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Vielleicht der nächste Krisenherd?
Mittwochskolumne von Paul Oppenheim

Das kleine Land, das die ganze Welt mit Halbleitern versorgt, ist immer wieder in den Schlagzeilen und doch ziemlich unbekannt. Früher kamen aus Taiwan Konservendosen mit Ananas. Damals stand noch die Herkunftsbezeichnung „Formosa“ auf dem Etikett, jetzt sind es Elektrogeräte, Motorroller und Maschinen, aus dem technologischen Wunderland stammen. Es gilt zudem als mustergültige Demokratie.
Knapp 25 Millionen Einwohnern leben heute auf der subtropischen Insel nur 150 Kilometer von Festlandchina entfernt. Nach der Niederlage gegen Mao Tse Tungs Kommunisten flohen 1,5 Millionen Anhänger des Generalissimus Chiang Kai Scheck dorthin und beendeten 50 Jahre japanischer Kolonialherrschaft. Bis zu seinem Tod 1975 erhob Chiang Kai Scheck, der als Präsident das Land autoritär regierte, Anspruch auf ganz China und träumte von der Rückeroberung des Festlandes.
Bis 1971 vertrat Taiwan ganz China in den Vereinten Nationen, auch im Sicherheitsrat. Mit der UNO- Resolution 2758 wurde dann mit Unterstützung der USA der Sitz an die Volkrepublik China übergeben. Die von der Volksrepublik China verfolgte „Ein-China-Politik“ beinhaltet, dass Taiwan untrennbar zu China gehört und nicht als souveräner Staat anzuerkennen ist. Bis heute unterhält deshalb auch Deutschland - wie die meisten anderen Staaten - keine diplomatischen Beziehungen zur Republik China, wie sich Taiwan selbst nennt. Anstelle einer Botschaft gibt es in Taipeh daher das „Deutsche Institut“.
Tatsächlich stammt der allergrößte Teil der Bevölkerung von Chinesen ab, die in mehreren Einwanderungswellen vom Festland gekommen sind. Ein wachsender Anteil dieser chinesischen Mehrheit hat inzwischen eine taiwanesische Identität entwickelt und fühlt sich nicht mehr dem „Mutterland“ so verbunden, wie frühere Generationen. Nur 2,5 Prozent der Bevölkerung Taiwans gehört zu den eigentlichen Ureinwohnern, die zu verschiedenen Stämmen gehören und größtenteils Christen geworden sind.
Unabhängig von ihren ethnischen Wurzeln wünschen sich Taiwanesen vor allem Wohlstand und Frieden. Um welchen Preis sich beides erhalten lässt, ist die große Frage. Für Anhänger einer freiheitlichen Demokratie werden die Spielräume enger.
Paul Oppenheim


