Menschenwürde hat kein Verfallsdatum

Gedenken an Opfer der Hexenverfolgung im Gottesdienst

Szenischer Tanz: Beate Gatscha im Gottesdienst zum Abschluss der Reihe „unzerstörbare Menschenwürde“ in der Klosterkirche in Blomberg.

Kreis Lippe/Blomberg. „Unzerstörbare Menschenwürde“ hieß die Veranstaltungsreihe, in der es in Gottesdiensten, Konzerten, Vorträgen und Ausstellungen um die Hexenverfolgung in Lippe ging. Veranstalter waren die Lippische Landeskirche, das Dekanat Bielefeld-Lippe, die Evangelisch-methodistische Kirche Detmold, der Lippische Heimatbund und die Gleichstellungsstelle der Stadt Blomberg. Den Abschluss bildete am Sonntagmorgen ein Gottesdienst in der Blomberger Klosterkirche.

„Die Menschenwürde hat kein Verfallsdatum“, darauf verwies Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann in seiner Predigt. Die Erinnerung an die Hexenverfolgung müsse sein. Drei Gründe gebe es dafür: Erstens seien die von der Hexenverfolgung betroffenen Frauen, Männer und Kinder selten rehabilitiert worden, zweitens habe sich auch die Kirche damals schuldig gemacht und drittens: „Nur wenn wir uns in Kirche und Gesellschaft unserer Vergangenheit stellen, werden wir die Zukunft verantwortlich gestalten können“, so Dutzmann.

Darum sei die Erklärung „Unzerstörbare Menschenwürde“ verfasst und veröffentlicht worden: „Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen weder diskriminiert, noch verteufelt, noch unschuldig verurteilt werden. Wir unterstützen die weltweiten Bemühungen, die Folter und die Todesstrafe in jedem Land abzuschaffen. Für die Verwirklichung der Menschenrechte treten wir ein.“

Diese Pflicht gelte auch gegenüber Menschen in anderen Ländern, aber über die Mittel müsse man sich immer wieder neu verständigen. Dr. Dutzmann: „Nach dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist jedenfalls klar: Militärische Gewalt taugt nicht zur Verwirklichung der Menschenrechte.“

Die Predigt war eingebettet in ein Gedenken an die rund 60.000 Opfer der Hexenverfolgung in Europa - davon rund 500 Opfer in Lippe.

Hermann Donay, Monika Korbach, Bettina Hanke-Postma und Martin Hankemeier hatten dazu die Namen und detaillierte Zahlen. Sie erinnerten auch an die zeitgenössischen Kritiker des Hexenwahns.

Einen besonderen Rahmen erhielt der Gottesdienst durch einen szenischen Tanz, den die freischaffende Tänzerin Beate Gatscha aufführte.

Zu dramatisch sich steigernder Orgelmusik kam sie, an den Händen gefesselt und mit einer weißen Maske vor dem Gesicht, durch den Kirchenraum vor den Altar.

Ihr Tanz symbolisierte das Leid der Verfolgten. Die Verfolgung, die Folter, die Verbrennung – die Darstellung machte die Qualen bis zum Ende spürbar, an dem die Seele den Körper verlässt. Gatscha: „Zurück bleibt die Totenmaske. Eine Maske die dafür steht, dass es damals jeden hätte treffen können.


Pressemeldung der LL, 13. November 2012
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