Noch ordentlicher

Mittwochskolumne von Paul Oppenheim


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Religionsunterricht ist bekanntlich das einzige Schulfach mit Verfassungsrang. Es ist als „ordentliches Lehrfach“ im Grundgesetz verankert, aber wie ordentlich ist ordentlich? Niedersachsen gibt darauf eine neue Antwort.

Würden Lesen, Schreiben, Rechnen nicht mehr gelehrt, so müsste doch Religion „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften“ unterrichtet werden. Das gilt in öffentlichen Schulen zwar bundesweit und doch gibt es von Bundesland zu Bundesland erhebliche Unterschiede. 

Berlin, Brandenburg, Bremen haben sich vom Religionsunterricht befreit. In den anderen Bundesländern gibt es neben dem konfessionellen Religionsunterricht noch ein Ersatzfach, außer in Hamburg, wo es den religionsübergreifenden RUfa (Religionsunterricht für alle) gibt.

Jetzt nimmt Niedersachsen mit einem neuen Format eine Vorreiterrolle ein. Nach sechs Jahren Verhandlungen haben die fünf evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer Niedersachsens der Einführung des Fachs „christlicher Religionsunterricht“ zugestimmt. Der Schritt wird als „wichtiges zeitgemäßes Signal“ - so die Kultusministerin - gefeiert.

Tatsächlich wird sich an den meisten Schulen in Niedersachsen kaum etwas ändern. Über 40% der Schülerschaft, ist vom RU abgemeldet und wird im Ersatzfach „Werte und Normen“ unterrichtet. Von denjenigen, die am Religionsunterricht teilnehmen, besuchen kaum 7% den katholischen Unterricht. 45% nehmen am evangelischen Unterricht teil und 48% am konfessionell-kooperativen Unterricht, der in vielen Schulen Niedersachsens längst der Normalfall ist. An die Kooperation der Konfessionen hat man sich längst gewöhnt. Insofern hat der „historische Schritt“ eher symbolischen Wert. 

Bemerkenswert ist aber, dass die Orthodoxen Kirchen, die mit der Flüchtlingswelle aus der Ukraine stark gewachsen sind, in das neue Modell eingebunden wurden. Der Verzicht auf die religionskundliche bzw. interreligiöse Variante hält zudem den Weg zu einem islamischen Religionsunterricht offen.

Für die Kirchen ergibt sich wiederum die Chance, dem eigenen Kirchlichen Unterricht ein klareres konfessionelles Profil zu verleihen. So erlebt der Heidelberger Katechismus vielleicht eine Renaissance im reformierten Konfi-Unterricht? Es müssen ja nicht gleich alle 129 Fragen sein.


Paul Oppenheim