Frage 123

Predigt von Ältestenpredigerin Dr. Gudrun Kuhn, Nürnberg

"Was bedeutet die zweite Bitte: ‘Dein Reich komme’?

Damit beten wir:
Regiere uns durch dein Wort und deinen Geist,
dass wir dir je länger, je mehr gehorchen. 
Erhalte und mehre deine Kirche 
und zerstöre die Werke des Teufels
und alle Gewalt, die sich gegen dich erhebt,
und alle Machenschaften,
die gegen dein heiliges Wort erdacht werden, 
bis die Vollendung deines Reiches kommt,
in dem du alles in allen sein wirst. 

Wozu beten?
- so fragt Kurt Marti, der Dichterpfarrer, in einem seiner zuletzt veröffentlichten Gedichte: Wozu beten? Damit uns nichts selbstverständlich wird. Selbstverständlich ist nur das Nichts.

Wozu beten? So frage ich auch oft. Wozu beten, wenn in Wirklichkeit doch alles selbst­ver­ständ­lich ist und bleibt, nicht nur das Nichts. Selbstverständlich und unabänderlich - mit und ohne Gebet. Wozu beten?
Wozu beten wir Sonntag für Sonntag: Dein Reich komme. Wie gut gefällt mir da Martin Lu­thers Auslegung im Kleinen Katechismus: Gottes Reich kommt wohl ohne un­ser Gebet von sich selbst. Selbstverständlich!
Ja, sage ich mir, wenn ich ehrlich bin: Es kommt, wie es kommt. Ob das, was kommt, aller­dings den Namen Gottes Reich verdient, wage ich zu bezweifeln. Es kommt, wie es kommt. Und mein an Schizophrenie erkrankter Sohn wird nie gesund wer­den. Das Him­mel­reich, in dem Jesus Dämonen aus­treibt und Besessene heilt, es ist zu mir nicht nahe her­be­i­ge­kom­men. Und es wird nicht herbei­kommen.
Wozu beten? Was rät mir der Heidelberger Katechismus?
Dein Reich komme,
das ist,
regiere uns also durch dein Wort und Geist,
dass wir uns dir je länger je mehr
unterwerfen -
Die revidierte Fassung setzt statt unterwerfen gehorchen. Als ob das notwendig wäre! Einem Reich, einer Herrschaft, ist man untertan. Klar unterwerfe ich mich den staat­li­chen Organen, die die vom Parlament erlassenen Gesetze durchsetzen. Selbst­ver­ständ­lich. Klar gehorche ich dem Schicksal, das mich zwingt, Krankheiten hin­zu­neh­men. Selbst­ver­ständ­lich.
Aber ich gebe zu: Der Katechismus redet nicht vom Schicksal. Der Katechismus redet nicht von Gesetzen. Er redet von Wort und Geist, durch die uns Gott regieren möge. Bei Luther heißt es: wir bitten, dass es - das Reich Gottes - auch zu uns komme. Gemeint ist wohl das Gleiche: Um das Selbstverständliche müssen wir nicht bitten. Das Nichts, das sich auftut, wenn wir nach dem Sinn unserer Geschicke fragen, es ist selbst­ver­ständ­lich. Das Schicksal brauchen wir um nichts zu bitten.
Die Spannung der Bitte um Gottes Reich entsteht anders. Sie tut sich auf zwischen dem Dein - Dein Reich - und dem uns - komme zu uns. Im Zentrum der Auslegung des Katechismus stehen deswegen nicht Unterwerfung und Gehorsam. Im Zentrum steht, dass wir Trost und Beistand von Gottes Wort und Geist brauchen, um uns IHM unterworfen zu wissen. IHM – Gott – und nicht einem anonymen Schicksal.
Aber macht das einen Unterschied? Die Antwort des gesunden Menschenverstands lautet: Nein. Ist nicht ohne Gottesglaube alles viel einfacher? Wenn es Gott in meinem Leben nicht gä­be, müsste ich ihm auch keine Vorwürfe machen: Warum ist es in deiner Schöpfung mög­lich, dass die Chemie in einem Gehirn völlig durch­ein­an­dergeraten kann? Warum ist es in deiner Schöpfung möglich, dass Kinder sterben? Wa­rum ist es in deiner Schöpfung möglich, dass Menschen perverse Verbrechen begehen? Wa­­rum hast du deine Geschöpfe nicht lern­fä­higer geschaffen, dass Kriege und selbst­süch­ti­ges Verhalten aufhören würden. Dein Reich kom­me. Dein Reich der Liebe? Wo denn?
Aber vielleicht ist nur mein Anspruch falsch. Mein Anspruch, dass die großen Verheißungen der Schrift von Frieden und Gerechtigkeit mir und meiner Zeit gelten. Mein Anspruch, dass etwas, was Gottes Schöpfung heißt, nicht so viel Leid und Unvollkommenheit in sich tragen dür­fe. Mein Anspruch, dass ein Glaubender auch immer Trost finden kann.
Der Katechismus jedenfalls tröstet mich hier nicht.
 
Lied 649 (Strophe 1) Wer kann dich, Herr, verstehen
 
Wer kann dich, Herr, verstehen, wer deinem Lichte nahn?
Wer kann den Ausgang sehen von deiner Führung Bahn?
Du lösest, was wir binden, du stürzest, was wir baun.
Wir könnens nicht ergründen, wir können nur vertraun.
Und wie fährt Frage 123 fort?
erhalte und mehre deine Kirche,
und zerstöre die Werke des Teufels
und alle Gewalt,
die sich wider dich erhebt,
und alle bösen Ratschläge,
die wider dein heiliges Wort
erdacht werden.
 
Aha - nicht nur ich habe zu kämpfen in meinem kleinen beschränkten Leben. Nicht nur für mich muss ich beten, sondern auch für Gott, auf dass seine Gegner mit ihren bösen Ma­chen­schaften vernichtet werden. Kommt Ihnen das logisch vor? Ich soll Gott bitten, dass er die Gewalt, die sich gegen ihn er­hebt, zerstört. Ja, warum tut er es denn nicht? Braucht es da­zu mein Gebet? Aha - die Kirche soll gefördert werden, erhalten und gemehrt. Und was ist mit dem Rest der Welt? Sind das die bösen Widersacher? Oder sind es welche, zu denen das Reich Gottes oh­nehin nicht kommt? (Zu Zeiten des Katechismus waren damit wohl die Papisten gemeint!) Aha - die Werke des Teufels sollen zerstört werden. Jetzt also auch noch der Teufel. Nun gut, wir wissen, dass die Menschen im 16. Jahrhundert davon ihre ganz kon­kre­ten Vor­stel­lun­­gen hatten. Auch zur Zeit Jesu war die Welt voller Teufel und Dämonen, nicht nur in den jüdischen Provinzen, sondern auch bei den Römern und Griechen. Aber hat ER – Jesus – nicht gesagt, er habe den Satan herabfallen sehen wie einen Blitz? (Lk 10,18) Hat ER nicht in dem Bewusstsein gelebt, dass mit ihm das Reich Gottes schon da ist und kei­­ne bösen Mächte mehr gefürchtet werden müssen? Warum ist dieser Teufel aus den Köp­fen nicht herauszubringen? Nicht im Mittelalter, nicht in der Reformationszeit. Selbst der neue Papst redet auffällig häufig von ihm. Und das Internet ist voll von aus­schwei­fenden Phan­tasien satanistischer Gruppierungen.
Mein kranker Sohn kennt den Teufel sehr gut, obwohl er weder daheim noch im Kon­fir­man­den­­­unterricht Teufelsgeschichten erzählt bekam. Diese Schrec­kens­bil­der dämonischer Mäch­­­­te sind offensichtlich eingegraben in das kollektive Gedächtnis. Vielleicht aus Ur­zei­ten er­­erbt mit der Angst vor der Dunkelheit. Die Teufelsbilder spalten die Welt in Gut und Bö­se, in helfende und vernichtende Lebenskräfte, sie bedrohen mit ihren gewalttätigen Stim­men ge­­­spaltene Persönlichkeiten. Und an der Tradition solcher Schrec­kens­bilder sind auch un­se­re christlichen Katechismusschriften nicht unschuldig. Was für wirklich­keits­mäch­ti­ge, end­gül­ti­ge Zeichen von Befreiung sind die Dämonenaustreibungen in den Evan­gelien! Aber statt zu glauben, dass SEIN Reich gekommen ist und kommen wird, hat man durch die Jahr­hunderte weiter die Angst geschürt.
Jesus betet und heißt uns beten: Dein Reich komme. Und Luther hat Recht mit seinem Zusatz: es komme zu uns. Aber wir können nur dann bitten, dass es zu uns kommt, wenn wir vertrauen, dass es in Jesus schon da war und dass es immer im Kommen ist. Auf keinen Fall jedoch müssen wir Gott ermahnen, was er zu tun hat. Auf keinen Fall müssen wir ihn, den Einen und Einzigen, mit Teufelsvorstellungen belästigen. Sie dürfen nicht mehr sein als Bilder für unsere Ängste.
 
 
Lied 396 (Strophe 2) Unter deinen Schirmen
 
Unter deinen Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei.
Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei.
Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken,
Jesus will mich decken.
 
 
Was tue ich da eigentlich? Ich soll eine Jubiläumspredigt halten. Und ich mache meinen Ka­te­chismus schlecht. Aber warum eigentlich nicht? Das ist doch gute reformierte Tradition. Ec­cle­sia semper refor­man­da. Die Kirche muss immer wieder und immer weiter erneuert wer­den. Also auch: Der Kate­chis­mus muss immer wieder und weiter erneuert werden. Er muss vor allem dahin­ge­hend ge­prüft werden, was er übersieht oder weglässt. Zur Bitte um das Reich Gottes hat er ziemlich viel weggelassen.
Ich möchte Frage 123 deshalb ergänzen aus Gerd Theißens "Glaubenssätzen", die ich in mei­ne eigene Rede jetzt einflechte.
Jesu Erwartung des Gottesreichs - so schreibt Theißen (Frage 188) - ist radikaler Monotheismus. Das bedeutet, dass ein Teufel oder andere böse Mächte darin keinen Ort haben. Radikaler Monotheismus:
Gott ist Schöpfer der Welt,
doch seine Welt ist noch nicht fertig.
Sie muss sich ändern,
um seine Herrlichkeit zu spiegeln.
Sie merken, hier wird eine andere Vorstellung von Schöpfung entwickelt als im Katechismus, der davon ausgeht, dass einmal alles gut war und dann durch den Sündenfall verdorben wur­­­de, ja, dass man Gott bitten müsse, alles zu zerstören, was sich wider ihn erhebt. Gottes Schöpfung ist noch nicht fertig. Nicht alles ist schon vollbracht. Zum Glauben an den Schöp­fer gehört daher auch der
Glaube
an die Verwandlung der Welt.
Erinnern Sie sich an die Lesung? Die Visionen der Propheten sind voll von Bildern über die Ver­wandlung der Welt: Die Wüste wird blühen, Skelette werden mit lebendigem Fleisch um­hüllt, steinerne Herzen werden lebendig, der Geist weht. Zukunftsvisionen von gro­ßer Hoff­nungs­kraft sind uns überliefert.
Gott erscheint schon in gegenwärtigen Zeichen - schreibt Theißen -
im unvollendeten Kunstwerk
seiner Welt.
Unvollendet.
Wir wissen nicht, in welcher Zeitform wir vom Reich Gottes angemessen sprechen können. War es im Leben Jesu schon da? Oder wird es erst am Ende der Zeit offenbar? Ist es in al­len Zeiten gegenwärtig, wo der Geist wirkt, damit das Wirken Jesu Wirklichkeit wird? Die Evan­­gelien geben uns eine zwiefache Antwort. In ihnen spricht Jesus über das Reich Gottes in der Gegenwart und in der Zukunft. Und in der Geschichte der Kirchen schlägt das Pendel im­­­mer wieder in verschiedene extreme Richtungen aus: zwischen Müntzers gewaltsamer Re­volution um der Gerechtigkeit willen und reaktionären, entpolitisierten Jenseits­ver­trös­tun­gen. Reich Gottes schon jetzt oder erst im Jenseits? Das eine ist so verfehlt wie das andere. Was aber dann?
Gott erscheint schon in gegenwärtigen Zeichen
im unvollendeten Kunstwerk
seiner Welt.
In der Geschichte Jesu, im Vertrauen darauf, dass das Reich Gottes in IHM nahe herbei­ge­kom­­men ist, haben wir das größte aller Zeichen. Und das Unservater-Gebet - so sehen es zeit­genössische Exegeten - ist ein Spiegel davon: Die einzelnen Bitten sind Elemente der schon seit Prophetenzeiten lebendigen Hoffnungen auf die kommende Königsherrschaft Gottes: alle können satt werden, Schulden werden erlassen, und Prüfungen wie die des Hiob wer­den die Erlösten nie mehr heimsuchen. Jesus selbst aber betet um beides: das An­bre­chen des Gottesreichs und die schwierige Geduld, darauf noch warten zu müssen. Dein Reich komme. Ja - aber auch: Dein Wille geschehe.
Wir müssen es also aushalten, dass Gott
in der Welt, wie sie ist, … abwesend ist.
Doch in der Welt,
die in Schmerzen entsteht,
ist er im Werden gegenwärtig.
Vom Geburtsschmerz spricht der Apostel Paulus (Römer 8,22). Nicht um Gottes Wirken müs­­sen wir bitten. Bitten müssen wir darum, über diesem Geburtsschmerz Seines Reiches nicht zu verzweifeln. Bitten müssen wir darum, dass wir zerstörte Hoffnungen ohne Ver­zweif­lung ertragen lernen. Bitten müssen wir darum, dass wir den Glauben nicht verlieren.
Das Christentum lehrt uns,
sagt Theißen (Frage 189),
Enttäuschung
über gescheiterte Hoffnungsbilder
in Kraft zu verwandeln,
die Hoffnung nie aufzugeben.
Hoffnungsbilder werden gekreuzigt.
Hoffnung aber
wird immer wieder auferstehen.
 
 
Schön und gut, sagt jetzt vielleicht die eine oder der andere von Ihnen, schön und gut, aber was heißt das konkret für mich und mein tägliches Leben?
Das Reich Gottes ist ein Traum mit einer sozialen Vision - so wieder Theißen (Frage 191) - Das Reich Gottes ist eine Utopie.
Ausländer draußen
und Deklassierte drinnen
sind privilegiert in ihm.
Das Reich Gottes ist eine Utopie, ein Noch-Nicht-Ort. Und mit anderen Utopien teilt es das Problem seiner Verwirklichung durch Menschen. Wolf Biermann hat das 1976 beim Konzert vor seiner Ausbürgerung aus der DDR sehr treffend formuliert, als er sang: So oder so, die Erde wird rot, entweder lebenrot oder todrot. Und nach einigen Strophen hat er sich selber unterbrochen mit dem Satz: "Manche singen dieses Lied als würde es heißen: Die Erde wird sowieso rot." Sowieso - selbstverständlich …
Da bin ich wieder bei meinem Anfang: Wozu beten? Damit nichts selbstverständlich wird. Kommt das Reich Gottes sowieso? Nein!
Wir sind die Erde
- so Theißen (Frage 190) -
die hervorbringen soll,
was Gott erwartet.
Die Früchte der Erde sind unsere Taten.
Wir sollen sie tun
spontan und ungezwungen,
von selbst
und autonom.
Das ist Reich Gottes.
Dein Reich komme zu uns, muss unser Gebet lauten, aber auch: Dein Reich komme durch uns. So habe ich in den 70er Jahren diese Bitte des Unservater ausschließlich verstanden: Dein Reich komme durch uns. Aber war das wirklich eine Lösung? Kein bisschen ist es nä­her gekommen seither. Immer wieder verunsichert mich das. Den Armen wird das Evan­ge­lium gepredigt (Mt 11,5), heißt es in Jesu Ausrufung der Gottesherrschaft. Dein Reich kom­­me - aber wann denn endlich? Wir sollen es verwirklichen. Doch die Versuche der Ge­schich­te endeten immer wieder in Blut­ver­gie­ßen oder in Scheingerech­tig­keit. Ehemalige Aktivisten sind gefangen in Resignation, jun­ge Gutwillige auf der Suche fühlen sich ratlos, ungestüme Welt­verbesser sind gefährdet durch Gewaltfantasien.
Dein Reich komme - Woher die Geduld nehmen?
2000 Jahre
- so Theißen (Frage 192) -
sind eine zu kurze Zeit,
um die Hoffnung zu testen,
die damals in die Welt trat.
 
Hätte der Neanderthaler für möglich gehalten,
dass Menschen Technik hervorbringen?
Hät­te es die Antike für möglich gehalten,
dass Sklaverei als Verbrechen gilt?
 
Hätte man sich vor 200 Jahren vorstellen können,
dass die Todesstrafe geächtet wird?
Hätte man vor 100 Jahren daran glauben können,
dass Kinder ohne Prügel erzogen werden?
Schon des­we­gen ist die Hoffnung auf Überwindung
von Krieg, Armut und Unfreiheit
zwar Hoffnung ge­gen die Geschichte,
nicht aber Hoffnung
gegen die Vernunft.
Ja, das waren vielleicht einige solcher bösen Ratschläge, die sich wider Gott erhoben hatten: Sklaverei, Todesstrafe, Prügel. Und viele solcher, die sich noch immer wider ihn erheben: Krieg, Ausbeutung, Menschenhandel.
Die Bitte, dass SEIN Reich komme, soll ich also verstehen als Bitte um Hoffnung. Um Hoff­nung, die den Glauben stärkt und in die tätige Liebe führt.
Aber was ist mit all dem, was keine Hoffnung zulässt, was nicht in unsere Hand zur Ver­än­de­rung gegeben ist? Was ist mit dem, was nur unsere Klage, nicht unsere Aktivität zulässt?
Wir wissen, sagt Paulus, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. (Römer 8, 22) So ist es. Wir seufzen mit unseren unheilbar Kranken. Wir seuf­zen mit Erdbeben- und Tsunami-Opfern. Wir seufzen über unser Unglück. Es ist nicht alles gut. Es ist nicht vollbracht. Es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. (1. Joh. 3,2)
Darum ist die Bitte um SEIN Reich so lange nötig, bis die Vollkommenheit Seines Reiches herzukomme, darin er wird alles in allem sein. Hier finde ich wieder zurück zum Heidelberger Katechismus: bis die Vollkommenheit Seines Reiches herzukomme, darin er wird alles in allem sein. Auch unsere Reformatoren, auch Paulus, von dem die Wendung alles in allem stammt, hatten eine Ahnung davon, dass Gottes Sein noch im Werden (E. Jüngel) ist. Den Wartezustand müssen wir aushalten.
Doch das ist unser Trost:
- sagt Theißen (Frage 228) -
Wir können uns untereinander
und mit Gott
verbünden gegen das Leid.
 
Gerechtigkeit Gottes
ist die Hoffnung,
dass wir am Ende
JA sagen können zu allem
und Gott JA sagt
zu uns
trotz allem.
Ja sagen - das tausche ich ein gegen Gehorsam und Unterwerfung
Bündnis gegen das Leid - das tausche ich ein gegen Zerstörung der Werke des Teufels
Hoffnung - das tausche ich ein gegen Regierung durch Wort und Geist
Nichts davon ist selbstverständlich. Vieles gelingt oft nur unter Tränen oder wütender Ver­zweif­lung. Alles legen wir in unser Gebet.
Auch und gerade Gott ist nicht selbstver­ständ­lich, sagt Kurt Marti. Daran erinnern uns die Atheisten.
Dein Reich komme …   AMEN
 
Gerd Theißen: Glaubenssätze. Ein kritischer Katechismus. Gütersloh 2012

Predigt gehalten am 14. April 2013 in der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Bayreuth