet wird. Wenn meine katholischen Kollegen nichts vom Heidelberger Katechismus wissen, diese Frage kennen sie! Es hilft, miteinander zu studieren, wie in den Anmerkungen zu dieser Frage Ökumene-Geschichte geschrieben worden ist, die die Annäherung der Kirchen zeigt. Dass der Katechismus ein Unionskatechismus ist, ist heute leider gar nicht mehr bekannt, er wird nur der reformierten Glaubensrichtung zugeordnet. Das ist ein ökumenischer Verlust, den ich bedauere.
Plant die EKiR etwas zum 450sten Jubiläum des Katechismus in 2013?
Zurzeit gibt es erste Überlegungen, gemeinsam mit dem Reformierten Bund und reformierten Partnerkirchen aus Europa eine Veranstaltung zu entwickeln, die möglicherweise mit dem Kirchentag in Hamburg in Verbindung steht. Darüber hinaus merke ich, dass - ähnlich wie im Calvin-Jahr - das Interesse an den (verborgenen) Schätzen des Katechismus wächst und es ein großes Bedürfnis gibt, mehr über Entstehung, Verbreitung und Theologie des Katechismus zu erfahren.
Frau Rudolph, herzlichen Dank für das Interview!
Aleida Siller


