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Zuckerkrank
Mittwochskolumne von Paul Oppenheim

Zweifelsohne sind gezuckerte Getränke eine Gefahr für die Gesundheit. Sie führen zu Diabetes und Adipositas. Mich wundert es seit langem, dass auf den Regalen der Supermärkte neben den kalorienreichen Limos kaum zuckerfreie Getränke zu finden sind. Obwohl die Zero-Cola nachweislich zu den beliebtesten Softdrinks in Deutschland zählt, halten sich andere Marken mit zuckerarmen Angeboten zurück. Auch im Restaurant vermisse ich eine Auswahl an zuckerfreien Softdrinks auf der Speisekarte.
Wenn immer mehr Bierliebhaber ganz freiwillig auf alkoholfreies Bier umgteigen, würden doch auch Limofreunde die zuckerarmen Varianten wählen, wenn es nur das Angebot gäbe, und vorausgesetzt der Geschmack wäre in Ordnung. Es hat sich ja herumgesprochen, dass die flüssigen Zuckerbomben gesundheitsschädlich sind, nur werden daraus kaum Konsequenzen gezogen. Es wäre Vieles denkbar, um gerade bei Kindern ein gesünderes Trinkverhalten zu bewirken: In Kitas, Grundschulen, Schulkantinen dürfte es nur noch Wasser zu trinken geben! Kinderärzte müssten Eltern und Lehrkräfte in diesem Sinne aufklären und beraten. Das ginge ganz ohne neue Steuer und noch mehr Bürokratie.
Es ist schon tragisch, dass angesichts der allgemeinen Teuerung Politikern nichts Besseres einfällt, als die Einführung einer Zuckersteuer. Es stimmt zwar, dass schon in vielen anderen Ländern eine Zuckersteuer auf Softdrinks erhoben wird, aber es stimmt auch, dass es nicht dabei bleibt, wenn es den Staat nach noch mehr Einnahmen dürstet. So soll in Frankreich die Steuer auf gezuckerte Getränke jetzt auch auf sämtliche zuckerhaltigen Produkte ausgeweitet werden. Unter dem Vorwand der Gesundheitsvorsorge entsteht eine parallele Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Offensichtlich ist der Durst der Staaten nach immer neuen Steuern unauslöschlich. Der französische Hofprediger Bossuet hielt schon im 18 Jahrhundert seinem König vor, dass „der Staat an seiner Unersättlichkeit zugrunde geht.“
Paul Oppenheim


