Die Reformation in Lippe (1538)

Aufbruch in eine neue Kirchenzeit


Erlöserkirche am Markt in Detmold, vormals Vituskirche © Merete/Wikicommons

Die Kirchenordnung von Cappel markiert den Beginn einer tiefgreifenden religiösen und gesellschaftlichen Neuordnung in der Lippischen Landeskirche.

1538 – ein entscheidendes Jahr für die Reformation in Lippe. In dieser Zeit vollziehen sich tiefgreifende Veränderungen in Kirche und Gesellschaft. Europa ist geprägt von politischen Spannungen, religiösen Konflikten und dem Ringen um neue Formen des Glaubens. Auch in der Grafschaft Lippe werden diese Entwicklungen spürbar.

Die reformatorischen Gedanken Martin Luthers waren in Lippe bereits bekannt, doch Graf Simon V. konnte sich ihnen zunächst nicht anschließen. Er blieb bis zu seinem Tod der alten Kirche verbunden. Anders entwickelte sich die Situation in den Städten, besonders in Lemgo. Dort fanden reformatorische Schriften früh Verbreitung, und die evangelische Predigt gewann zunehmend Anhänger. Die Bürger suchten nach einer erneuerten Ausrichtung des Glaubens, nach einer stärkeren Orientierung an der Heiligen Schrift und nach einer verständlichen Verkündigung in deutscher Sprache.

In den Jahren 1537 und 1538 wurde auf verschiedenen Landtagen über die Einführung der Reformation und eine neue kirchliche Ordnung beraten. Dabei mussten die lippischen Verantwortlichen zwischen unterschiedlichen politischen Interessen vermitteln: zwischen dem hessischen Hof in Kassel, den Bischofssitzen in Paderborn und Köln sowie den Erwartungen von Kaiser und Reich.

Schließlich wurde auf dem Landtag in Cappel im August 1538 eine neue Kirchenordnung beschlossen. Die Ritterschaft bekannte sich dazu, am Wort Gottes und an der evangelischen Lehre festzuhalten. Auch mehrere Städte schlossen sich diesem Weg an. Die neue Ordnung, deren wesentlicher Autor Johann Tiemann aus Amsterdam war, wurde anschließend von führenden Reformatoren in Wittenberg geprüft und bestätigt.

Damit war der entscheidende Schritt getan: Die Bindung an die mittelalterliche Kirche war faktisch gelöst, und Lippe wurde evangelisch. Die Umsetzung der Reformation blieb jedoch ein längerer Prozess. Erst nach und nach veränderten sich kirchliche Strukturen, das Leben der Gemeinden und das Verständnis des Glaubens. Die Ereignisse von 1538 markieren deshalb weniger einen einzelnen Abschluss als vielmehr den Beginn einer nachhaltigen kirchlichen Neuordnung in Lippe.


Gerrit Noltensmeier/RB