Reclaiming Jesus - Ein Bekenntnis gegen Trumps 'America First'

Der Prediger von Schloss Windsor ist Initiator eines Textes im Geiste der Barmer Erklärung

Quelle: reclaimingjesus.org (bearbeitet)

Der oberste Bischof der Anglikanischen Kirche der USA und Vertreter/innen anderer Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Hochschulen erheben ihre Stimmen gegen die Politik der Ausgrenzung und rufen zu einer Kerzenandacht vor dem Weißen Haus auf.

Am Donnerstag nach Pfingsten, am 24. Mai, wird es das Gebet und die Kerzenandacht vor dem weißen Haus in Washington geben. In dem Zusammenhang soll das Bekenntnis „Reclaiming Jesus“ übergeben werden.

Einer der Initiatioren ist der anglikanische Bischof Michael Curry aus Chicago, der am Samstag vor Pfingsten die beeindruckende Predigt im Rahmen der Hochzeit von Harry und Meghan gehalten hat.Weitere Unterzeichnende kommen aus der methodistischen, katholischen und reformierten Kirchen, sowie aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften.

Eine offizielle deutsche Übersetzung gibt es bisher nicht. Die folgenden Ausschnitte stammen aus einer Übersetzung von Marcus Tesch, Pfarrer der EKiR:

Wir glauben, dass die Seele unseres Landes und die Integrität des Glaubens auf dem Spiel stehen. (... und ...) dass es an der Zeit ist, unsere Theologie des öffentlichen Glaubens und Zeugnisses zu erneuern. (...)

Darum folgen nun unsere sechs Bekenntnisse dessen, was wir glauben und die sich daraus ergebenden Ablehnungen verschiedener Handlungen und Konzepte politisch verantwortlicher Kräfte, die auf gefährliche Art und Weise die Seele unseres Landes verderben und die öffentliche Integrität unseres Glaubens bedrohen.

 

I. WIR BEKENNEN: Jedes menschliche Wesen wurde geschaffen als ein Ebenbild Gottes (Genesis 1,26). (...) Wir gehören zur weltweiten Gemeinschaft Christi. Das hält uns davon ab, irgendeine Form des Rassismus zu tolerieren.

DARUM VERWERFEN wir das Aufleben eines weißen Nationalismus und Rassismus an verschiedenen Enden unseres Landes, einschließlich an den höchsten Orten der politischen Führung. (...) Außerdem nennen wir alle Lehren oder politische Aussagen eine gesellschaftliche Sünde, die rassistische Vorurteile, Ängste und Sprache benutzt (...).

 

II. WIR BEKENNEN, dass wir ein Leib sind. In Christus gibt es keine Benachteiligung, die sich auf Rasse, Geschlecht, Identität oder Klasse bezieht (Galater 3,28). Der Leib Christi ist ein Vorbild für den Rest der Gesellschaft (...).

DARUM VERWERFEN wir Frauenverachtung, Misshandlung, Gewalt, sexuelle Belästigung und jede Form der Übergriffe und Angriffe auf Frauen, die in unserer Gesellschaft und Politik bekannt geworden sind, selbst in unseren Kirchen; aber darüber hinaus auch jegliche Benachteiligung eines jeden anderen Kindes Gottes. (...)

 

III. WIR BEKENNEN: Wie wir die Hungrigen und Durstigen, die Nackten, die Fremden, die Kranken und die Gefangenen behandeln, so behandeln wir Christus selbst. (Matthäus 25,31-46). (...) Wenn wir Jesus Christus als den Herrn verkündigen, steht unsere Solidarität mit den Schwächsten auf dem Spiel. Wenn unser Evangelium keine „Gute Nachricht für die Armen“ ist, dann ist es nicht das Evangelium Jesu Christi (Lukas 4,18)

DARUM VERWERFEN wir die Sprache und Politik aller politischen Verantwortlichen, die die schwächsten Kinder Gottes erniedrigen und im Stich lassen. Wir bedauern aufs Äußerste die zunehmenden Angriffe auf Einwanderer und Geflüchtete, die als ein gesellschaftliches und politisches Ziel missbraucht werden. (...) Die Armen zu schützen, gehört zu den zentralen Verpflichtungen in der Nachfolge Jesu. Allein 2000 Verse der Bibel bestätigen dies.

 

IV. WIR BEKENNEN, dass Wahrhaftigkeit im persönlichen wie im öffentlichen Leben von zentraler moralischer Bedeutung ist. Die Wahrheit auszusprechen steht im Zentrum der prophetischen Tradition der Bibel (...)

DARUM VERWERFEN wir die Praxis und das System der Lüge, die in unser politisches und bürgerliches Leben eindringt. (...) Dass Lügen zur Normalität werden, hat eine gravierende moralische Gefahr für das gesellschaftliche Miteinander zur Folge.

 

V. WIR BEKENNEN, dass Christus nicht gekommen ist, um zu herrschen, sondern um zu dienen. (...) Wir sind der Überzeugung, dass unsere gewählten Vertreter zum Dienst an der Öffentlichkeit berufen sind, nicht dazu, Macht über die Öffentlichkeit auszuüben. (...)

DARUM VERWERFEN WIR jeden Schritt in Richtung einer autokratischen politischen Führung und einer autoritären Herrschaft. Wir sind überzeugt, dass eine autoritäre politische Führung eine theologische Gefahr ist, die die Demokratie und das Gemeinwohl bedroht – und wir werden ihr widerstehen. (...)

 

VI. WIR BEKENNEN, dass Jesus uns befohlen hat, in alle Welt zu gehen und die Menschen zu seinen Jüngern zu machen (Matthäus 28,18). Unsere Kirchen und unsere Länder sind Teil einer internationalen Gemeinschaft, deren Interessen immer über die Landesgrenzen hinausgehen. (...)

DARUM VERWERFEN WIR die Formulierung „America first“ als eine theologische Irrlehre für Nachfolger Christi. (...)

Wir haben es dringend nötig, in einer moralischen und politischen Krise wieder die Kraft des Bekenntnisses unseres Glaubens zu entdecken. Klagen, bereuen und dann ausbessern. (...)

 

Hier verschiedene Links zu der Veröffentlichung von Reclaiming Jesus:

Homepage mit dem Text und verschiedenen weiteren Links

Video, in dem Kirchenvertreter/innen den Text vorstellen

Reclaiming Jesus - vollständiger Text mit Einleitung

Reclaiming Jesus - Zusammenfassung auf einer Seite

Reclaiming Jesus - deutsche Übersetzung als PDF (Marcus Tesch)

Übersetzung des gesamten Textes von Marcus Tesch (auf Facebook)

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