Kein beliebiges Datum

Der erste September ist meteorologischer Herbstanfang, aber vielleicht erinnern sich manche daran, dass da noch etwas anderes war: Der deutsche Überfall auf Polen am 1. September 1939, Beginn des zweiten Weltkriegs. Ausgerechnet diesen Tag wählte die Bundesregierung, um Russlands „Involvierung“ in einen versuchten Anschlag auf den Leipziger Flughafen publik zu machen.

Der 1. September ist in Deutschland kein Tag wie jeder andere. Seit den 1950er Jahren wurde er in der DDR als „Tag des Friedens“ und seit 1957 auch in der Bundesrepublik vor allem von Gewerkschaften und Friedensinitiativen als „Antikriegstag“ begangen. Unter der Losung „Nie wieder Krieg“ finden bis heute Kundgebungen und Veranstaltungen zur Völkerverständigung und -versöhnung statt. 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht davon, „dass wir uns nicht im Krieg befinden“, aber der russische Außenminister Lawrow nennt die deutsche Regierungserklärung den „Beginn eines echten Krieges“. Er vermutet, dass Deutschland eine Kriegserklärung vorbereitet. Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland wurden mit der Schließung der letzten Kulturinstitute und Generalkonsulate schon gekappt. Folgt als nächstes das Ende der diplomatischen Beziehungen?

Wollte Russland wirklich mit der Explosion eines Flugzeugs einen militärischen Gegenschlag riskieren? Ich höre niemanden, der so etwas ausspricht. Die Drohnen mit ihren defekten Sprengsätzen werden zu den „hybriden Angriffen“ gezählt. Das schürt Ängste und lässt den Ruf nach Sicherheit noch lauter werden. Dabei gerät in Vergessenheit, wofür der 1. September steht: „Nie wieder Krieg“.


Paul Oppenheim