''Haltet Frieden untereinander!''

Zur Dekonstruktion der ''christlichen'' Kriegsrhetorik der Trump-Regierung


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Die sich eine christliche Legitimation zu geben versuchende Kriegsrhetorik der aktuellen US-Regierung unter Präsident Donald Trump erweist sich bei genauerer Betrachtung als in höchstem Maße unchristlich.

Während eines monatlich im Pentagon stattfindenden christlichen Gebetsgottesdienstes am 25. März 2026 – inmitten der US-Kriegsschläge gegen den Iran –, bat Donald Trumps ‚Kriegsminister‘ Pete Hegseth „Gott, der unsere Hände für den Krieg und unsere Finger für den Kampf schult“, die „Zähne der Gottlosen zu brechen“, „ihre Gebeine der Schlachtung zu überlassen“ und den US-Soldaten „überwältigende Gewalt im Handeln gegen diejenigen zu geben, die keine Gnade verdienen“, während er „Vertrauen in den machtvollen und mächtigen Namen Jesu Christi, des Königs über alle Könige“ bekundete.

Dieses „Gebet“ steht im Widerspruch zu den im Neuen Testament überlieferten Worten Jesu Christi, wonach die Menschen dazu aufgerufen sind, „Frieden untereinander“ zu halten (Markus 9,50, ZÜ). Ebenso unchristlich ist es, anderen Menschen abzusprechen, Gnade zu verdienen, denn Jesus Christus zufolge wird „jede Sünde [...] den Menschen vergeben werden“ (Matthäus 12,31, ZU). Der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli (1484–1531) betonte diesbezüglich, es gebe „keine so schwer wiegende Sünde, die bei Gott nicht Gnade fände“.

Vor dem Hintergrund der genannten Jesusworte erscheint es besonders problematisch, dass Hegseth auf einer Pressekonferenz zur ‚Operation Epic Fury‘ am 8. April 2026 im Pentagon postulierte, die US-Bombardements auf den Iran seien mit göttlichem Segen und Schutz erfolgt:

„Unsere Truppen, unsere amerikanischen Krieger, verdienen die Anerkennung für diesen Tag. Aber Gott gebührt alle Ehre. Zehntausende Einsätze, Betankungen und Angriffe, durchgeführt unter dem Schutz der göttlichen Vorsehung. Eine gewaltige Anstrengung mit wundersamem Schutz. Dude 44 Bravo sprach für uns alle: Gott ist gut.“

Um diese „christliche“ Kriegsrhetorik der Trump-Regierung zu dekonstruieren, lohnt eine Lektüre der vom Friedensnobelpreisträger Martin Luther King (1929–1968) am 4. April 1967, genau ein Jahr vor seiner Ermordung, in der Riverside Church in New York gehaltenen Rede „Beyond Vietnam“, in der er unter anderem erklärte:

„Und ich kann nicht vergessen, dass der Friedensnobelpreis auch ein Auftrag war, ein Auftrag, mich stärker als je zuvor für die ‚Brüderlichkeit der Menschen‘ einzusetzen. Dies ist eine Berufung, die mich über nationale Bindungen hinausführt, doch selbst wenn es sie nicht gäbe, müsste ich dennoch mit der Bedeutung meines Bekenntnisses zum Wirken Jesu Christi leben.

Für mich ist der Zusammenhang zwischen diesem Dienst und der Friedensstiftung so offensichtlich, dass ich mich manchmal über diejenigen wundere, die mich fragen, warum ich mich gegen den Krieg ausspreche. Könnte es sein, dass sie nicht wissen, dass die frohe Botschaft für alle Menschen bestimmt war – für Kommunisten und Kapitalisten, für ihre Kinder und unsere, für Schwarze und Weiße, für Revolutionäre und Konservative?

Haben sie vergessen, dass mein Dienst im Gehorsam gegenüber dem Einen steht, der seine Feinde so sehr liebte, dass er für sie starb? Was kann ich dann als treuer Diener dieses Einen zu den Vietcong oder zu Castro oder zu Mao sagen?

Kann ich ihnen mit dem Tod drohen oder muss ich nicht mein Leben mit ihnen teilen? Und schließlich, während ich versuche, euch und mir selbst den Weg zu erklären, der von Montgomery an diesen Ort führt, hätte ich das Wesentliche am besten ausgedrückt, wenn ich einfach gesagt hätte: Ich muss meiner Überzeugung treu bleiben, dass ich mit allen Menschen die Berufung teile, ein Sohn des lebendigen Gottes zu sein.“

Ein Jahr vor Kings Antivietnamkriegsrede hatte der Schweizer evangelisch-reformierte Theologe Karl Barth (1886–1968) in einem Brief vom 16. März 1966 der gerade gegründeten, westdeutschen, rechten Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ vorgehalten, dass ihr Bekenntnis zu Jesus Christus ein „totes, billiges“ Bekenntnis sei, wenn es nicht eine klare Haltung „gegen den Krieg und die Kriegführung der mit Westdeutschland verbündeten Amerikaner in Vietnam“ einschließe.


Thomas Tews