Ärger am Bildnis

Notat to go. Von Barbara Schenck

Warum immer dieses Ärgern über die gleichen Dinge? Muss das sein? Als Erwachsene sollte ich eigentlich fähig sein zur Affektregulierung. Also: kühlen Kopf bewahren und über das Schreiben, was mir wichtig ist.

Aber das funktioniert gerade nicht. So sei das Selbstverständliche noch einmal gesagt:
Menschen verachtend ist es, Männer und Frauen auf bestimmte Rollen festzulegen, oder sie in einem Bildnis zu betrachten, das nur den Namen Klischee verdient.
Wer macht das heute noch? Die Kirche. Ja, das tut weh. Wer einen Blick wagt in die aktuelle Untersuchung zur Kirchenmitgliedschaft wird konfrontiert mit einer Frau im Rock, den einen Kopf größeren Mann im Rücken, seine linke Hand auf ihrer Hüfte. Ein anderes Bild zeigt die beiden in der Vogelperspektive am Kaffeetisch. Das dickere Stück liegt vor? Dem Mann, na klar.
Der Kaffeetisch symbolisiert den Ort, an dem Kirchenmitglieder bevorzugt religiöse Gespräche führen. Das Zuhause ist Gesprächsort Nummer eins für die Frage nach dem Sinn des Lebens, so ein Ergebnis der Studie. Und wer sorgt dafür, dass in diesem Haus alles so herrlich zugerichtet ist? Überwiegend Frauen. Aber das sagt eine andere Studie.

Frauen seien überrepräsentiert unter den kirchlich Hochaktiven, sagt die Kirchen-Studien. Nach diesem Ergebnis ist die Infografik der gobasil GmbH zur Darstellung des „Engagements“ eine echte Überraschung. Auf grünem Rasengrund wachsen Bäume mit verschiedenen Früchten, im Vordergrund ein Picknick. Alles ist bereitet, aber niemand kommt. Die Person, die angerichtet hat, ist auch nicht zu sehen. Dafür fehlt es nicht an Männern in Arbeitskleidung, die Rasen mähen und gießen. Mag sein, die Gärtner sollen gar nicht Zeichnung sein für normale Kirchenmitglieder, sondern Metapher für Jesus, den Heiland selbst? Könnte es sein, dass die Grafik etwas zeigt, was die dogmatische Christologie noch kaum wahrgenommen hat, nämlich dass Maria aus Magdala in ihrer Begegnung mit dem Auferweckten (Johannes 20,11-17) und der Anrede des Unerkannten als Gärtner Einsicht gibt in das paradiesische Gärtneramt Christi? Sollte etwa die Infografik so viel Theologie enthalten, dass sie anspielt auf die von Friedrich-Wilhelm Marquardt und Magdalene L. Frettlöh entfaltete These, die „Gärtnerrolle“ könnte als „ein Implikat der Messianität Jesu“ verstanden werden?
Jesus – oder seine Nachahmer – als Gärtner, o.k., aber: Ein Gärtner mit der Giftspritze vorm Birnbaum, der Frucht trägt? Hat da jemand das theologische Skandalon missverstanden?

Statt ermüdendem Säulendiagramm mal eine grafisch gestaltetet Statistik, das mag kreativ sein. Aber sollte Ästhetik nicht besser einer Schule der Wahrnehmung sein? Die Engagement-Grafik schärft nicht die Wahrnehmung, sie leitet in die Irre. Ein schlechter Leseanreiz. Da amüsier‘ ich mich lieber mit der Känguru-Offenbarung.

*Frei nach Peter Sloterdijks Ästhetischem Versuch von 1987.

Literatur:
Magdalene L. Frettlöh, Christus als Gärtner. Biblisch- und systematisch-theologische, ikonographische und literarische Notizen zu einer messianischen Aufgabe, in: Jabboq 7: „Schau an der schönen Gärten Zier…“, Gütersloh 2007, 161-203, hier 162.

Barbara Schenck, 12. März 2014

 

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