Buß- und Bettag: Die Blickrichtung wechseln und andere Wege gehen

Präses Schneider und Bischof Ackermann feiern gemeinsam Gottesdienst: 16. November, 19 Uhr im Trierer Dom


Staatlich geschützter, arbeitsfreier Feiertag ist er nur noch in Sachsen, aber kirchlicher Feiertag ist es nach wie vor überall: Der Buß- und Bettag, der in diesem Jahr am morgigen Mittwoch begangen wird, ruft Christinnen und Christen zum Wechsel der Blickrichtung, zur Besinnung und zur Veränderung auf.

So erklärt Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und EKD-Ratsvorsitzender, die Bedeutung des (evangelischen) Feiertags: „Innehalten tut not – und tut gut. Innehalten und das Hasten des Alltags unterbrechen, sich besinnen, wo man steht und wofür man steht: Darum geht es am Buß- und Bettag. Das Evangelium hilft Christenmenschen, einen ehrlichen Blick auf das eigene Leben zu werfen und, wo nötig, umzusteuern.“

„Nie war der Buß- und Bettag so kostbar wie heute, wo wir über Liveticker minutengenau das politische Geschehen in anderen europäischen Ländern verfolgen, wo ein Krisengipfel den nächsten ablöst und die Berichterstattung über die Finanzmärkte zuweilen den Eindruck erweckt, finstere Mächte müssten durch Wohlverhalten gnädig gestimmt werden. Neben diesem Moment des Innehaltens, des Ausatmens, gibt der Buß- und Bettag auch Raum für ehrliche Fragen an uns selbst: Wo habe ich versagt? Wo bin ich anderen etwas schuldig geblieben? Wo habe ich meine eigenen Erwartungen und Maßstäbe nicht erfüllt?“, stellt Präses Schneider fest. Der Buß-und Bettag sei ein wirksames Mittel gegen Resignation. „Wir müssen nicht die Köpfe hängen lassen, im Gegenteil. Im Vertrauen auf Gottes Gnade und seine Bereitschaft, uns zu vergeben, dürfen wir im Gebet seine Nähe suchen. Wir dürfen bei ihm einkehren und von dort gestärkt aufbrechen zur Neugestaltung unseres Lebens und unserer Welt.“

Bischof und Präses diskutieren über den Stand der Ökumene 

Zahlreiche Kirchengemeinden auch in der Evangelischen Kirche im Rheinland laden am Buß- und Bettag zu Abendandachten und -gottesdiensten ein. Ein besonderer Gottesdienst wird um 19 Uhr im Trierer Dom gefeiert. Dieser ökumenische Gottesdienst hat in Trier eine jahrzehntelange Tradition. Den Gottesdienst leiten Präses Nikolaus Schneider und der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann. Präses Schneider wird predigen. Der Gottesdienst steht unter dem Motto „Beim Wort genommen“. Bereits am Nachmittag lädt das Ökumenische Institut für interreligiösen Dialog an der Universität Trier um 16 Uhr zu einem Podiumsgespräch mit Präses Schneider und Bischof Ackermann ein. Dieses findet statt im Gemeindesaal der Pfarrei St. Augustinus (Im Treff, 54296 Trier). Es steht unter dem Thema „Der Stand der Ökumene nach dem Papstbesuch“.

Der erste protestantische Bußtag fand 1532 in der Bedrohung durch die Türkenkriege statt. Danach wurde zu ganz verschiedenen Gelegenheiten zur Buße und zum Beten aufgerufen – ein einheitlicher Buß- und Bettag wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland erst 1934 eingeführt. In unserer Zeit fällt er immer auf den Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Im Jahr 1995 wurde der Buß- und Bettag auf Betreiben der Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als staatlicher Feiertag ersatzlos gestrichen.


Pressemeldung der EKiR, 15. November 2011