Gebet
Tagesaktuelles Gebet
Georg Rieger, Nürnberg
Als wärst du / Gott+ / Der Regisseur eines Dramas / Das jedes Jahr neu aufgeführt würde / Als hättest du das alles im Voraus geplant / Fusswaschung am Gründonnerstag und Verrat / Kreuzigung am Freitag / Abstieg in die Unterwelt am Samstag / Auferstehung am Sonntag / Wenn du das geplant hättest und durchgeführt / Dann wärst du nicht unser Gott+ / Der uns mit Liebe begegnet / Sondern einer der sich profilieren will / So bist du nicht / Du bist da / In Leid und Freud mit uns / Immanuel / Und wir sind mit dir / Wenn die Sonne untergeht / Und wenn sie aufgeht / Über allen /
Marianne Reifers, Luxor, Egypt
Allgütiger Gott, / manchmal ist es zum Verzweifeln. / Da wird uns alles zu viel. / Wir machen uns Sorgen um uns selbst / um unsere Lieben, / um die Zukunft unserer Welt / / Wir beten und rufen zu Dir.
Wie oft haben wir das getan? / Und Du hüllst Dich in Schweigen. / Beten wir falsch? / Beten wir das Falsche? / Sind wir die Falschen, die zu Dir rufen? / / Doch woher nähmen wir das Recht, / mit Dir ins Gericht zu gehen?
Aber ist es doch die Hoffnung, / die Du in unser Herz gegeben hast, / die uns zu Dir rufen lässt! / Es ist doch Dein Wort, / dass uns mehr verheißt / als wir heute sehen! / Wir trauen Deinem Wort mehr / als unserer Erfahrung, / wenn wir zu Dir kommen / und beharrlich bitten, / dass Du erscheinst, / dass Du hilfst, / dass Du unsere Hoffnung ansiehst / und aus dem Funken, / der uns manchmal nur noch bleibt / ein neues Feuer schlägst.
Zu Deiner Ehre soll das geschehen / und zu unserem Heil. / Amen.
Jochen Denker, Ronsdorf
Liederschatz 1205,7
Barmherziger Gott, / Du hast schon so viele Karfreitage erlebt / und bist für uns in den Tod gegangen. / War das nicht alles umsonst, / wenn Brüder und Schwestern im Glauben sich zum Hass treiben lassen? / Wenn die Osternacht von Sirenenlärm aufgeschreckt wird? //
»Er ist wahrhaftig auferstanden!« / Lass diesen Ruf auch zu diesem orthodoxen Osterfest erklingen! / Lass ihn die Kriegspropaganda übertönen, / sodass nur einen Augenblick lang eine andere Botschaft im Raum steht: / die Deiner Verheißung vom Ende der Tränen, des Todes, des Leides, des Geschreis und der Schmerzen (Offb 21,4). // Amen
Achim Detmers, Hannover
Jürgen Kaiser, Berlin
RefLit
Marianne Reifers, Luxor, Egypt
Karl Barth (1886-1968)
Sylvia Bukowski, Wuppertal
Liederschatz 1202,2
16. April 2022
Ich zähle die Stunden, Gott, / bis endlich Ostern ist. / Bis endlich wieder das Leben gefeiert werden kann. / Ich zähle die Stunden, Gott, / bis der Stein weg ist, / bis du uns die großen und kleinen Steine von unseren Herzen rollst. / Bis du uns wieder lebendig nahe kommst. / Ich zähle die Stunden, Gott, / bis es endlich wieder hell ist, / bis das Licht des Lebens alle Finsternis verscheucht. / Bis es endlich ein Ende hat mit all der Trauer und den Schmerzen so vieler. / Bis es endlich ein Ende hat mit der Angst, der Gewalt, dem Hass. / Ich zähle die Stunden, Gott, / bin müde vom Zählen, vom Erzählen und Zuhören. / Bin müde vom Hinsehen auf das Kreuz deines Sohnes und den Bildern des Krieges. / Müde, überfordert, schwach. / Kann ich weiter zählen? / Zumindest bis morgen? / Hilf, Gott, denn ich zähle auf dich! /
Carolin Springer, Berlin
Catherine McMillan, Schweiz
RefLit
Ach Gott – mir fehlen die Worte. / Trostversuche klingen verlogen / Argumente prallen gegeneinander / Zukunftsprognosen verschwimmen im Ungewissen / Politische Analysen geraten zur Besserwisserei im Nachhinein. // Ach Gott – mir fehlen die Worte. / Lieder der Vorfahren lassen mich verstummen / Fürbitten bleiben mir im Hals stecken / Gebetsanliegen ersticken in mir. // DENNOCH bleibe ich stets an dir – so lese ich in Psalm 73 // Gott, Gott, Gott – / Stärke dieses DENNOCH in mir. / Sonst bin ich verloren. / AMEN
Gudrun Kuhn, Nürnberg
Ich spüre den Drang auch / Direkt und effektiv helfen zu wollen
Gemischt mit Abenteuerlust und einer kleinen Portion Angst / Sitzt du hinter dem Steuer deines Minibusses / Der Zündschlüssel steckt / Nochmals mentale Kontrolle / Alles ist perfekt / Du drehst den Schlüssel und los / Adrenalin im Blut / Vollgetankt und mit Reserventanks / Du wirst es denen zeigen / Den Russen / Du wirst westliche Hilfsgüter abladen an der Grenze / Und Hilfsbedürftige Frauen und Kinder einladen / Und ab in die Freiheit / Die werden Augen machen ob all dem Luxus / Der auf sie im Westen wartet ja ja ja
Ich habe Verständnis für deine Gedankengänge / Leider sind sie verstopft von Eigenliebe / Darum kehr besser um fahr heim oder fahr in die Ferien
Gott / Wie oft gehen wir uns selber auf den Leim / Meinen es gut nur gut und sind nicht gut / Meinen uns frei und sind gefangen in eigenen Vorstellungen / Befriedigen unser gelangweiltes Leben mit Abenteuer / Auf Kosten von Bedürftigen / Sind sogar Nutzniesser eines Krieges / Lass uns zur Ruhe kommen bei dir / Eintauchen in den Frieden / Und darüber nachdenken / Was wir wirklich bewirken können / Für einen Frieden / In dem die Anderen und wir vorkommen / Amen /
Marianne Reifers, Luxor, Egypt
Georg Rieger, Nürnberg
Lasst uns über diesen Sachen, / Ihr Gemeinen, liebes Volk, / Ein geheiligt Bündnis machen, / Werdet eine Zeugenwolk’! / Lebt im Triebe / Zarter Liebe; / Lasst fas ganze Herz durchsüssen, / Beugt euch zu der Schwestern Füssen.
Liederschatz 1193,9
9. April 2022
Gott, du weißt es ja alles. Denn du kennst uns und siehst uns und leidest mit.
Der Krieg, so nah. Zuerst ihnen. / „Es geht nicht mehr, ihr müsst weg. Ja, auch ohne mich.“ Hastig einige Dinge packen. „Das brauchst du jetzt nicht. Du findest es nicht? Egal!“ / Papiere. Ein Kuscheltier. / Bis gestern ein Zuhause. Jetzt Angst vor Beschuss, Verkehrsstau, Benzinmangel, Stillstand, Einholung, bösen Menschen. / Tage im Gedränge, auf Bahnhöfen. Im Kalten, in endlosen Schlangen. „Wir sind ja bald wieder zu Hause“, sagt die Mutter, / dreht sich und weint.
Vom ganzen Leben bleiben ein kleiner bunter Stadtrucksack und eine Plastiktasche. / Der Krieg, so nah. Und jetzt mit ihnen bei uns. / Frisch bezogene Betten, Plätze am Tisch. Vieles / wird gebracht, ermöglicht. Viel Freundlichkeit. / Aber Zittern und banger Blick bei dumpfen Hammerschlägen im Nachbargarten. / Helle Panik beim Probealarm der Freiwilligen Feuerwehr, dem überfliegenden Verkehrsflugzeug.
Stumm beim Blick auf entsetzliche Bilder und Nachrichten auf dem Handy, kurz zur Seite gezeigt. / Der Arzt in Charkiv, morgens im Video wegen Hilfsgütern gesprochen, ist am Mittag schon nicht mehr zu erreichen. Lauter Einschläge, und so nah. Wenig Verständnis für das, was durchdringt von deutscher Politik. Auf denselben Handys: bunte Wohnungen und Feste, schöne Kinder und Gärten, helle Ferienhäuser und Betriebe. / Wo ist das alles hin? Was wird noch da sein? / Wo sind die am Leben geblieben? Von denen, die schon tot sind? Von denen, die weiter leben? Mit dem, was getan und erlitten wurde?
Gott, du bringst wieder, was vergangen ist, heißt es in der Schrift. / Im großen Kreis, der großen Schale deiner Liebe, Bundestreue und Geduld. Wirklich? Alles? Wie es war? Oder mit / den Schrecken und Verletzungen, aber doch wunderbar geheilt? / Und bis dahin? Auf einander achten. Einige wunderbare Gäste haben. Beieinander Gäste sein. Auch mir, weit im Westen, gehört nichts so ganz allein.
Worte finden, kostbare Worte. Wir lernen langsam. Auch in der anderen Sprache. Den ersten kleinen Trost. Die ersten Bilder einer Hoffnung. / Du holst sie für uns hervor, schon in diesen Kriegstagen. Und wir richten uns auf und strecken uns nach ihnen und folgen ihnen, gerufen, getröstet und ermutigt durch deinen Sohn Jesus Christus und auch zu seiner Ehre. Amen.
(Gott holt wieder hervor, was vergangen ist. Pred 3, 15b / Lasset fahrn, Schwestern und Brüder,/ was euch fehlt,/ was euch / quält;/ ich bring alles wieder! / Paul Gerhardt - EG 36, 5)
Stefan Maser, Kamp-Lintfort
Jürgen Kaiser, Berlin
Wir erinnern uns / Es sollen 10 gewesen sein / Heuschrecken, Blut im Nil, Tod / Eine folgte der nächsten / Bis der ägyptische Pharao nachgab / Das versklavte Volk Israel zog aus / Durchwatete das Meer / Durchwanderte die Wüste / Zog ein ins versprochene Land.
Strafst du jetzt auch mit Plagen / Mit endemischen / Rund um den Erdball / Gott / Wir haben dich entzürnt / Dein Zorn brennt / Virus Corona endlos Schleife / Krieg Hunger Flucht Tod / Unschuldige sind entwurzelt / Schuldige zerbomben Kultur Natur / Vernichten Erinnerungen Beziehungen Hoffnung / Das kann nicht dein Wille sein / Fall dem Todesengel in den Arm / Halt ein
Dein Wille sei das Leben / Wir erinnern dich / Du bist der Ausweg / Du bist wahr / Du bist lebendig / Lass uns nicht im Tod / Wir wollen leben / Achtsam dankbar fröhlich / Jetzt / Hilf allen / jetzt
Marianne Reifers, Luxor, Egypt
Selma Dorn
Du Friedefürst, Herr Jesu Christ // In deinem Leben und Sterben hat Gott Gestalt angenommen / so können wir dir ganz vertrauen / und deinem Geist // Du hast uns nicht versprochen / dass Kriege und Gewalt aufhören werden / dass Lüge und Bosheit verschwinden / dass es leicht sei, in deinen Spuren zu gehen / und wirklich – sie sind zu groß für uns // Darum bitten wir dich / hilf uns, dem Band deiner Liebe zu vertrauen / auch wenn so viel dagegen spricht / hilf uns, im Streit um den richtigen Weg / zu entscheiden / wann wir Nein sagen müssen / und wann wir Kompromisse finden können / hilf uns, im Streit um den richtigen Weg / das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren / dein Gebot der Liebe zu allen Menschen // Du Friedefürst, Herr Jesu Christ // Mach uns klug und stark / um Frieden zu stiften / wo es in unserer Macht steht / mach uns freigebig und hilfsbereit. AMEN
Gudrun Kuhn, Nürnberg
Catherine McMillan, Schweiz
Liederschatz 1188,5
