Emden und Gießen erforschen sozinianische Netzwerke

Großprojekt zur Geschichte des Denkens


© Wolfgang Mauersberger

Die Johannes a Lasco Bibliothek und die Technische Hochschule Mittelhessen sind Teil eines auf 21 Jahre angelegten Akademienprogramms zur digitalen Erschließung frühneuzeitlicher Gelehrtenkorrespondenzen.

Die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden hat sich gemeinsam mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) erfolgreich für ein renommiertes Forschungsprogramm der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften qualifiziert. Das nun bewilligte Projekt mit dem Titel „Religion und Naturwissenschaft im Umbruch: Sozinianische Briefwechsel und Inedita digital“ ist auf eine Laufzeit von 21 Jahren angelegt und zählt damit zu den langfristigsten geisteswissenschaftlichen Vorhaben in Deutschland.

Getragen wird das Projekt von einer Kooperation der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Die Arbeitsstellen sind in Emden und Gießen angesiedelt, wobei drei der insgesamt vier Stellen an der Johannes a Lasco Bibliothek eingerichtet werden. Während in Emden die historisch-kritische editorische Aufarbeitung erfolgt, liegt der Schwerpunkt der THM in Gießen auf der digitalen Umsetzung.

Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens sind Briefe und unveröffentlichte Manuskripte führender Vertreter des Sozinianismus aus der Zeit zwischen 1550 und 1750. Diese religiöse Reformbewegung wirkte europaweit und setzte auf Toleranz, rationales Denken und intensive wissenschaftliche Vernetzung. Ihre Schriften berühren zahlreiche Disziplinen, darunter Theologie, Philosophie, Astronomie, Philologie und Politik, und waren prägend für geistige Entwicklungen auf dem Weg zur Aufklärung.

Ziel des Projekts ist es, dieses bislang kaum erschlossene Schrifttum systematisch zu digitalisieren, zu kommentieren und in graphbasierte Datenstrukturen zu überführen. Durch Verschlagwortung und die Anbindung an internationale Datenrepositorien soll das Material erstmals umfassend zugänglich und interdisziplinär auswertbar werden. Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen eröffnet das Vorhaben neue Einblicke in die Entstehung moderner Wissens- und Kommunikationsräume in Europa und stärkt zugleich die internationale geisteswissenschaftliche Forschung.


Quelle: EKiR