'Mögen wir aus der Erfahrung für heute lernen'

450 Jahre Emder Synode - Festakt zum Jubiläum


Die Festrede hielt Prof. Dr. Irene Dingel, Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz

Zum Festakt sprachen Kirchenpräsident Martin Heimbucher, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), Irene Dingel (Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz) Jeannette Galjaard (Vizepräsidentin der protestantischen Kirche in den Niederlanden), EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm, sowie Tim Kruithoff, Oberbürgermeister der Stadt Emden.

Vor 450 Jahren versammelten sich in Emden 29 Kirchenälteste und Pastoren aus niederländischen Flüchtlings- und Untergrundgemeinden. Sie berieten, wie sie unter dem Druck von Verfolgung ihr reformatorisches Gemeindeleben und den Zusammenhalt über Landesgrenzen hinweg organisieren konnten. Dieses Zusammentreffen im Oktober 1571 ist als „Emder Synode“ in die Kirchengeschichte eingegangen. Aus Anlass des Jubiläums luden die Stadt Emden und die Evangelisch-reformierte Kirche am 10. Juni 2021 zu einem Festakt in der Johannes a Lasco Bibliothek nach Emden ein - die Veranstaltung wurde per Livestream übertragen.

Kirchenpräsident Martin Heimbucher betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Emder Beschlüsse bis heute: Das Subsidiaritätsprinzip etwa bilde die "Grundstruktur eines demokratischen föderalen Staates - auch einer Staatengemeinschaft wie der europäischen Union". Der Trend zu mehr Beteiligung zeige sich in der Geschichte nach Emden immer wieder, etwa in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten oder auch den Bürgerrechten Französische Revolution.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sagte, das Anliegen der Verfolgten von damals sei heute noch aktuell: "Zusammenhalt stiften, Unabhängigkeit der Gemeinden stärken. Er erinnerte an die Barmer Theologische Erklärung, mit der sich Kirche gegen Vereinnahmung gewehrt habe. Emden stehe für "Unabhängigkeit um der Gemeinsamkeit willen".

In ihrer Festrede sprach Irene Dingel, Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz, über Emden als Erinnerungsort des reformierten Protestantismusman. Zwar seien die historischen Räumlichkeiten nicht erhalten, zu sehen seien allerdings bis heute Verbindungslinien der Emder Beschlüsse bis hin zu Menschenrechten in der Demokratie: Hier zeige sich ein "Weg von Emden zu einem freiheitlichen Europa".

EKD-Ratspräsident Heinrich Bedford-Strohm gratulierte im Namen der EKD zum Jubiläum der Emder Synode: "Am Beispiel Emden vor 450 Jahren sieht man, wie das Ankommen und das Willkommen zur Blüte dieser Stadt auch anderswo am Rhein und in der Pfalz beigetragen hat." Bedford-Strohm erinnerte auch an die Situation von Flüchtlingen heute: "Mögen wir aus der Erfahrung von Emden für heute lernen."

Jeannette Galjaard, Vizepräsidentin der protestantischen Kirche in den Niederlanden, betonte die internationalen Beziehungen protestantischer Kirchen: "Die Beschlüsse der Emder Synode prägten Strukturen der reformierten Kirchen in der Niederlande bis heute", sagte Galjaard. "Sie verbindet eine große Gruppe von Kirchen miteinander."

Oberbürgermeister Tim Kruithoff erklärte sein Bedauern, dass der Festakt pandemiebedingt nicht mit mehr Besuchern vor Ort in Emden stattfinden konnte - lud gleichzeitig nach Emden zu kommen. Auch Kruithoff betonte die Willkommens- und Flüchtlingsarbeit von Emden früher wie auch heute.

ZUm Jubiläumsjahr der Emder Synode finden 2021 verschiedene Veranstaltungen statt, u.a. am 30. Juni ein Festgottesdienst in der Heiliggeistkirche in Heidelberg. Der Festakt lässt sich in voller Länge auch jetzt noch auf

ansehen.


ime