| 16 | 31 | 46 | 61 | 73 | 85 | 100 | 115 | |
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Eine Katechismustagung auf der Insel Kalimantan, Indonesien
Von Christian Goßweiler
Diese Auskunft mag man bekommen, wenn man in der Evangelischen Kirche auf Kalimantan (und manchen anderen indonesischen Kirchen) nach dem Heidelberger Katechismus fragt. In der Vergangenheit wurde der Heidelberger Katechismus in vielen indonesischen Kirchen für den Tauf- und Konfirmandenunterricht verwendet, weshalb der Tauf- und Konfirmandenunterricht auf Indonesisch „katekisasi“ (Katechese, Katechismusunterricht) heißt. Seit einigen Jahren hat die Ev. Kirche auf Kalimantan (u.a. indon. Kirchen) eigenes Material für den Konfirmandenunterricht, in dem viele moderne Fragen wie z.B. die Abholzung des Regenwaldes, HIV/Aids, Homosexualität u.a. besprochen werden. Dabei werden moderne Unterrichtsmethoden wie Simulationen, Diskussion in Kleingruppen, Spiele usw. verwendet. Im Vergleich dazu erscheint der “Heidelberger” allzu fremd und antiquiert.
Dennoch hatte die Evangelischen Kirche auf Kalimantan (indon. “Gereja Kalimantan Evangelis” - GKE) rund fünfzig ihrer 542 Pastorinnen und Pastoren von 26.-29.5. zu einer Studientagung zum 450. Geburtstag des Heidelberger Katechismus in das Synodalzentrum nach Banjarmasin (Süd-Kalimantan) eingeladen. Die Pastorinnen und Pastoren kamen aus den weit verstreuten Gemeinden der Insel Kalimantan, die etwa anderthalbmal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland. Zugleich sollte bei der Tagung ein neuer Entwurf von Konfirmandenunterrichtsmaterial besprochen werden. Pfr.Dr. Christian Goßweiler referierte in fünf Einheiten über den Heidelberger, verschiedene Theologen der GKE nahmen zu dem neuen Materialentwurf für den Konfirmandenunterricht Stellung.
Vor allem in den Diskussionen und Aussprachen zeigte sich, dass der Heidelberger in der GKE sehr viel lebendiger ist, als es zunächst den Anschein hat. Ein Pastor meinte: “Wenn sich ich ein erwachsener Nichtchrist taufen lassen will, muss ich ihm natürlich einen fundierten Taufunterricht geben. Aber ich kann keine Rollenspiele und Kleingruppendiskussionen mit ihm anfangen. Da ist es das praktischste, ich gebe ihm den Heidelberger Katechismus in die Hand und spreche ihn mit ihm durch. Dort ist kurz und prägnant alles Wichtige über den christlichen Glauben zusammengefasst.” Viele andere Pastorinnen und Pastoren pflichteten ihm bei, dass die wesentlichen christlichen Glaubensinhalte nirgends so kurz und prägnant zusammengefasst seien wie im Heidelberger Katechismus. Sehr bedenkenswert war auch die Aussage von einem der Pastoren: “Warum wird der Heidelberger Katechismus nach 450 Jahren immer noch gelesen und in der Kirche verwendet? Weil er Satz für Satz aus der Bibel geschöpft ist, weil er im Grunde nichts anderes ist als die Quintessenz der biblischen Botschaft. Unsere Theologie wird nur so viel und so lange Bestand haben, insofern sie aus der biblischen Botschaft schöpft.”
Das eigene Konfirmandenunterrichtsmaterial der GKE wurde ebenfalls kritisch unter die Lupe genommen. Viele Pastoren sagten: “Themen wie Abholzung des Regenwaldes, HIV/Aids, Homosexualität usw. sind sicher wichtig, aber das kann man auch im Jugendkreis vor und nach der Konfirmation besprechen. Der Konfirmandenunterricht sollte vorrangig zentrale Glaubensinhalte wie Sünde, Erlösung, Taufe, Abendmahl usw. behandeln.” Im derzeitigen Material der GKE widmen sich nur 15% der Unterrichtseinheiten den zentralen Glaubensinhalten; über Sünde und Erlösung gibt es gar keine Unterrichtseinheit. Die übrigen 85% des Materials sind den bereits genannten aktuellen gesellschaftlichen Problemen gewidmet. Der Präses der GKE, Pfr. Petrus Jarob, gab deshalb den Pastoren den Rat: “Gerade um zentrale Glaubensinhalte zu vermitteln, ist es sicher kein Fehler, den Heidelberger Katechismus heranzuziehen.” Dies entspricht ganz dem Programm des neuen Präses, die GKE wieder zu einer wirklich Evangelischen Kirche auf Kalimantan zu machen – einer Kirche, die auf das Evangelium gegründet ist und das Evangelium verkündet.
In mehreren der Seminareinheiten wurde betont, dass der Heidelberger Katechismus nicht nur für den Tauf- und Konfirmandenunterricht gedacht ist, sondern auch für Predigt und persönliche Besinnung. Die Katechismuspredigt wurde dabei gerade für abgelegene Gemeinden in Kalimantan besonders empfohlen. Vor allem in abgelegenen Gemeinden ohne eigenen Pastor oder Pastorin ist ein gründlicher Konfirmandenunterricht oft nicht gewährleistet. In solchen Gemeinden könnten die Pastoren ihre gelegentlichen Besuche, Abendmahlsgottesdienste und Predigtdienste zu Katechismuspredigten nutzen, um die ganze Gemeinde wenigstens sporadisch in den Grundlagen des Glaubens zu unterweisen.
Die Tagung war zugleich ein gutes Modell, wie sich die verschiedenen reformatorischen Kirchen Indonesiens gegenseitig befruchten können: Bei der gesamtindonesischen Katechismustagung im Nov. 2012 hatte der Vertreter der GKE die Idee bekommen, eine Katechismustagung speziell für die GKE zu organisieren. Bei der Tagung in Kalimantan stieß dann der Anhang zum Heidelberger Katechismus auf großes Interesse; in diesem Anhang wendet die Christliche Kirche aus Nordmitteljava (“Gereja Kristen Jawa Tengah Utara” – GKJTU) die Aussagen des Heidelberger auf die gegenwärtigen Herausforderungen der Kultur, des Pluralismus, der Politik, der Wirtschaft und der Technologie an. Gerade die Aussagen über Technologie und Ökologie sind für Kalimantan sehr relevant, wo große Teile des Regenwaldes Palmöl-Plantagen zum Opfer gefallen sind. Aber auch das Unterrichtsmaterial der GKJTU für den Konfirmandenunterricht wurde als vorbildhaft betrachtet: wichtige Aussagen des Heidelberger werden dort in einer gut verständlichen Paraphrase dargeboten und mit Diskussionsfragen, Rollenspielen u.ä. aktualisiert. Exemplarisch vorgestellt wurde ein Modul über die Bedeutung der Taufe und die Problematik der Wiedertaufe, die in Kalimantan sehr virulent ist. Die Hälfte der Teilnehmer bestellte sich das Andachtsbuch zum Heidelberger Katechismus, das von der “Kirche des Herrn Christus” (“Gereja Kristus Tuhan” – GKT) in Ostjava herausgegeben wird. Außerdem trugen sich etwa ein Drittel der Teilnehmer als Mitglieder der mailing-list “Reformatorische Stimme von Indonesien” ein. Drei Vertreter der GKE haben sich für die Zweite Gesamtindonesische Jubiläumskonferenz zum Heidelberger Katechismus im Juli 2013 angemeldet.
So gab die Tagung einerseits wertvolle Einblick über die Bedeutung des Heidelberger Katechismus auf der Insel Kalimantan, andererseits bekamen die Teilnehmer neue Impulse für den aktuellen Gebrauch des Heidelberger heute.

Vor allem in den Diskussionen und Aussprachen zeigte sich, dass der Heidelberger Katechismus in der GKR sehr viel lebendiger ist, als es zunächst den Anschein hat.
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