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Ein Kapitel der europäischen Reformationsgeschichte
Gemeindeleben: Jubiläumsausstellung zum Oldersumer Religionsgespräch (1526)

Ort des öffentlichen Gesprächs war die Oldersumer Kirche. Die Voraussetzungen waren vor Ort besonders günstig. Das ostfriesische Landesrecht beruhte in wesentlichen Teilen auf gewohnheitsrechtlichen - teilweise vergleichsweise liberalen - Traditionen und Freiheiten. Das machte Ostfriesland zu einem Zufluchtsort für viele Glaubensflüchtlinge. Oldersum wurde damit mit seinem Religionsgespräch im Jahr 1526 zu einem Schausplatz früher konfessioneller Auseinandersetzungen.
Gastgeber war Ulrich von Dornum (1465/66 - 1536), Häuptling von Oldersum. Teilnehmende des Oldersuner Religionsgesprächs kamen nicht nur aus Ostfriesland, sondern auch aus den Niederlanden und anderen Teilen des nordwesteuropäischen Raums. Im Mittelpunkt standen der lutherische Prediger Georg Aportanus (um 1495 - 1530) aus Emden und Laurens Laurensen (um 1495 - 1553), Prior des Jakobiner-Klosters Groningen. Jener legte für das Gespräch fünf Thesen katholischer Glaubensvorstellungen vor. Dabei ging es um zentrale theologische Fragen, etwa die Rolle der Kirche als Mittlerin zwischen Gott und Mensch, der Rolle Marias als Mittlerin zwischen Christus und Mensch sowie das Verständnis des Abendmahls.
Im Anschluss an das Streitgespräch hielt Ulrich von Dornum die Ergebnisse in einer Schrift fest, die er noch 1526 in Wittenberg drucken ließ - als Widerspruch gegen die Behauptung von katholischer Seite: Die hatte zuvor ihre Perspektive dargelegt, wonach sie aus dem Gespräch siegreich hervorgegangen sein. Die Druck zeigt deutliche Einflüsse von evangelisch-reformierten Theolgen wie Ulrich Zwingli, etwa dessen Auslegung des Abendmahls als symbolischen Akt. Die Schrift "Subsidium sive coronis de eucharistia" war nur ein Jahr zuvor entstanden und ist in der Jubiläumsausstellung in der A Lasco-Bibliothek in Emden zu sehen.
Reformatorische Ideen setzten sich im Anschluss in Ostfriesland nicht abrupt durch. Zahlreiche katholische Traditionen blieben zunächst bestehen. Altäre, liturgische Gegenstände und vertraute Formen des Gottesdienstes verschwanden an vielen Orten erst nach und nach. Die historische Kirche von Oldersum ist heute leider nicht mehr erhalten. Dafür sind zahlreiche historische Dokumente in der Ausstellung in Emden zu sehen.
RB
Von ungewöhnlichen Ausstellungen über Seelsorge-Bus bis hin zu Kleidertauschpartys: Der Reformierte Bund kommt zu Besuch und stellt kreative Ideen aus der Praxis vor.



