Deutsche evangelische Kirche im kolonialen südlichen Afrika

Erste Dokumentation zum Studienprozess - Weiterarbeit mit Vertretern der Reformierten Kirchen


„Deutsch-Südwest“-Devotionalien in der Auslage eines Geschäftes in Swakopmund, Namibia, 2003; Foto: Thomas Schoch / Wikipedia

EKD. Die Rolle der evangelischen Kirche in den deutschen Kolonialgebieten im südlichen Afrika zu untersuchen, diesen Auftrag erteilte der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Jahr 2007. Auf Einladung der EKD erklärten sich insgesamt 13 Kirchen und Missionswerke im südlichen Afrika und in Deutschland bereit, sich gemeinsam an einem wissenschaftlichen Studienprozess zur Aufarbeitung der Vergangenheit zu beteiligen.

Vier Jahre lang – von 2007 bis 2011 – haben 24 Wissenschaftler und Autoren aus Südafrika, Namibia und Deutschland die dortige evangelische Auslandsarbeit von den Anfängen bis in die 1920er Jahre untersucht. Die Ergebnisse wurden auf einer Tagung an der Evangelischen Akademie Hofgeismar im September 2011 vorgestellt – jetzt erscheinen die Tagungsbeiträge als epd-Dokumentation.

Von der bisher geleisteten historischen Aufarbeitung erhofft sich der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, dass sie „allen Beteiligten hilft, als Kirche Jesu Christi nicht nur Vergangenes besser zu verstehen, sondern auch Schuld – unsere eigene und die unserer Vorfahren – zu erkennen“, wie er im Vorwort des umfangreichen Sammelbandes schreibt, der die Forschungsergebnisse des Studienprozesses zusammenführt und der auf der Tagung in Hofgeismar vorgestellt wurde. Am Ende der Tagung stellte der EKD-Auslandsbischof, Martin Schindehütte, fest, dass die Qualität und das gewachsene Vertrauen der ersten Phase dazu beigetragen habe, dass dieser Studienprozess nun unmittelbar in eine zweite Phase eintrete, die sich vor allem mit der Aufarbeitung der Apartheidzeit und ihrer Vorgeschichte befassen soll. Dabei werden neben den lutherischen Kirchen in Deutschland und im südlichen Afrika auch Vertreter der Reformierten Kirchen an diesem Prozess aktiv beteiligt sein. Durch die Fortschreibung des Studienprozesses sei eine wichtige Voraussetzung für Versöhnungsprozesse gelegt worden, denn „Wer Versöhnung will, muss bereit sein zur Erinnerung“.   

Die 92-seitige Broschüre ist erschienen als epd-Dokumentation Nr. 10-11/12 unter dem Titel „Deutsche evangelische Kirche im kolonialen südlichen Afrika (Ergebnisse eines Studienprozesses der EKD)“ und kann für 6,90 € unter kundenservice@gep.de bestellt werden.

Hannover, 6. März 2012
Pressestelle der EKD
Silke Römhild

Inhaltsverzeichnis der epd-Dokumentation

Akademietagung zum Abschluss des Studienprozesses zur Rolle der deutschen evangelischen Auslandsarbeit im kolonialen südlichen Afrika bis in die 1920er Jahre, Evangelische Akademie Hofgeismar, 28.-30.9. 2011

Sektion 1: Konsequenzen deutscher Einwanderung: Siedlergemeinden,
Missionswerke und afrikanische Gesellschaften
1. Dr. Sibusiso Masondo:
»Historische Einführung«
2. Dr. Lothar Engel:
»Kirchengeschichtliche Einführung«
3. Prof. Dr. Christoph Marx:
»Vorstellung des Sammelbandes«

Sektion 2: Entstehung, Entwicklung und Selbstverständnis der
deutschsprachigen Siedlergesellschaften im südlichen Afrika
1. Prof. Dr. Tilman Dedering:
»Historische Einführung: Comments on the final outcome of the Study Project«
2. Dr. Christian Hohmann:
»Kirchengeschichtliche Einführung«
3. Hans-Dieter Büttner:
»’Gedenke, dass du Deutscher bist!’ Pastor Georg Wilhelm Wagener und das
‚Südafrikanische Gemeindeblatt’ (ab 1911 der ‚Evangelische Volksbote’), 1899-1914«

Sektion 3: Die Auslandsarbeit deutscher Kirchen und Missionswerke
1. Prof. Dr. Klaus Koschorke:
»Historische Einführung«
2. Dr. Hanns Lessing:
»Kirchengeschichtliche Einführung«
3. Altbischof Dr. Martin Kruse:
»Zur Geschichte der Auseinandersetzung um die Kolonialgeschichte
in den Trägerkirchen«

Sektion 4: Einordnung der Ergebnisse des Studienprozesses
1. Prof. Dr. Reinhart Kößler:
»Der Studienprozess im Kontext der deutschen Debatte zum Umgang
mit der Kolonialgeschichte«
2. Prof. Dr. Konrad Raiser:
»Die Deutsche Evangelische Auslandsarbeit im ökumenischen Vergleich«
3. Prof. Dr. Jürgen Kampmann:
»Ekklesiologische Einordnung der Deutschen Evangelischen Auslandsarbeit
im südlichen Afrika in der kolonialen Zeit«

Podiumsdiskussion
»Podiumsdiskussion der Träger des Studienprozesses zum Umgang
mit den Forschungsergebnissen«

Anhang
Autorenverzeichnis                
»Rheinischer Präses erinnert in Namibia an die Schuld der deutschen Missionare«
(EKiR-Pressemitteilung)                
»Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.«
(Predigt von Präses Nikolaus Schneider am 22.1.12 in Windhoek/Namibia)