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Steinmeier: Mein Glaube darf nicht selbst zum Gegenstand der Politik werden.

Der Außenminister hat die reformierte Gemeinde in Nürnberg besucht

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem Vortrag in der St. Klara Kirche (Foto: Georg Rieger)

Anlässlich einer Besichtigung der verbrannten St. Martha Kirche hielt der reformierte Politiker eine Grundsatzrede zum Verhältnis von Reformation und Politik und sparte nicht mit theologischen und aktuellen Bezügen.

Dass Frank-Walter Steinmeier die Gelegenheit wahrgenommen hat, die im Juni verbrannte St. Martha Kirche zu besuchen, war schon Anlass für einiges Erstaunen. Obendrauf nutzte er am 2. Februar die Gelegenheit, seine ganz persönliche Herangehensweise an die Verbindung von Religion und Politik darzulegen. Pfarrer Dieter Krabbe ahnte wohl schon, was kommen würde, und begrüßte den Außenminister damit, dass dieser heute doch mal "im Auftrag des Herrn" unterwegs sei. Aber es war dann wohl doch eher der evangelisch-reformiert verwurzelte Politiker, der zu etwa 350 Gemeindemitgliedern und Gästen sprach.

Am Anfang sprach er - ausgehend von der gerade besichtigten Ruine und dem Zusammenkommen in der gegenüberliegenden katholischen Kirche - die besondere ökumenische Situation in Nürnberg an und nannte sie ermutigend für ihn als Politiker, der täglich an solchen versöhnlichen Verbindungen arbeite. Und genau diese Arbeit, die wir ja normalerweise nur sehr ausschnittsweise in Nachrichten, Zeitungen und Berichten verfolgen, bekam an diesem Nachmittag Kontur.

Steinmeier ist Mitglied der reformierten Bethlehemsgemeinde in Berlin und dort auch aktiv. Und wenn er ins Außenministerium gehe, gäbe er seinen Glauben nicht an der Garderobe ab, sagt er. Sein Glaube sei ihm ein Kompass, aber kein Navi. Das ist eine feine Unterscheidung, die er aber durch verschiedene andere Aussagen nachvollziehbar macht. Biblisch begründet Steinmeier seine Haltung durch den kurzen Satz im ersten Petrusbrief (2,17) "Ehret jedermann!". Er sieht die Grunderkenntnis der Reformation, dass der Mensch nicht für sein Seelenheil sorgen muss, als Befreiung zum politischen Handeln. Und politisches Handeln bedeute eben Verantwortung für alle Menschen zu übernehmen, nicht nur für solche, die einem genehm seien.

In diesem Zusammenhang kommt der SPD-Politiker immer wieder auch auf Pegida und die jüngst wieder ermitelten Ängste der Deutschen zu sprechen. Der Grund aller Intoleranz, jeden Hasses und oft eben auch der Gewalt seien die vermeintlich einfachen Lösungen, die von Bewegungen, aber eben auch religiös motivierten Extremisten angeboten würden. Und gemeinsam sei diesen immer auch die Überzeugung: Die Anderen sind an allem schuld!

Außenminister Steinmeier begründet auch die Waffenlieferungen in den Irak und mahnt die Friedensengagierten, nicht Prinzipien zu folgen, sondern sich in Situationen hinein zu versetzen. In diesem Fall habe die Abwägung zwischen der Befürchtung, was künftig mit diesen Waffen geschehe, und der konkreten Bedrohung der Kurden bestanden. Steinmeier zitiert ein Gedicht Bonhoeffers als Leitlinie: „Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen; nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen; nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit!“

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