| 16 | 31 | 46 | 61 | 73 | 85 | 100 | 115 | |
| 17 | 32 | 47 | 62 | 74 | 86 | 101 | 116 | |
| 18 | 33 | 48 | 63 | 75 | 87 | 102 | 117 | |
| 19 | 34 | 49 | 64 | 76 | 88 | 103 | 118 | |
| 20 | 35 | 50 | 65 | 77 | 89 | 104 | 119 | |
| 21 | 36 | 51 | 66 | 78 | 90 | 105 | 120 | |
| 22 | 37 | 52 | 91 | 106 | 121 | |||
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| 25 | 40 | 55 | 67 | 79 | 94 | 109 | 124 | |
| 26 | 41 | 56 | 68 | 80 | 95 | 110 | 125 | |
| 27 | 42 | 57 | 69 | 81 | 96 | 111 | 126 | |
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| 30 | 45 | 60 | 72 | 84 | 99 | 114 | 129 | |
Karl Barth und der Heidelberger Katechismus
„Substanz reformatorischer Erkenntnis“.
Barth nennt sie auch „die sieben Nägel, die im Heidelberger Katechismus eingeschlagen sind“. Und er fragt 1947: „Was bedeutet neben diesen sieben Grundwahrheiten die Differenz der evangelischen Konfessionen?“
„1. Der Heidelberger Katechismus enthält einen bestimmten Gottesbegriff. Er redet von Gott als von dem von aller Kreatur verschiedenen, freien und überlegenen Gegenüber des Menschen. So ist diese Majestät Gottes und die ihr entsprechende Ehrfurcht des Menschen ihm gegenüber das erste Charakteristikum dieser Theologie. Es ist wichtig, das hervorzuheben, weil der Heidelberger Katechismus, wie ja schon seine Einteilung zeigt, soteriologisch und also am Heil des Menschen interessiert ist. Man wird sagen dürfen, daß er ausgesprochen eine Theologie des dritten Artikels, eine Theologie des Heiligen Geistes, darstellt, aufgebaut unter dem besonderen Gesichtspunkt des Werkes Gottes am Menschen. Eine so orientierte Theologie steht in der Gefahr des Anthropozentrismus, d.h. des Abgleitens in ein einseitiges Interesse am Menschen, sodaß Gott und die göttlichen Dinge bloß noch als Exponent menschlicher Erfahrung und menschlichen Erlebens erscheinen möchten. Man hat dem Heidelberger Katechismus eine gewisse Tendenz in dieser Richtung schon oft vorgehalten. ist er ein Vorläufer Schleiermachers? Man wird gut tun, den Hintergrund seines Gottesbegriffs nicht zu übersehen. Die Gnade Gottes dem Menschen gegenüber ist freie und frei bleibende Gnade. Der Katechismus redet gewaltig davon, wie Gott für den Menschen ist, aber man darf nicht vergessen, wie da umgekehrt zuerst der Mensch als für Gott in Anspruch genommen erscheint.
2. Gott ist in diesem Text kein Deus nudus, absolutus, absconditus, sondern wo die Vokabel Gott auftaucht, da handelt es sich immer um Gott in Jesus Christus (Frage 26!) Gott ist im Heidelberger nach einer oft wiederholten Wendung der, „der sich in seinem Wort geoffenbart hat“ (Fragen 25, 95, 117). Wenn im Jahre 1934 in Barmen die Erkenntnis der evangelischen Kirche zusammengefaßt wurde in dem Satz: „Jesus Christus, wie er uns in der heiligen Schrift offenbart wird, ist das eine Wort Gottes ...“, so ist dieser erste Satz von Barmen nicht nur in formalem Anklang an Frage 1 des Heidelbergers formuliert worden. Eine andere als eine auf das eine Wort Gottes in Jesus Christus begründete Theologie kann sich jedenfalls nicht auf den Heidelberger Katechismus berufen.
3. Wenn der Heidelberger Katechismus von Jesus Christus spricht, so ist damit der Inbegriff aller göttlichen Wohltat gemeint, d.h. das eine und völlige Heil für den Menschen, der Zuspruch der Vergebung und der Anspruch auf unser Leben, unsere Befreiung zum Dienst (Barmen II). An dieser Stelle ist freilich eine Korrektur anzubringen. Der Heidelberger hat eine Neigung, diese Wohltat zu beschränken auf die Christenheit, bzw. auf die Kirche. Ein etwas enges und leise egoistisches Verständnis der Kirche und des Christentums möchte sich hier durchsetzen. Man befindet sich innerhalb der Kirchenmauern, im Kreise der frommen, und die böse Welt hat leider an dieser Sache keinen Anteil. Der Name Gottes, Sein Reich und Sein Wille greifen aber durch die Kirche über die Kirchenmauern hinaus. „Also hat Gott die Welt geliebt“ und „Ihr seid das Licht der Welt“. Das ist der Ton, der bei echter evangelischer Lehre ertönen muß! Die Christenheit und die Kirche ist nach der heiligen Schrift nicht Selbstzweck, sondern Dienst an Gottes Werk, und darum auch Dienst an den Menschen, sie ist der Ort des Lobes Gottes, durch das die Anderen gerufen werden sollen. Wenn wir das betonen, so weichen wir im Grunde nicht ab von dem, was auch der Katechismus sagen möchte. Es heißt auch im Heidelberger, es gehe für den Christen darum, daß Gott durch uns gepriesen werde und nicht darum, daß wir selig werden. (Fragen 86, 99 und 122). Es geht darum - Frage 128 – daß nicht unser, sondern dein heiliger Name ewig soll gepriesen werden. Es geht darum – Frage 86 - , daß wir unsere Nächsten auch für Christo gewinnen. Zu Frage 1 wird Joh. 2,2 zitiert: „Er ist das Sühnopfer für unsere Sünden, aber nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt“ und zu Frage 2: „Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die herrlichen Taten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1. Petr. 2,9) und „Ihr seid des Alles Zeugen!“ (Luk. 24, 48)
4. Der Heidelberger schließt sich der Theologie der Reformation in der bestimmten Weise an, daß er als den Empfang der göttlichen Wohltat, also als den Weg seitens des Menschen, diese Wohltat, anzunehmen, den Glauben bezeichnet. Der Mensch, der zu der Tatsache, daß Gott in Jesus Christus für uns ist, Ja sagt, der glaubt. Und er wird sich selber als Glaubender nie anders verstehen können, denn wiederrum als ein Stück göttlicher Wohltat: er darf glauben. Alle seine Leistungen könnten ihm nicht dazu helfen, Gottes Wohltat anzunehmen, „Werke“ können ihn nicht „rechtfertigen“. So gründet die Freiheit für die Gnade in der Freiheit des gnädigen Gottes.
5. Eben der Glaube aber bedeutet wiederum des Menschen Freiheit zum Handeln. Charis begründet und ruft wie einem Echo der eucharistia des Menschen. Zwischen der Majestät Gottes und der tapferen Tat des Menschen auf Erden ist nach dem Heidelberger kein Widerspruch. Dieser Zusammenhang von Glaube und Werk war auch gewiß das, was Martin Luther vor Augen gestanden hat. Aber man wird wohl sagen dürfen, daß bei ihm dieser Zusammenhang nie so recht deutlich und durchsichtig geworden ist. Man hat, wenn man seine Ausführungen über Evangelium und Gesetz liest, leicht den Eindruck einer Echternacher Springprozession, bei der man einen Schritt vor und zwei Schritte zurück geht. In der theologischen Darstellung sind hier Calvin und seine Schüler entschieden eindeutiger und bekommen wir in einem Dokument wie dem Heidelberger klarere Anweisung über das Verhältnis von Dogmatik und Ethik.
6. Der Ort, an dem göttliche und menschliche Freiheit sich begegnen, ist die Gemeinde. Ich sage absichtlich Gemeinde und nicht Kirche, und meine damit die Christen in ihrer Gemeinschaft mit Christus und in ihrer Gemeinschaft des Glaubens untereinander, ohne Zwischenschaltung eines „Amtes“. Ihr, dieser Gemeinde, ist der Dienst am Evangelium anvertraut. Denn zu ihr ist das Evangelium gesprochen, und zwar zu der ganzen Gemeinde. Durch ihren Dienst und nicht durch den besonderen Dienst der Theologen und Priester, durch die Gemeinschaft der Heiligen soll der Name gepriesen werden.
7. Das alles aber steht im Heidelberger deutlich unter dem Zeichen des „noch nicht“, d. h. der noch nicht eingetretenen letzten Offenbarung. „Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?“ heißt es in Frage 1. Trost weist darauf hin, daß noch nicht erschienen ist, was wir sein werden. Wir dürfen unserer künftigen Gestalt erst entgegen gehen und leben noch in Erwartung dieser künftigen Offenbarung.“
aus: Karl Barth; Die christliche Lehre nach dem Heidelberger Katechismus, Vorlesung gehalten an der Universität Bonn im Sommersemester 1947; Evangelischer Verlag A.G. Zollikon-Zürich 1948, S. 19-22
(Hervorhebungen im Original)
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Aleida Siller


