Aktuelle Termine


Das Alte Testament lesen
1. September 2016
Vortrag und Gespräch mit Landessuperintendent Dietmar Arends im Haus Münsterberg


Gott im Angesicht der anderen entdecken
3. September in Hannover
Studientagung mit Rev Bev Thomas, Birmingham UK
zum rassismuskritischen Lernen


Gottesdienst zum Belhar-Bekenntnis
In der Kirche in Spork am Sonntag, 11. September um 17 Uhr
Kreis Lippe/Dörentrup. Die Lippische Landeskirche und die ev.-ref. Kirchengemeinde Spork-Wendlinghausen laden zu einem besonderen Gottesdienst mit anschließendem Beisammensein am Sonntag, 11. September, um 17 Uhr in die ev.-ref. Kirche in Spork ein.


Renaissance-Humanismus, Bibel und Reformbewegungen des 15. und 16. Jhds. und ihre Bedeutung für das Werden der Reformation
14. bis 16. September 2016: Internationale Konferenz in der Johannes a Lasco Bibliothek Emden
Internationale Tagung der Johannes a Lasco Bibliothek, Emden zum Jubiläum des Novum Instrumentum 1516-2016 von Erasmus von Rotterdam.
Organisiert im Rahmen des RefoRC-Programms


Gottesdienstbausteine Faire Woche und Erntedank 2016
Bausteine für Gottesdienste und Andachten in der Woche vom 16. bis 20. September
Zum Download auf brot-fuer-die-welt.de


350 Jahre Evangelisch-reformierte Gemeinde Lübeck
18. September, 14 Uhr: Festgottesdienst
Predigt: Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher, Evangelisch-Reformierte Kirche
Musik: Kantate von Felix Mendelssohn-Bartholdy, vorgetragen vom Kammerchor der Musikschule der Gemeinnützigen


Interkulturelle Woche 2016: Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt
25. September bis 1. Oktober 2016
Kirchen veröffentlichen Gemeinsames Wort zur Interkulturellen Woche 2016


J. F. Gerhard Goeters-Preis 2016
Einsendeschluss: 1. Oktober 2016
Die Gesellschaft für die Geschichte des reformierten Protestantismus e.V vergibt im Rahmen ihrer „Zehnten Internationalen Emder Tagung zur Geschichte des reformierten Protestantismus“ vom 19. - 21. März 2017 den J.F. Gerhard Goeters-Preis in Emden (Ostfriesland).


Einfach frei – nicht nur am 31. Oktober 2017
Die westfälische Landeskirche auf dem Weg zum 500-jährigen Reformationsjubiläum
Westfalen. Mit der Kampagne »Einfach frei« nimmt die Evangelische Kirche von Westfalen den einmaligen Feiertag am 31. Oktober 2017 zum Anlass, die aktuelle Bedeutung der Reformation vor 500 Jahren zu unterstreichen.


Renaissance and Reformation: German Art in the Age of Dürer and Cranach
November 2016 bis Ende März 2017 in Los Angeles, Kalifornien
Meisterwerke der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München zu Gast im Los Angeles County Museum of Art


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Reinhard Hempelmann: 75 Jahre Barmer Theologische Erklärung

''Die Auseinandersetzung mit den 'Geistesmächten', den religiösen und säkularen Strömungen der Gegenwart, ist eine bleibende Aufgabe kirchlichen Handelns.''

Dr. Reinhard Hempelmann, EZW-Referat Grundsatzfragen, Strömungen des säkularen und religiösen Zeitgeistes, pfingstlich-charismatisches Christentum

Dr. Reinhard Hempelmann vom Referat für Grundsatzfragen der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), schreibt im EZW-Newsletter 5/2009 zu den Barmer Thesen und was sie uns heute zu sagen haben.

75 Jahre Barmer Theologische Erklärung

Die am 31. Mai 1934 einmütig von 139 Verantwortungsträgern aus 25 Landes- und Provinzialkirchen Deutschlands verabschiedete Barmer Theologische Erklärung (BTE) brachte in einer konkreten geschichtlichen Situation und jenseits konfessioneller Differenzen zum Ausdruck, wozu die evangelische Kirche Ja und wozu sie Nein sagen muss, wenn sie christliche Kirche bleiben will. So war die BTE mit ihren sechs Bekenntnis- und Verwerfungssätzen, denen jeweils ein Wort aus dem Neuen Testament vorangestellt ist, das geistige Widerstandszentrum gegen die Gleichschaltung der Kirche mit der nationalsozialistischen Ideologie.
"Zum ersten Male seit der Reformation kamen die Protestanten Deutschlands auf dem Boden ihres gemeinsamen Erbes von 'Schrift und Bekenntnis' zusammen und sagten ein bekennendes Wort, von dem sie überzeugt waren, dass Gott es ihnen in den Mund gelegt hatte" (Joachim Beckmann).

Das Zentrum des christlichen Glaubens und des kirchlichen Lebens wird in der BTE in pointierter und einprägsamer Sprache erinnert.
These 1 nimmt Bezug auf die Geltung des ersten Gebotes. Jesus Christus als "das eine Wort Gottes" schließt andere "Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung" aus.

These 2 weist darauf hin, dass Gottes vergebender Zuspruch in Christus sich nicht von seinem Anspruch "auf unser ganzes Leben" trennen lässt. Christsein ist eine persönliche, aber keine private Angelegenheit. Zum christlichen Leben gehört öffentliche Verantwortung, die nicht unter einer christusfremden Eigengesetzlichkeit steht.

Die Thesen 3, 4 und 6 ziehen daraus Konsequenzen für kirchliches Leben: In ihrer Botschaft und Ordnung darf sich die Kirche nicht von dem "Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen" bestimmen lassen. Sie ist die "Gemeinschaft von Brüdern (und Schwestern), in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt". In ihren Ämtern und Diensten ist die Kirche missionarische und diakonische Kirche, die "die Botschaft von der freien Gnade Gottes" an "alles Volk" ausrichtet.

Nach These 5 darf der Staat nicht blinde Unterwerfung verlangen und "die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden". Vielmehr ist es sein Auftrag, "in der noch nicht erlösten Welt ... unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen".

Die BTE erinnert Theologie und Kirche an ihren zentralen Auftrag, Jesus Christus in Wort und Tat zu bekennen. Zu diesem Auftrag gehört auch, was die Bibel "Unterscheidung der Geister" nennt. Unterscheidungen schaffen Räume und markieren Grenzen. Die BTE war die Antwort der Bekennenden Kirche auf die Vereinnahmung der Kirche durch den Nationalsozialismus. Sie markierte eine Grenze und sprach dem damaligen Kirchenregiment die Legitimation ab. Heute leben wir in einem Rechtsstaat, der auf der Anerkennung der Menschenrechte beruht und als Staat an keine Religion oder Weltanschauung gebunden ist, der vielmehr unterschiedlichen Überzeugungen Freiheits- und Gestaltungsräume eröffnet. Zugleich wird von jeder Religion und Weltanschauung erwartet, dass sie frei von staatlichem Zwang und politischer Gewalt ist. Der religiöse Pluralismus einer demokratischen Kultur lebt allerdings von gemeinsamen Werten und einem gemeinsamen Rechtsbewusstsein, dessen Bewahrung nicht automatisch geschieht und auch abhängig ist von den religiösen Verwurzelungen des Rechts und der Moral.

Die christlichen Kirchen müssen sich heute mit beidem auseinandersetzen: Religionsfaszination und Religionsdistanz, Säkularisierung und Revitalisierung der Religion, Relativierung und Fundamentalisierung religiöser Wahrheit. In einem durch tiefgreifende Distanz zu allem Religiösen geprägten Umfeld wird deutlich, dass es nicht nur fesselnde und krankmachende Ausdrucksgestalten von Religion (auch der christlichen Religion) gibt. Auch gesteigerte Formen des Säkularismus können etwas Gewaltsames an sich haben. In säkularisierten und pluralistisch geprägten Gesellschaftssystemen der westlichen Welt ist es an der Zeit, auch darüber in eine Diskussion einzutreten, welche Folgen der heute vielfach beobachtbare Verlust an religiöser Orientierung für das Leben des Einzelnen sowie das Rechtsbewusstsein und die Werteorientierung in der Gesellschaft hat.

Die Auseinandersetzung mit den "Geistesmächten", den religiösen und säkularen Strömungen der Gegenwart, ist eine bleibende Aufgabe kirchlichen Handelns, die unter dem Begriff Apologetik zusammengefasst wird. Es gibt Situationen, in denen das Bekenntnis des Glaubens Widerstand und Unterscheidung beinhaltet. Menschenverachtende Ideologien, Versektungsprozesse religiöser Gemeinschaften, die Verharmlosung von Leiden, Sterben und Tod fordern zu Kritik und Protest heraus. Am Umgang mit den Grenzen des Menschen scheiden sich die Geister. Dienlich ist es dem Menschen, wenn er ein Wissen von seinen Grenzen behält, den Träumen vom Paradies auf Erden widersteht, seine eigenen Möglichkeiten gestaltend nutzt, sie aber von dem unterscheidet, was allein Gott tun kann.

Die Konzentration der BTE auf den zweiten Glaubensartikel hinterfragt die Christusvergessenheit kirchlicher Praxis und theologischer Reflexion. Was heißt es, Jesus Christus als "Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden" und "mit gleichem Ernst" als Gottes kräftigen "Anspruch auf unser ganzes Leben" wahrzunehmen? Diese Frage wird unzureichend beantwortet, wenn Jesus Christus vor allem als Vorbild, als vollkommenes Geschöpf Gottes verstanden, und eingeordnet wird in die lange Reihe prägender religiöser Gestalten. Christen denken, verstehen und bekennen Gott jedoch nicht ohne Jesus Christus und Jesus Christus nicht ohne Gott.

Dr. Reinhard Hempelmann
EZW-Referat Grundsatzfragen, Strömungen des säkularen und religiösen Zeitgeistes, pfingstlich-charismatisches Christentum

Quelle: EZW-Newsletter Mai 2009; Internetseite der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW):
http://www.ekd.de/ezw/index.php

 


Quelle: EZW-Newsletter 5/2009 (Dr. Friedmann Eißler, Marion Löfflmann) / bearb.: Barbara Schenck
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Infos und Materialien zum ''Barmer Bekenntnis'' auf einen Blick