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Was ist das?

Sünde, Geist, Dreieinigkeit: In unserem Glauben begegnen uns ständig Begriffe, die scheinbar klar sind – deren Kurzerklärung aber gar nicht so leicht fällt.

Was ist das?

Endlichkeit

Dass das Sterben zum Leben gehört, stimmt einerseits. Anderseits ist der Tod auch ganz klar das Ende des Lebens. Das wird immer dann spürbar, wenn jemand nicht nach einem erfüllten Leben stirbt, sondern unerwartet oder durch ein Unglück. 

Zum Lebensende hin entwickelt sich bei den meisten Menschen ein Verhältnis zur eigenen Endlichkeit – erstaunlicherweise sogar bei Kinder, die sterbenskrank sind. Das lässt darauf schließen, dass uns Menschen etwas mitgegeben ist, das uns getrost auf den Tod zugehen lässt.

Überdeckt wird diese Gelassenheit davon, dass wir unser Leben lang so tun, als gäbe es dieses Ende nicht und wir könnten uns doch irgendwie unsterblich machen. Gerne möchten wir in Erinnerung bleiben – sei es durch Materielles, das wir vererben, oder durch unsere Persönlichkeit, indem wir nachhaltig Eindruck hinterlassen.

Die eigene Endlichkeit zu akzeptieren scheint also den Gefühlen leichter zu fallen als unserer Vernunft. Was wiederum nicht wirklich verwunderlich ist, weil es eben keinen vernünftigen Grund dafür gibt, dass wir sterben müssen. Der Tod bringt nicht nur unser Leben, sondern auch unseren Intellekt an seine Grenzen. Deshalb schadet der Glaube nicht, der diesen Kreislauf des Lebens für eine Idee Gottes hält; und das Vertrauen, dass es damit seine Richtigkeit hat.


Georg Rieger
Wahrheit

Den Religionen wird generell unterstellt, einen absoluten Wahrheitsanspruch zu haben, den sie mit der Offenbarung ihres Gottes begründen – vergleichbar nur mit politischen Ideologien, die sich zwar auf die Vernunft berufen, aber auch unterschiedliche Wahrheiten für richtig und sehr wichtig halten können. Die grausamsten Kriege fanden nicht aus materiellen Gründen statt, sondern um vermeintlich bessere Ideen zu verbreiten.

Den Drang, anderen die eigene Wahrheit notfalls mit Gewalt näher zu bringen, lässt sich nur auflösen, indem der Begriff anders interpretiert wird: Was wir Menschen für wahr halten, kann immer nur eine Annäherung an das sein, was wirklich wahr ist. Das gilt für die Wissenschaft wie für den Glauben: letztgültigen Einblick haben wir nicht. Diese Begrenzung können wir zwar nur schwer aushalten, sie ist aber eigentlich eine Entlastung: Wir müssen gar nicht für die Durchsetzung einer Idee kämpfen, sondern können uns gelassen der Diskussion stellen, was in dieser oder jener Situation die beste Lösung ist.

Allerdings ist auch festzuhalten, dass es nicht keine Wahrheit gibt. Das würde nämlich der Beliebigkeit Tür und Tor öffnen und es gäbe nur noch Meinungen. Wenn wir also umgangssprachlich von Tatsachen sprechen, sind damit Erkenntnisse gemeint, die nicht nur wahr genannt werden, sondern sich auch in unserer menschlichen Wirklichkeit bewährt haben – nicht unumstößlich, aber auch nicht mal eben so in Abrede zu stellen.


Georg Rieger
Buße

Umgangssprachlich benutzen wir den Begriff gerne für solche Bußen, die eigentlich banal sind: das zunehmende Körpergewicht, die Strafe fürs Zuschnellfahren oder den Kater am Morgen nach der Party. Dass bestimmte Fehlverhalten Folgen haben, hat aber mit Buße genau genommen wenig zu tun.

Denn Buße ist in der Sprache des Glaubens genau das Gegenteil, nämlich ein Bewusstwerden und eine Sinnesänderung: Mein Verhalten war oder ist nicht ok. Ich will etwas ändern und besser machen. Diese Bußfertigkeit kommt nicht automatisch und wird mir nicht auferlegt, sondern kommt aus mir selbst. 

Auch bei dem, was Buße bewirkt, gibt es einen Unterschied: Die Diät kann gelingen, die Punkte in Flensburg werden wieder gelöscht und am nächsten Abend ist der Kopf wieder klar. Die selbsterkannte Schuld wird dagegen nicht getilgt, sondern von Gottes Gnade umfangen. Wir werden nie mehr unschuldig, aber können mit der Schuld leben. Jedenfalls, wenn wir dem Versprechen vertrauen, dass Gott uns nicht danach beurteilt, was wir meinen falsch gemacht zu haben.


Georg Rieger