Kirchengeschichtliche Forschung

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Forschungsprojekt ''Christen jüdischer Herkunft in Westfalen unter nationalsozialistischer Herrschaft''

Landeskirche fördert Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl

Bild (EKvW): Gemeinsames Engagement für das Forschungsprojekt "Christen jüdischer Herkunft": Professor Hans-Walter Schmuhl und Landeskirchenrätin Karin Moskon-Raschick.

Bielefeld/Westfalen. Für die Nationalsozialisten waren sie Juden, für die jüdischen Kultusgemeinden Abtrünnige, und die evangelischen Kirchen ließen sie unter staatlichem Druck schließlich fallen: die so genannten Judenchristen. Auf Initiative des landeskirchlichen Ausschusses „Christen und Juden” beauftragte die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) den Bielefelder Historiker Hans-Walter Schmuhl mit dem Forschungsprojekt „Christen jüdischer Herkunft in Westfalen unter nationalsozialistischer Herrschaft”.

Das Ziel des Forschungsprojekts: die Geschichte der Christen jüdischer Herkunft zu erforschen und die Erinnerung an sie zu bewahren. Am 23. Oktober 2008 wurde das auf drei Jahre angelegte Projekt, das die Landeskirche mit insgesamt 100.000 Euro fördert, im Landeskirchenamt in Bielefeld vorgestellt.

Kein Rückhalt in christlichen Gemeinden
Das Schicksal der Christen jüdischer Herkunft in der Zeit des „Dritten Reiches” bedarf in mehrfacher Hinsicht gesonderter Betrachtung: Vom Judentum hatten sie sich selbst getrennt, wurden aber vom nationalsozialistischen Staatsapparat nach den Nürnberger Rassegesetzen allein nach ihrer jüdischen Herkunft klassifiziert und teilten meist das Schicksal der jüdischen Bevölkerung. Obwohl getaufte Mitglieder der christlichen Kirchen, fanden sie auch dort oft keinen Rückhalt. In manchen Landeskirchen kam es sogar zu öffentlicher Ausgrenzung aus dem kirchlichen Leben. Als Gruppe innerhalb der Kirche konnten sie selbst nicht auftreten, weil sie damit die staatlichen Behörden auf sich aufmerksam gemacht hätten. So versuchten viele, ihre Identität zu verbergen – in der Hoffnung, sich der unterschiedslosen Diskriminierung und Verfolgung aller Menschen jüdischer Herkunft zu entziehen. Ihre Kirchenzugehörigkeit bewahrte sie aber oft nicht vor Ausgrenzungen, Verfolgungen, Deportationen und Ermordung in den Vernichtungslagern.

Blinder Fleck in der Forschung
Ihr Schicksal ist für Professor Dr. Hans-Walther Schmuhl immer noch „ein blinder Fleck der Forschung.” Das soll sich nun ändern: „Wir möchten diesen Menschen endlich Namen und Gesicht geben.” Und Landeskirchenrätin Karin Moskon-Raschick ergänzte: „Als Kirche stehen wir deshalb dieser Gruppe gegenüber in einer besonderen Verantwortung, um ihr Gedenken zu bewahren.”

2.000 Menschen betroffen
Erste Studienergebnisse gehen von etwa 2.000 evangelischen Christen aus, die Ende der 1930er Jahre in Westfalen lebten und jüdische Vorfahren hatten. Der bekannteste ist der Bochumer Pfarrer und Mitbegründer der Bekennenden Kirche Hans Ehrenberg (1883-1958). Kooperationspartner des Forschungsprojektes sind das Institut für Diakonie und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel (Leitung: Prof. Dr. Matthias Benad), die Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie der Universität Bielefeld und das Landeskirchliche Archiv (Leitung: Dr. Jens Murken). Zum Projektteam gehören neben Professor Hans-Walter Schmuhl auch Dr. Ulrike Winkler (Berlin) und Ingrid Azzolini M.A. (Bielefeld).

Bereits im Wintersemester 2007/2008 hat Professor Hans-Walter Schmuhl mit Studenten der Universität Bielefeld eine Übung zum Thema des Forschungsprojektes durchgeführt: Die Ergebnisse sind in einer Broschüre zusammengefasst, die über die Pressestelle des Landeskirchenamtes (Altstädter Kirchplatz 5, 33604 Bielefeld, Telefon 0521/594-313, E-Mail: presse@lka.ekvw.de) erhältlich ist bzw. – ab dem 28. Oktober – über die landeskirchliche Homepage auch als pdf-Datei heruntergeladen werden kann.


Pressemitteilung der EKvW
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