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Wochenrückblick

9. April 2022

Gott, du weißt es ja alles. Denn du kennst uns und siehst uns und leidest mit.

Der Krieg, so nah. Zuerst ihnen. / „Es geht nicht mehr, ihr müsst weg. Ja, auch ohne mich.“ Hastig einige Dinge packen. „Das brauchst du jetzt nicht. Du findest es nicht? Egal!“ / Papiere. Ein Kuscheltier. / Bis gestern ein Zuhause. Jetzt Angst vor Beschuss, Verkehrsstau, Benzinmangel, Stillstand, Einholung, bösen Menschen. / Tage im Gedränge, auf Bahnhöfen. Im Kalten, in endlosen Schlangen. „Wir sind ja bald wieder zu Hause“, sagt die Mutter, / dreht sich und weint. 

Vom ganzen Leben bleiben ein kleiner bunter Stadtrucksack und eine Plastiktasche. / Der Krieg, so nah. Und jetzt mit ihnen bei uns. / Frisch bezogene Betten, Plätze am Tisch. Vieles / wird gebracht, ermöglicht. Viel Freundlichkeit. / Aber Zittern und banger Blick bei dumpfen Hammerschlägen im Nachbargarten. / Helle Panik beim Probealarm der Freiwilligen Feuerwehr, dem überfliegenden Verkehrsflugzeug.

Stumm beim Blick auf entsetzliche Bilder und Nachrichten auf dem Handy, kurz zur Seite gezeigt. / Der Arzt in Charkiv, morgens im Video wegen Hilfsgütern gesprochen, ist am Mittag schon nicht mehr zu erreichen. Lauter Einschläge, und so nah. Wenig Verständnis für das, was durchdringt von deutscher Politik. Auf denselben Handys: bunte Wohnungen und Feste, schöne Kinder und Gärten, helle Ferienhäuser und Betriebe. / Wo ist das alles hin? Was wird noch da sein? / Wo sind die am Leben geblieben? Von denen, die schon tot sind? Von denen, die weiter leben? Mit dem, was getan und erlitten wurde?

Gott, du bringst wieder, was vergangen ist, heißt es in der Schrift. / Im großen Kreis, der großen Schale deiner Liebe, Bundestreue und Geduld. Wirklich? Alles? Wie es war? Oder mit / den Schrecken und Verletzungen, aber doch wunderbar geheilt? / Und bis dahin? Auf einander achten. Einige wunderbare Gäste haben. Beieinander Gäste sein. Auch mir, weit im Westen, gehört nichts so ganz allein.

Worte finden, kostbare Worte. Wir lernen langsam. Auch in der anderen Sprache. Den ersten kleinen Trost. Die ersten Bilder einer Hoffnung. / Du holst sie für uns hervor, schon in diesen Kriegstagen. Und wir richten uns auf und strecken uns nach ihnen und folgen ihnen, gerufen, getröstet und ermutigt durch deinen Sohn Jesus Christus und auch zu seiner Ehre. Amen. 

(Gott holt wieder hervor, was vergangen ist. Pred 3, 15b / Lasset fahrn, Schwestern und Brüder,/ was euch fehlt,/ was euch / quält;/ ich bring alles wieder! / Paul Gerhardt - EG 36, 5)


Stefan Maser, Kamp-Lintfort