Vom Mauerfall berichten Kirchenleute auf www.ekir.de

Erinnerungen an den Mauerfall am 9. November 1989: ''Erst nichts begriffen, dann riesig gefreut''



Die eine steckte in der Orchesterprobe im Gemeindezentrum, der andere in seiner Rechtsanwaltskanzlei. Eine hatte daheim eine Festgesellschaft, der andere hielt in der Uni eine Vorlesung. „Wo waren Sie am 9. November 1989?“

Diese Frage hat die Online-Redaktion der Evangelischen Kirche im Rheinland einem Dutzend Menschen gestellt. Die Antworten sind derzeit Tag für Tag auf der Homepage www.ekir.de nachzulesen.

Die Frau aus der Orchesterprobe heißt Angelika Zädow, ist heute noch Gemeindepfarrerin in Meckenheim bei Bonn und wird ab Februar 2010 nach Ostdeutschland wechseln: als Superintendentin des Kirchenkreises Halberstadt. An jenem Abend in der Arche in Meckenheim knallten die Sektkorken. Der andere ist Otto W. Guse, damals Rechtsanwalt in Wuppertal, heute lebt er (ebenfalls) längst im Osten und engagiert sich als Präsident der sächsischen Landessynode. „Realisiert, dass da wirklich Geschichte geschrieben wird, habe ich erst ein paar Tage später. Da stand ein Trabi mitten in Wuppertal, der erste Trabi in meinem Leben.“

„Es kam weit besser“

Die heutige Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland Petra Bosse-Huber hatte vor 20 Jahren als frisch gewählte Pfarrerin ihre neuen Kollegen zum Abendessen nach Hause eingeladen. Tischgespräch Nummer eins waren die Entwicklungen im Osten, und weil der Fernseher zwischendurch eingeschaltet war, war die Runde auf dem Laufenden: „Als die Bilder von den Menschen zu sehen waren, die nach West-Berlin kamen, waren auch wir alle tief bewegt.“ Und Dieter Vieweger, heute Professor für Biblische Archäologie und Altes Testament in Wuppertal und Jerusalem, hat damals am Sprachenkonvikt in Ostberlin unterrichtet – Vieweger stammt aus der ehemaligen DDR. „Wir würden nun eine demokratische DDR erkämpfen können“, habe er sich gedacht. „Es kam weit besser.“

Den Anfang der Serie hat der ehemalige Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Jürgen Schmude, gemacht. Der SPD-Politiker aus Moers hat sinnfälligerweise zum Start der Serie und zeitgleich mit der EKD-Synode 2009 daran erinnert, wie die Synode vor 20 Jahren vom Fall der Mauer erfuhr. Am 9. November 1989 gab es in Bad Krozingen noch eine Erklärung zum Thema „gegenwärtige Entwicklung zu grundlegenden Reformen in der DDR“. Von einem „Veränderungsprozess“ und der Hoffnung auf mündige Zukunftsgestaltung ist da die Rede. Erst am folgenden Morgen habe ihn die Nachricht von der Grenzöffnung erreicht, berichtet Schmude. Da war er „unendlich froh und dankbar“.

So viel sei verraten: Auch Präses Nikolaus Schneider wird in diesen Tagen berichten, wie er den 9. November 1989 erlebt hat. Er kam von einer Bibelarbeit und fand Ehefrau und Töchter euphorisch vor dem Fernseher. Weil er zunächst noch in Gedanken bei der Bibelarbeit war, habe er „die Tragweite zuerst gar nicht begriffen“, räumt Schneider ein. „Dann habe ich mich riesig gefreut.“

Bis einschließlich 9 November werden regelmäßig neue Erinnerungen der Serie auf www.ekir.de hinzugefügt.


Pressemitteilung der EKiR