„Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!“ Huldrych Zwingli hat diesen Satz im Ersten Kappelerkrieg nach Zürich geschrieben2, Karl Immer hat ihn im Kirchenkampf wiederholt3. Angesichts der Wahlen (vor allem, aber nicht nur) in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, angesichts des menschenverschuldeten Klimawandels und seiner verheerenden Konsequenzen und überhaupt angesichts des allgemeinen Wahnsinns der Welt möchte man diesen Satz mal seufzend hervorstoßen, mal laut herausschreien – „tut um Gottes Willen etwas Tapferes.“ Wie dieses Tapfere konkret aussehen soll, darüber besteht in den christlichen Kirchen und darüber hinaus nicht immer ein Konsens. Denn: es gibt immer, das ist die gute Nachricht, unendlich viele Möglichkeiten, etwas Tapferes zu tun.
Ein frühes biblisches Beispiel für zivilen Ungehorsam und aktiven Widerstand gegen strukturell durchgesetzte und rassistisch motivierte Ungerechtigkeit bieten Pua und Schifra (Ex 1,15–21), die beiden mutigen israelitischen Hebammen. Sie widersetzen sich dem Kindermordbefehl des Pharaos und halten damit die Geschichte Gottes mit seinem Volk am Laufen. Meine These ist, dass in der Gegenwart, in die Gott uns gestellt hat, der Gottesdienst, sowohl die Feier, als auch das Nachdenken darüber, selbst so etwas Tapferes sein kann, ein Akt des Widerstands: gegen die kapitalistische Unterwerfung aller Lebensbereiche, gegen imperialistische Gleichmacherei und gegen einen reflexhaften, unüberlegten und geistlosen Aktionismus.
An dieser Stelle ein Transparenzhinweis: Das war ursprünglich der Arbeitsauftrag – die Würdigung der Reformierten Liturgie und der beiden letzten Herausgeberinnen. An der Entstehung des Buchs war ich selbst punktuell immer wieder beteiligt, etwa durch Textbeiträge und Korrekturlesen. Und mit den beiden verbinden mich Phasen der intensiven Zusammenarbeit. Ich bin also alles andere als neutral. Aber wie sollte auch eine Würdigung von einem neutralen Standpunkt aus möglich sein? Eine gut evangelische Lösung, so fanden wir in der Vorbereitung, wäre: Keine reine Laudatio, das liegt uns Reformierten nach allgemeiner Anschauung ja ohnehin fern, sondern ein Festvortrag, der von dem heute in den Dienst zu nehmenden Buch ausgehend den Blick weitet.
Der Reformierte Weltbund hat 2004 in der Erklärung von Accra, der geistlichen Kampf-ansage an den neoliberalen, globalisierten Kapitalismus in aller nötigen Schärfe festgestellt: „Wir geben zu, dass wir in der Kultur des Konsumverhaltens, der konkurrierenden Gewinnsucht und der Selbstsucht des gegenwärtigen Wirtschaftssystems gefangen sind. Allzuoft hat das auch unsere eigene Spiritualität durchdrungen.“4 Es gibt Strömungen in der weltweiten Christenheit, in denen diese kapitalistische Durchdringung der Spiritualität besonders deutlich wird, etwa im sogenannten Wohlstandsevangelium, nach dem materieller Erfolg ein sichtbarer Beweis für die Erwählung ist. Aber auch anderswo greift die neoliberale Wirtschaftslogik nach der Religion. Ronald Purser, Zen-Lehrer und Managementprofessor, hat aufgezeigt, wie der weltweite Achtsamkeitstrend zum neuen „Opium für das Volk“ wird: Aus ihren religiösen Kontexten herausgelöst und ihres gesellschaftskritischen Potenzials beraubt, wird Achtsamkeit zu einem „Werkzeug der Selbstdisziplin, verkleidet als Selbsthilfe“, als dessen einzige Funktion bleibt, systemische Faktoren wie Stress und Überlastung zu privatisieren und die Produktivität der Menschen zu erhöhen.5 In unseren Breitengraden ist das vielleicht nicht so ausgeprägt, aber auch unsere Kirchen leiden nicht selten unter einer Verführbarkeit zu einem „theologiefreien Pragmatismus“ (Rainer Stuhlmann).
Der 2025 verstorbene reformierte Alttestamentler Walter Brueggemann hat all dem schon vor über zehn Jahren ein engagiertes Plädoyer entgegengehalten. Er schreibt: „In unserem gegenwärtigen Kontext des angstgetriebenen Hamsterrads ist die Feier des Sabbats ein Akt des Widerstands […] weil sie sichtbar darauf beharrt, dass unser Leben nicht durch Produktion und Konsum von Waren bestimmt wird.“6 Wer am Sonntagmorgen (oder wann auch immer) Gottesdienst feiert, entzieht sich für wenigstens eine Stunde. Wer sich solchen zutiefst unproduktiven Tätigkeiten wie Singen, Beten und Schweigen hingibt, wer Predigten hält oder hört, die nicht auf die Optimierung des Lebens zielen, der nimmt den Mächten und Gewalten der Welt wenigstens für eine kurze Zeit all das weg, was sie so gerne von uns haben wollen: Unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit, unsere Energie.
Der Gottesdienst ist, wie Klaus Eulenberger sagt, „verspielte Zeit […], die nichts will: nichts erreichen, nichts vermehren, nichts gewinnen.“7 Wer Gottesdienst feiert, lässt sich auf das heilige Spiel Gottes ein (vgl. Ps 104,6; Spr 8,30f.), die einen ganzen Tag der Unproduktivität widmet. Wer in Votum und Adjutorium deutlich macht, in wessen Namen Anfang und Hilfe stehen, wer mit Johannes Calvin (57) betet: „mach uns ganz zu deinem Eigentum“, wer mit dem Heidelberger bekennt, dass wir „unserem treuen Heiland Jesus Christus gehören“, der sagt auch allen Mächten und Gewalten den Kampf an, die widergöttlichen und menschenfeindlichen Anspruch auf unser ganzes Leben erheben.
Und die Hebammen fürchteten Gott und ließen den Widerstand des Gottesdienstes gegen kapitalistisch-spätmoderne Vereinnahmungen und Verzweckungen leben.
„Auf, lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner mehr die Sprache des andern versteht“ (Gen 11,7, Zürcher Bibel). Dieser göttliche Ratschluss ist der Anfang vom Ende des großen Bauprojekts von Babel, aus dessen Ruinen sich die sprichwörtlich babylonische Sprachvielfalt der Welt erhebt. In der Auslegung galt dies lange als Strafe Gottes für den Hochmut der Menschen, die erst in der Pfingstgeschichte eindrucksvoll, aber auch ein bisschen halbherzig zurückgenommen wird. Als jemand, der in mehrsprachigen Kontexten aufgewachsen ist und das immer als eine Stärke erlebt habe fand ich das immer etwas schade.8 Durch Sylvia Bukowski bin ich auf eine Spur in der Exegese gestoßen, die in eine andere Richtung geht und Mehrsprachigkeit und Diversität nicht als Strafe negativ konnotiert: Die in der Babelgeschichte zu Anfang dargestellte sprachliche Einheit aller Menschen ist nicht der Urzustand der Schöpfung, sondern die Folge imperialer Sprachunterdrückung, wie sie etwa das neubabylonische Reich verfolgt hat. Russlanddeutsche in Sibirien oder Kasachstan, plattdeutsche Muttersprachler in Ostfriesland, Katalanen im Spanien der Franco-Diktatur, sie alle können Geschichten davon erzählen, was es mit der Identität einer Gemeinschaft (und wahrscheinlich auch mit ihrem Glauben) macht, wenn man ihre Sprache verbietet. Die sprachlich-kulturelle Diversität der Welt ist in dieser Lesart kein heilsgeschichtlicher Ausrutscher, sondern Ausdruck von Gottes zutiefst schöpferischem, befreiendem Willen und Handeln.
Die neue Reformierte Liturgie wagt (in begrenztem Umfang) Mehrsprachigkeit, sie wagt aber vor allem Mehrstimmigkeit. Das unterscheidet sie von ihrer ehrwürdigen Vorgängerin: Als die Reformierte Liturgie 1999 erschien, da war sie gerade deswegen so überzeugend, weil sie die Handschrift einiger weniger Menschen trug und deswegen eine beeindruckende sprachlich-inhaltliche Stringenz bot. Fast dreißig Jahre später ist anderes Denken und Arbeiten dran. Die Hebammen unserer neuen Liturgie stellen daher gleich zu Anfang in den Grundsatzparagraphen fest:
Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel, sie ist vielfältiger und pluraler geworden. Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen finden ihren Widerhall in einer veränderten Sprache des Gottesdienstes. […] Ebenso bemühen wir uns, die feiernde Gemeinde in ihrer Diversität wahrzunehmen: Keine Person soll auf Grund ihres Geschlechtes, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder einer Behinderung ausgegrenzt werden. […] Die Autor*innen der vorliegenden Gebetssammlungen streben eine facettenreiche Sprache in Bezug auf Gott, Welt und Menschen an. (13.30)
Wer sprachlich und theologisch Vielfalt zulässt, wer es wagt, verschiedene Sichtweisen auf die Welt und unterschiedliche, zum Teil auch nicht miteinander zu versöhnende Erfahrungen mit Gott nebeneinander zu stellen, riskiert, dass nicht alle jedes Gebet gleich gut und sinnvoll und stimmig finden werden. Aber es ist ein Akt des Widerstands gegen alle Gleichmacherei und künstliche Leitkultur. Und es ist gut reformiert, die konkrete Gestaltung des Gottesdienstes der Verantwortung der jeweils feiernden Gemeinde anzuvertrauen und auf ordnendes Eingreifen von oben zu verzichten. Denn, wie David Plüss und Alexander Deeg sagen: „Den Gottesdienst [im Singular] gibt es nicht.“9
Die beeindruckende ökumenische Weite der neuen Reformierten Liturgie mit Anleihen aus vielen anderen Ländern macht deutlich: Was „reformiert“ ist, das entscheiden nicht weiße Menschen in der Grafschaft, am Niederrhein oder in der Diaspora irgendwie auf Basis dessen, was sie halt schön und wichtig finden. Die RL vollzieht damit liturgisch etwas theologisch und kirchengeschichtlich Entscheidendes: In der weltweiten Ökumene sind die Kirchen des Nordens, die alten Kolonialherren, längst nicht mehr tonangebend. Sie sind aufmerksamer, hellhöriger, neugieriger und demütiger geworden gegenüber den Erfahrungen der Christ*innen im globalen Süden – mit den Worten der RL (582) gesagt: „Ökumene, so wie wir sie hier verstehen, bedeutet, dass Christ*innen einander auf Augenhöhe begegnen.“
Eine liturgische Mehrsprachigkeit und Mehrstimmigkeit ist auch deswegen unaufgebbar, weil, wie Müller und Schenck betonen, „[j]edes öffentliche Gebet […] Gottesbilder, Mensch- und Weltbilder [transportiert.] Reformiertes Beten nimmt das 2. Gebot ernst“ (30). Dieses 2. Gebot lässt sich in Anlehnung an Magdalene Frettlöh nicht als generelles Bilderverbot, sondern als „Ein-Bild-Verbot“ verstehen, als Warnung vor einer Vereindeutigung der Welt und Gottes selbst. Sie schreibt dazu ausführlicher:
Das Bilderverbot steht für ein Reden von Gott ein, das die Freiheit Gottes und des Menschen wahren, das Gott nicht begreifen und damit sich auch am Menschen nicht vergreifen will, das sich Gottes nicht bemächtigen und darum auch über die Mitmenschen nicht verfügen möchte, das sich weder seinen Gott noch seinen Nächsten nach eigenen Entwürfen zurechtmachen mag. Ein Reden von Gott, das sich von Gott selbst sagen lassen will, wer Gott und wer der Mensch ist.10
Wer Gott Gott sein lässt, wer die Ungreifbarkeit Gottes offenhalten will, muss in einem Gottesdienstbuch typografische Wege finden, damit umzugehen – und riskiert damit den Unmut so mancher Zeitgenossen. Die neue Reformierte Liturgie setzt auf eine Vielfalt im Schriftbild, ich zitiere aus der Einführung:
In der vorliegenden Liturgie werden verschiedene Gottesanreden genutzt. So wird sichtbar gemacht, dass Gott sich nicht mit menschlichen Kategorien fassen lässt. […] Die Liturgie verwendet neben den tradierten Gottesanreden „Gott“ und „Herr“ auch die Schreibweisen G*tt und G‘‘tt, die auf die Unaussprechbarkeit des Gottesnamens in der Hebräischen Bibel Bezug nehmen. Diese werden im liturgischen Kontext aber wie gewohnt artikuliert: Gott. (13)
Die Menschen, die jetzt mit pawlowschem Reflex auf das Sternchen im Schriftbild reagierenund mit Schaum vor dem Mund etwas von „Genderwahn“ brummeln, seien höflich, aber bestimmt auf unsere älteren Geschwister im Glauben verwiesen: Schon im Babylonischen Talmud (Pesachim 50a) wird Gott der bedeutungsvolle Satz in den Mund gelegt: „Ich werde nicht so gelesen, wie ich geschrieben bin.“11
Dass in der neuen Reformierten Liturgie ein Ablauf für die gottesdienstliche Begleitung von Trans*personen abgedruckt ist, ist damit nicht mehr und nicht weniger als die liturgische Konsequenz aus einer zutiefst theologischen Einsicht.
Und die Hebammen fürchteten Gott und ließen den Widerstand gegen die Gleichmacherei und gegen die Kleinmacherei von Gott und Menschen leben.
Auf dem Kirchentag in Hannover saß ich in einer Veranstaltung zum Thema „Kontemplation und Aktion“. Die Referentin, von Hause aus katholische Theologin, arbeitet für eine NGO, die sich gegen moderne Sklaverei einsetzt. Und sie erzählte: „In allen unseren Arbeitsverträgen sind vierzig Minuten Arbeitszeit pro Tag für ‚Gebet, Meditation oder Stille‘ vorgesehen: Weil die Energie und die inhaltliche Ausrichtung für das Engagement ja irgendwoher kommen muss. Ich fand das toll – ich habe vorher bei der Kirche gearbeitet, da gab es so etwas nicht!“
Wenn die neue Reformierte Liturgie den Durchschlag erzielt, den sie verdient, dann wird sich das vielleicht ändern. Dann wird es das auch vermehrt in der Kirche geben. 160 Mal taucht das Wort „Stille“ im Buch auf, meist als Regieanweisung, als Pausenzeichen innerhalb von Gebeten. „Unterbrechung“, so sagt Johannes Baptist Metz, ist „die kürzeste Definition von Religion.“ Der inhaltlich qualifizierte, betende Arbeitsverzicht am Sabbath ist ein Akt des Widerstands. Die Herausgebenden lassen keinen Zweifel an der gesellschaftlichen Verantwortung aller Glaubenden:
Gottesdienst wird in der Kirche gefeiert und setzt sich im Alltag fort. Reformierte Theologie betont die co-creatio Dei, die schöpferische Gestaltungskraft von Christ*innen in unterschiedlichen Lebensbereichen […]. Evangelisch-reformierte Christ*innen fühlen sich Beterinnen und Gottsuchern verbunden, denen es ebenfalls ernst ist mit ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung in der Welt. (31).
Aber es wird eben auch deutlich, dass sich unsere gesellschaftspolitische Verantwortung nicht nur im „Tun des Gerechten“ erschöpft, sondern auch und gerade das „Beten“ (Dietrich Bonhoeffer) beinhaltet. In seinem eindrucksvollen Vortrag vom Kölner Kirchentag 2007 spricht Peter Bukowski vom „Beten und Singen gegen die Mächte der Welt“ und lässt dabei Karl Barth (KD III/3, 349) zu Wort kommen, der die steile These wagt, Gebet sei „faktischer, realer Anteil an Gottes Weltherrschaft“12.
Wer betet, faltet die Hände und legt sie dazu gezwungenermaßen für den Moment in den Schoß. Aber doch nur, um für diesen Moment Gott die Chance zu geben, sich zu äußern zu den Zuständen dieser Welt und zur Berufung eines jeden und einer jeden Einzelnen.
Weil auch und gerade die Engagierten, die sich dem tikkun-olam, der „Reparatur der Welt“, verschrieben haben, Atempausen und Orte und Zeiten der Einkehr brauchen – und den heilsamen Schutz vor allzu großer Selbstüberschätzung. Weil wir uns im Gebet erinnern und versichern, dass die Rettung der Welt allerletzten Endes nicht in unserer Hand liegt. Georg Plasger hat heute Vormittag schon Annette Kurschus zitiert: „Wo das Gebet menschliche Macht relativiert, da relativiert es auch menschliche Ohnmacht.“
„Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!“ Der Reformierte Bund hat etwas Tapferes getan mit der Entscheidung, die Arbeit an der neuen Reformierten Liturgie über Jahre hinweg zu einem Schwerpunkt seines Engagements zu machen, ebenso wie die Lippische Landeskirche und die Evangelisch-reformierte Kirche, die hierfür die personellen Voraussetzungen schufen, indem sie jeweils eine halbe Stelle in den Dienst der neuen Reformierten Liturgie stellten – wo man doch auch andere Stellen von dem Geld hätte bezahlen können, die auch wichtige Arbeit getan hätten. Und wie viele Bäume müssen nicht gefällt werden, um die 648 Seiten in Druck zu geben. Wo solche Kritik laut wird, ist sie ein gutes Zeichen für die Vitalität reformierten Engagements. Aber man kann und darf Kontemplation und Aktion, Beten und Tun des Gerechten, Spiritualität und Aktivität nicht gegeneinander ausspielen, sie brauchen und bedingen einander. So Gott will und wir leben, werden in ein paar Jahren AfD-Politiker ihre Landtags- und Bundestagsbüros räumen, und vielleicht sagt dabei einer: „Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“13 Und die Kerzen braucht es aus reformierter Sicht nicht einmal, aber, so weitherzig sind wir ja mittlerweile, sie schaden wahrscheinlich auch nicht.
Und die Hebammen fürchteten Gott und ließen den Widerstand gegen das blinde „Höherschnellerweiter“, auch mit den besten Absichten, leben.
Das erste Wort zum Thema Predigtgottesdienst überlassen unsere liturgischen Hebammen einer jüdischen Gottespoetin, Rose Ausländer:
Und Gott gab uns
das Wort
und wir wohnen
im Wort. (21)
Gebe Gott, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten viele Menschen in den Räumen, die die Worte der Reformierten Liturgie eröffnen, Heimat finden und wohnen. Und dass sie sich ermutigen und befähigen lassen, im Wort kräftig umzuräumen und die gottesdienstlichen Räume neu zu möblieren. Und möge in den unzähligen von diesem Buch inspirierten Gottesdiensten zwischen Borkum und Bern, zwischen Goch und Görlitz Gottes Heilige Geistesgegenwart immer wieder zeigen, wie das ganz konkret im jeweiligen Hier und Jetzt geht: Um Gottes Willen etwas Tapferes tun.
Und weil die Hebammen waren, wie sie waren, und taten, was sie taten, segnete Gott ihre Häuser.
1 Festvortrag auf der Hauptversammlung des Reformierten Bundes am 28. September 2026 in Nord-horn anlässlich der Indienstnahme der neuen Reformierten Liturgie – Seitenzahlen im Fließtext bezie-hen sich auf diese Erstausgabe. Es gilt das gesprochene Wort.
2 Vgl. Ulrich Gäbler, „Tut um Gottes willen etwas Tapferes“. Ermutigt Zwingli mit diesem Aufruf die Zürcher zum Krieg?, in: ARG 113 (2022), 137–167.
3 Vgl. Bertold Klappert/Günther van Norden (Hg.), ”Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!“ Karl Im-mer im Kirchenkampf, Neukirchen-Vluyn 1989.
4 https://www.reformiert-info.de/Die_Erklaerung_von_Accra-124-0-56-7.html.
5 Ronald E. Purser, McMindfulness: How Mindfulness Became the New Capitalist Spirituality, London 2019, 3 (Übersetzung HP).
6 Walter Brueggemann, Sabbath as Resistance. Saying No to the Culture of Now, Louisville 2014, xiii (Übersetzung HP).
7 Klaus Eulenberger, Nehmt die Zeit vom Markt (Eph 5,15–21), 18. Sonntag nach Trinitatis 19.10.2014, in: GPM 68 (2014), 465–470.
8 Vgl. Holger Pyka, Mehr Babel bitte. Ein Plädoyer für liturgische Mehrsprachigkeit, in: Claudia Kohli Reichenbach/Ralph Kunz (Hg.), Verstehen Sie Glauben? Kirchensprech auf dem Prüfstand, Zürich 2024, 191–198.
9 Alexander Deeg/David Plüss, Liturgik, Gütersloh 2023 (Lehrbuch Praktische Theologie 5), 43.
10 https://www.reformiert-info.de/Du_sollst_dir_kein_Bildnis_noch_irgendein_Gleichnis_machen-192-0-0-9.html
11 https://www.sefaria.org/Pesachim.50a.21
12 https://www.reformiert-info.de/Beten_gegen_die_Maechte_der_Welt-1553-0-84-7.html.
13 https://www.ekd.de/23413.htm.