| 16 | 31 | 46 | 61 | 73 | 85 | 100 | 115 | |
| 17 | 32 | 47 | 62 | 74 | 86 | 101 | 116 | |
| 18 | 33 | 48 | 63 | 75 | 87 | 102 | 117 | |
| 19 | 34 | 49 | 64 | 76 | 88 | 103 | 118 | |
| 20 | 35 | 50 | 65 | 77 | 89 | 104 | 119 | |
| 21 | 36 | 51 | 66 | 78 | 90 | 105 | 120 | |
| 22 | 37 | 52 | 91 | 106 | 121 | |||
| 23 | 38 | 53 | 92 | 107 | 122 | |||
| 24 | 39 | 54 | 93 | 108 | 123 | |||
| 25 | 40 | 55 | 67 | 79 | 94 | 109 | 124 | |
| 26 | 41 | 56 | 68 | 80 | 95 | 110 | 125 | |
| 27 | 42 | 57 | 69 | 81 | 96 | 111 | 126 | |
| 28 | 43 | 58 | 70 | 82 | 97 | 112 | 127 | |
| 29 | 44 | 59 | 71 | 83 | 98 | 113 | 128 | |
| 30 | 45 | 60 | 72 | 84 | 99 | 114 | 129 | |
Frage 21
Predigt von Pastorin Christine Plawer, Uelsen
Wahrer Glaube ist nicht allein
eine zuverlässige Erkenntnis,
durch welche ich alles für wahr halte,
was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat,
sondern auch ein herzliches Vertrauen,
welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt,
dass nicht allein anderen, sondern auch mir
Vergebung der Sünden,
ewige Gerechtigkeit und Seligkeit
von Gott geschenkt ist,
aus lauter Gnade,
allein um des Verdienstes Christi willen.
Liebe Gemeinde!
Unsere Uelser Konfirmanden sind vor einiger Zeit mit Interviewfragen ausgeschwärmt.
Eine Frage lautete:
Was verstehen Sie unter Glaube?
Als die Jugendlichen zurückkamen, waren sie erst einmal enttäuscht.
Sie hatten viele Leute angesprochen, aber nur wenige waren bereit, Auskunft zu geben.
Wenn überhaupt Antworten kamen, dann nur von Leuten, die sie kannten.
Die Uelser sind nicht unfreundlich- Wie also kommt es, dass man im allgemeinen nicht gern diese Frage beantwortet?
Sicher, weil Glaube und das, was man darüber denkt, etwas sehr persönliches ist.
Wenn man von Glaube spricht, kann man ja auch erst einmal nur über den eigenen Glauben reden. Ich bestimme meine Position, lote meine Meinung und Einstellung aus.
Ich bringe eigene Glaubenserfahrungen mit ein- und verändere vielleicht auch wieder meine Schwerpunkte.
Doch zurück zu den Antworten die unsere Konfirmanden mitbrachten: sie haben es in sich - finde ich.
Auf die Frage: Was verstehen Sie unter Glaube?, kamen sie mit folgenden Antworten zurück:
Mein Glaube ist etwas, das mir durch eine Krise helfen kann
Mein Glaube hat was mit Gottvertrauen zu tun
Der Glaube gibt uns Richtlinien für unser Handeln
Das kann ich schlecht erklären- Glauben ist eine Gefühlssache
Glaube ist etwas, was innen drin in einem Menschen geschieht, aber auch nach außen wirkt.
Das sind Glaubenssätze von heute - spontan in unserer Sprache, auf unserem Hintergrund formuliert.
Welche Rolle spielen dabei aber Formulierungen, die andere Menschen zu anderen Zeiten gefunden haben - zum Beispielt die Verfasser der Glaubensbekenntnisse?
Diese in vielen Diskussionen mit viel Scharfsinn und Sorgfalt formulierten Worte sind ein unverzichtbarer Maßstab.
Sie nachzusprechen kann eine Hilfe sein.
An den vorliegenden Bekenntnissen mag man überprüfen: Kann ich dasselbe auch mit eigenen Worten sagen?
So bleiben wir im besten Wortsinne eine reformatorische Kirche - eine, die sich selbst immer wieder von neuem überprüft und erneuert, ohne ihr Profil und ihre Inhalte zu verlieren.
Eine Gemeinschaft, bestehend aus vielen Einzelnen, die herausfinden, was Glaube für sie bedeutet, und dabei den inneren Zusammenhalt und den gemeinsamen Nenner im Blick behält, ist auf dem Weg.
Liebe Gemeinde,
die Frage „ was ist wahrer Glaube“ steht im zweiten Hauptteil der Heidelberger Katechismus - mit der Überschrift: Von des Menschen Erlösung.
Diese Frage 21 bereitet die Frage 23, das Glaubensbekenntnis, vor.
Sie führt sozusagen dorthin - und ist gleichzeitig mehr als nur eine Einleitung.
Was ist wahrer Glaube - hat ein eigenes Gewicht bekommen.
Ich verstehe es auch als eine Hilfe:
Bevor ich mit anderen Schwestern und Brüdern in der Gemeinde und auch in der weltweiten Kirche den Glauben gemeinsam bekenne, sammele ich mich selbst- ich bekomme die Gelegenheit mich innerlich zu sammeln und rückzukoppeln, zu fragen: Was glaubst du?
Was ist wahrer Glaube?
Dabei bleibe ich, liebe Gemeinde, erst einmal an der Frage, an einer Formulierung hängen: Wahrer Glaube – kann es dann so etwas wie „unwahren“, oder „falschen“ Glauben geben?
Die Formulierung „wahrer“ Glaube mag uns modernen Menschen heute befremdlich in den Ohren klingen.
Wir empfinden es als Bevormundung und Einschränkung, wenn Absolutheitsansprüche erhoben werden.
Ein Gedanke an die Entstehungszeit des Katechismus lässt mich die Formulierung besser verstehen und akzeptieren.
Die Menschen im 16. Jahrhundert waren auf der Suche, ihren Weg in dieser neuen, reformatorischen Konfession zu finden. Verwirrend viele Meinungen gab es, ohne dass sie gelernt hatten, sich damit auseinander zu setzen.
Für uns, in einer Demokratie und im Pluralismus aufgewachsene Menschen, stellt sich eine ganz andere Situation dar.
Doch die Verfasser wollten gerade nicht bevormunden - im Gegenteil:
Als mündige Christen sollte jede/r einzelne vor Gott seinen Weg in der Gemeinschaft finden.
Doch dafür braucht man eine Art Richtlinien - Frage 21 verstehe ich in dieser Weise.
Was ist wahrer Glaube - oder,
manchmal fällt es einem leichter, wenn man das Gegenteil definiert:
Was ist unwahrer, unguter Glaube?
Wenn ich an die Antworten denke, die unsere Konfirmanden mitgebracht haben, wäre das ein Glaube, der mich nicht tröstet.
Ein Glaube, der mir in einer Krise nicht weiterhilft.
Oder ein Glaube, den ein Mensch nur für sich behält.
Ich möchte es lieber positiv formulieren:
Wahrer Glaube hilft uns weiter. Er lässt etwas von innen nach außen strahlen.
Er hilft, dass Menschen sich getröstet fühlen.
Glaube ist Gottvertrauen. Es öffnet einem Menschen den Weg zu Stärke und Mut.
Jetzt die Antwort aus dem Heidelberger Katechismus:
Wahrer Glaube ist eine gewisse Erkenntnis und ein herzliches Vertrauen....
Zwei starke Schlüsselworte:
Das erste: Erkenntnis: Wir verbinden mit dem Wort die Leistung unseres Verstandes,
es gibt z.B. wissenschaftliche Erkenntnisse, darin steckt Kopfarbeit, viel Mühe, jemand hat sich unbeirrbar und beharrlich nach einem Ergebnis auf die Suche gemacht.
Gewisse Erkenntnisse sind sichere, nicht zu wiederlegende Fakten, jederzeit abrufbare Beweise, vorlegbare Zeugnisse.
Ich habe etwas erkannt - das heißt: Ich habe es verstanden - bin wirklich auf den Grund gegangen. Ich habe eine Sache in ihrem Wesen begriffen.
Das zweite Schlüsselwort:
herzliches Vertrauen:
Das Wort spricht für sich - von ganzem Herzen, da wo mein Mut, meine Lebenskraft, meine Hoffung sitzt, will ich mich auf etwas oder jemanden verlassen - fallen lassen, wenn es einmal sein soll.
Wenn ich ein Bild oder eine Vorstellung für Vertrauen suche, stelle ich mir eine Brücke über eine nebelige Schlucht vor.
Ich kann nicht auf die andere Seite sehen, habe keine Ahnung, wie breit die Schlucht noch ist. Ich kann nur auf die Brücke gehen und weiterlaufen und vertrauen, dass ich gut auf der anderen Seite ankomme....
Wahrer Glaube - ist eine gewisse Erkenntnis und ein herzliches Vertrauen....
es folgt der zweite Teil der Antwort, der auch den größten Raum einnimmt.
Das herzliche Vertrauen wird ganz klar als Geschenk und Wirkung des Heiligen Geistes angeführt.
Nicht nur anderen, sondern auch mir sind Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt.
Aus lauter Gnaden, allein um des Verdienstes Christi willen - das ist Jesu Christi Werk, seine besondere Art der Verkündigung, sein einmaliges Opfer am Kreuz und seine Auferstehung.
Die Erlösung und Loslösung von Lebensängsten, Gottesferne, Schuld und Angst, Gott nicht recht zu sein, ist bereits geschehen -
überdeutlich wird das in der Antwort zu Frage 21 betont:
Es ist ein Geschenk, gratis, aus Gnade.
Für uns mag dieser doppelte Hinweis etwas zu üppig erscheinen- doch die Christen im 16. Jahrhundert kamen ja von den Erfahrungen mit dem Ablasshandel her.
Sie kannten die sogenannte Werkgerechtigkeit: Nur wer zahlt oder Gutes tut, wird von Gott geliebt und vor Gott gerecht.
Jetzt hörten sie die Worte aus dem Römerbrief, K. 5, 1: Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Martin Luther hatten sie zu seinem alle Türen öffnenden Schlüsselerlebnis verholfen.
Mit anderen Worten wird das noch einmal zusammengefasst von reformierten Theologen in Heidelberg - in Frage 21
Was ist wahrer Glaube?
Eine zuverlässige Erkenntnis und ein herzliches Vertrauen....die beiden Begriffe stehen da wie zwei Leuchttürme.
Sie helfen seit nun fast 450 Jahren, dass Christen sich orientieren können.
Denn die Erfahrung, durch Tiefen und Zweifel auch in Glaubensdingen hindurchzugehen und nach einem Weg zu suchen, gibt es zu allen Zeiten.
Zwischen gewisser Erkenntnis und herzlichem Vertrauen bewegen wir uns als Geschöpfe Gottes, die zu Jesus Christus gehören im Leben und im Sterben.
Wahrer Glaube ist : Eine zuverlässige Erkenntnis und ein herzliches Vertrauen...
Ich möchte zuletzt noch etwas hinzufügen:
Ein Wunder.
Und die geschehen bekanntlich immer wieder.
Amen.
Gehalten am 7. August 2011 in der Ev.-reformierten Kirche Veldhausen


