Kaum jemand von den ''Armen'' hat eine Beziehung zu Kirche

Von Christoph Wand, VEM

Armut und Kinderarmut müsse wieder mehr im Mittelpunkt kirchlicher Arbeit stehen. Das forderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Thematischen Konferenz der Deutschen Regionalversammlung der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) in Duisburg.

Kirche müsse sich wieder mehr den Menschen öffnen, die am Rande stehen. Das hatten am Vormittag auch Fachleute aus Kirche und Diakonie bei einer Podiumsdiskussion verlangt.

"Kirchengemeinden müssen sich für ihren Stadtteil öffnen, sonst sterben sie aus." Diese deutlichen Worte fand Stephan Kiepe-Fahrenholz, Leiter des Diakonischen Werkes Duisburg, zu Beginn des zweiten Tages der Thematischen Konferenz der Deutschen Regionalversammlung der VEM. Wo Christen in der Minderheiten seien wie in vielen Gemeinden des Ruhrgebiets, sei ein Beharren allein auf der Kerngemeinde kein Zukunftsmodell.

Keiner kam mehr

Diakon Harald Würges erzählte von der Evangelischen Kirchengemeinde Niedergirmes in Wetzlar, die sich vor 14 Jahren für den Stadtteil öffnete. "In die Gemeinde kam so gut wie keiner mehr." Die Gemeinde stieg in die Tafel-Arbeit ein, lud Menschen zur Mitarbeit ein, die sonst abgeschrieben waren . "Uns war wichtig, dass wir ihre Ressourcen wahrnehmen." Einfach war der Perspektivwechsel nicht. Es gab Proteste und sogar Kirchenaustritte. Würges fragt sich bis heute, ob man die Bestandsgemeinde mehr hätte mitnehmen müssen. "Aber wenn da Leute sich freuen, dass sie endlich jemand willkommen heißt, dann können wir ihnen auch nicht sagen: Wartet mal ein Jahr, bis alle damit einverstanden sind."

Endlich wieder Begegnung

Positive Erfahrungen mit der Öffnung in den Stadtteil habe auch die Kirchemngemeinde Gelsenkirchen-Bulmke gemachrt, berichtete Pfarrer Henning Düsselhoff. Ein Mittagstisch und ein Café im Gemeindezentrum, wo sich Senioren und Jugendliche treffen, das sei für seine Gemeinde ein richtiger Schritt gewesen. So werde Gemeinde wieder zu dem Begegnungsort, der sie sein wolle.

Kirchenferne wird vererbt

Auf die Menschen zugehen müsse Kirche, bestätigte Stephan Kiepe-Fahrenholz. Denn kaum jemand von den "Armen" habe noch irgendeine Beziehung zu Kirche. Das sei gar keine neue Entwicklung, sondern schon seit Jahrzehnten zu beobachten. "Kirchenferne wird vererbt." Da habe Kirche sehr viel versäumt, ergänzte Harald Würges. "Wir sind sehr lange nicht auf diese Menschen zugegangen. Dabei könnten wir so viel von ihnen lernen."

Eindrücke von der Thematischen Konferenz finden Sie in der Bildergalerie

15. März 2014, www.vemission.org

  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks