Endlichkeit
Dass das Sterben zum Leben gehört, stimmt einerseits. Anderseits ist der Tod auch ganz klar das Ende des Lebens. Das wird immer dann spürbar, wenn jemand nicht nach einem erfüllten Leben stirbt, sondern unerwartet oder durch ein Unglück.
Zum Lebensende hin entwickelt sich bei den meisten Menschen ein Verhältnis zur eigenen Endlichkeit – erstaunlicherweise sogar bei Kinder, die sterbenskrank sind. Das lässt darauf schließen, dass uns Menschen etwas mitgegeben ist, das uns getrost auf den Tod zugehen lässt.
Überdeckt wird diese Gelassenheit davon, dass wir unser Leben lang so tun, als gäbe es dieses Ende nicht und wir könnten uns doch irgendwie unsterblich machen. Gerne möchten wir in Erinnerung bleiben – sei es durch Materielles, das wir vererben, oder durch unsere Persönlichkeit, indem wir nachhaltig Eindruck hinterlassen.
Die eigene Endlichkeit zu akzeptieren scheint also den Gefühlen leichter zu fallen als unserer Vernunft. Was wiederum nicht wirklich verwunderlich ist, weil es eben keinen vernünftigen Grund dafür gibt, dass wir sterben müssen. Der Tod bringt nicht nur unser Leben, sondern auch unseren Intellekt an seine Grenzen. Deshalb schadet der Glaube nicht, der diesen Kreislauf des Lebens für eine Idee Gottes hält; und das Vertrauen, dass es damit seine Richtigkeit hat.
Georg Rieger