Gebet
Tagesaktuelles Gebet
RefLit
Der du am Kreuz erstickt bist
Jesus Judenkönig
Du warst im Ringen um dein Leben allein
Für dich gab es keinen Retter
Gott Hoffnung hatte sich aufgelöst
Dann floss Wasser und Blut aus deiner Seite
Du warst tot
Niemand wagte mehr zu hoffen
Auch die Frauen nicht
Gott Hoffnung lag mit dir im Grab versenkt
Der Ruf: Da ist sie, auferstanden!
Kam unverhofft aus Frauenmund
War so neu wie ein neues Universum
Hat alle durchgeschüttelt
Auf die Beine gestellt
Da stehen wir
Mit offenem Mund
Jesus Lebenskraft
Ein Leben mit Hoffnung
Kabul
Denken wir es an
Marianne Reifers, Luxor Egypt
Grey waters, vast as an area of prayer / that one enters. Daily over a period of years / I have let my eye rest on them. / Was I waiting for something? Nothing / but that continuous waving that is without meaning / occurred. Ah, but a rare bird is / rare. It is when one is not looking / at times one is not there that it comes. / You must wear your eyes out / as others their knees. I became the hermit / of the rocks, habited with the wind / and the mist. There were days, / so beautiful the emptiness / it might have filled, its absence / was as its presence; not to be told / any more, so single my mind / after its long fast, my watching from praying.
R. S. Thomas, Sea Watching 1975
11. September 2021
Hauptversammlung des Reformierten Bundes, das ist sonst: woanders sein, mit anderen als sonst zusammen sein, anderes hören und tun. Diesmal kommt es mitten hinein in Wohnung, Arbeitswoche und Familien zwischen Emden und Israel. / Aber im Gottesdienst läuft ein Band durch alle Bildschirmbildchen, auch durch meins. / Treuer Gott, schenk uns immer wieder die Verbundenheit der Menschen, der Gemeinden, der Solidarität, der Ziele und der Zusagen, die du uns gegeben hast - und die Chancen zum Teilen. / Amen.
Stefan Maser, Hoerstgen
Catherine McMillan, Dübendorf, Schweiz
Jürgen Kaiser, Berlin
Vater im Himmel / um deines Sohnes, dem Christus Jesus, willen auch für uns – Vater und Mutter im Himmel / und anwesend hier und jetzt in deinem Geist
Mit irgendwas zwischen erschrecken und entsetzen hören und sehen wir die Nachrichten / über brennende Wälder und Dörfer, selbst in Sibirien fressen sich die Brände durchs Land. / Kurz vorher, diesmal ganz in unserer Nähe: / Regenmengen, die den Tod bringen. / Wir bitten dich für die Menschen, die mit den Folgen weiterleben müssen. / Aber woher sollen Kraft und Hoffnung kommen? / Wie soll das gehen: aus dem Tod ins Leben?
Nichts war und ist uns mehr heilig, / die Quellen nicht, die Bäume nicht, die Berge nicht und die Menschen auch nicht. / Deine ganze Schöpfung ist entheiligt und heilloser Raubgier vorgeworfen zum Fraß.
Jetzt klagen wir über Feuerstürme und Wasserfluten, / in denen Menschen ersticken und ertrinken / und die alles mitnehmen und vernichten, was das Leben bisher ausmachte und grundierte.
Was muss noch geschehen, bis wir vor deinem Zorn in die Knie gehen? / Was muss noch geschehen, damit uns Augen und Ohren aufgehen / und wir erkennen wozu du uns geschaffen hast: / „das zu tun, was gut und richtig ist“?
(Epheser 2,10, angeregt durch ein Gedicht von Kurt Marti)
Gerhard von der Heyden, Ronsdorf
Ach Gott –
wie schwer ist es doch
unser Denken und Handeln
im Sinne des Kreuzes auszurichten
wo müssen wir uns von Vorurteilen und Vorbehalten lösen
und Verständnis für Andersdenkende zeigen?
wo müssen wir klar und mutig gegen
falsches Reden und Tun aufstehen?
Sei du mit uns.
Wie schwer ist es doch
unseren Glauben
im Sinne des Kreuzes zu leben
wie finden wir das Vertrauen,
dass deine Kraft in der Schwachheit mächtig ist?
wir wünschen uns doch so sehr,
dass das Leid auf der Welt ein Ende findet.
Sei du mit uns
Ach Gott –
Mach uns fähig zu helfen
und uns helfen zu lassen.
Führe uns dahin, wo wir gebraucht werden
Und mach, dass wir zu gebrauchen sind.
Tröste uns,
damit wir andere trösten können.
Und wenn uns am allerbängsten
Wird um das Herze sein,
So reiß uns aus den Ängsten
Kraft deiner Angst und Pein.
AMEN
Gudrun Kuhn, Nürnberg
Marianne Reifers, Luxor Egypt
Let us, with a gladsome mind, / Praise the Lord, for he is kind: // For his mercies aye endure, / Ever faithful, ever sure. // Let us blaze his name abroad, / For of gods he is the God: // He, with all-commanding might, / Filled the new-made world with light: // All things living he doth feed, / His full hand supplies their need: // He his chosen race did bless / In the wasteful wilderness: // Let us then with gladsome mind / Praise the Lord, for he is kind.
John Milton, All Praise to God 1623
4. September 2021
Gott, Vater, Sohn, Heiliger Geist, / Du bist der Wirkliche. / Wir aber werkeln nur. / Darum wissen wir nicht, was gilt. / Uns umspült veröffentlichte Meinung, die wahr zu sein beansprucht / und die doch nur kurzatmig aktuell ist. / Die Not von gestern – heute schon vergessen. / Das Leben in den Hochwassergebieten, die Menschen in Afghanistan, / das Elend im Sudan, im Jemen, in Syrien – verschwunden im Nachrichtenbrei, in dem die Currywurst bei VW, die Demos der Impfverweigerer, / die Rede von Joe Biden und der Einstand von Hansi Flick als / Bundestrainer gleichberechtigt miteinander verrührt sind. / Uns entgleiten die Maßstäbe. / Gewählt wird, wer sich gut darstellt und wer das Glück hat, nicht niederge- / schrieben zu werden. / Wehe dem, der nicht Liebling der Medien ist. / Was gilt? Und wem können wir trauen? / Wir können Dir trauen. Und dafür danken wir Dir. / Darum befehlen wir Dir an: Die schon wieder Vergessenen. Die Übersehenen. / Die, die nicht Schlagzeilen machen. / Sei Du bei ihnen. Und segne alle, die ihnen zu helfen verstehen. / Und wir befehlen Dir unser Land an. Das Land der Dichter und Denker träumt gern. / Gib uns Menschen mit Wirklichkeitssinn. / Amen.
Klaus Bröhenhorst, Hildesheim
Die Wut
Sie überflutete mich wieder
Ich will das nicht
Sie riss mich mit
Und ich schlug das Kind
Heftig
Aus kleinem Anlass
Ich erschrak über mich selber
Bin ich das
Besessen von Wut
Bereit zur Gewalt
Gott ich schäme mich
Und ich hasse die Hand
Die zugeschlagen hat
Meine Hand
Kann ich mir verzeihen
Darf ich mir verzeihen
Sag du ein Wort
Mach meine Seele gesund.
Amen
Marianne Reifers, Luxor Egypt
Jesus, dein Weg ist nicht einzuholen. Meine Nachfolge wie ein Mosaiksteinchen. Ziemlich fehlbar. Ohne die anderen Steinchen des Gesamtbildes kaum sichtbar. Als Teil wird es tragend. Dein Leib – an den ich mich beim teilen erinnere. Und der mich erinnert, an das Ganze Leben, das geheimnisvolle, uneinholbare – das du verschenkst in Fülle.
Kathrin Rehmat, Zürich
Gudrun Kuhn, Nürnberg
Barmherziger Gott,
wir vergleichen uns oft mit anderen
und haben Angst,
selbst zu kurz zu kommen.
Wir brauchen immer mehr von allem,
und kennen kaum noch ein Genug.
Nur selten gelingt es uns,
unseren Geiz zu überwinden,
und spontan großzügig zu sein.
Barmherziger Gott,
du sparst nicht mit Erbarmen.
Befrei uns mit Liebe
aus der ständigen Sorge
um uns selbst.
Fülle unsere ängstliche Seele
reichlich mit Vertrauen zu dir,
und öffne uns Herz und Hand
für die, die uns brauchen.
Sylvia Bukowski, Wuppertal
Meike Waechter, Berlin
Almighty God, / your ascended Son has sent us into the world / to preach the good news of your kingdom: / inspire us with your Spirit / and fill our hearts with the fire of your love, / that all who hear your Word / may be drawn to you, / through Jesus Christ our Lord. / Amen.
Church of England, Prayer 2005, Prayer after Ascension until Pentecost
28. August 2021
Kabul / Unser Leben steht auf dem Spiel. / Es ist brutal. / Vielleicht erreichen wir den Flughafen und einen Platz im Flugzeug / Vielleicht kommen wir um oder ein paar von uns / Das geht nicht auf / Das ist nicht fair / Der herzkranke Vater ist am Ende / Und die Mutter kann nicht alle und alles schleppen / Warum gelingt es den einen und andere werden auseinander gerissen / Warum fliegen die einen in sicherer Obhut / Und die andern verzweifeln ohne Hilfe am Boden / Unsere Heimat ist uns feind geworden / Wir wissen nicht mehr an wen wir uns wenden könnten / Gott hört uns nicht / So bitter allein sind wir / Amen.
Marianne Reifers, Luxor Egypt
Allgütiger Gott,
manchmal ist es zum Verzweifeln.
Da wird uns alles zu viel.
Wir machen uns Sorgen um uns selbst
um unsere Lieben,
um die Zukunft unserer Welt
Wir beten und rufen zu Dir.
Wie oft haben wir das getan?
Und Du hüllst Dich in Schweigen.
Beten wir falsch?
Beten wir das Falsche?
Sind wir die Falschen, die zu Dir rufen?
Doch woher nähmen wir das Recht,
mit Dir ins Gericht zu gehen?
Aber ist es doch die Hoffnung,
die Du in unser Herz gegeben hast,
die uns zu Dir rufen lässt!
Es ist doch Dein Wort,
dass uns mehr verheißt
als wir heute sehen!
Wir trauen Deinem Wort mehr
als unserer Erfahrung,
wenn wir zu Dir kommen
und beharrlich bitten,
dass Du erscheinst,
dass Du hilfst,
dass Du unsere Hoffnung ansiehst
und aus dem Funken,
der uns manchmal nur noch bleibt,
ein neues Feuer schlägst.
Zu Deiner Ehre soll das geschehen
und zu unserem Heil.
Amen.
Jochen Denker, Ronsdorf
Der Zauber des Anfangs ist im Buch von Dir und den menschlichen Geschichten mit Dir so beschrieben, dass ich vertraue, auch heute vielleicht einfach wieder neu anfangen zu können. Mit Dir, mit Deiner Hilfe, dank Dir, weil Du mich leben wollen lässt, zart wie ein Blümchen, das durch Asphalt hindurch aufbricht.
Kathrin Rehmat, Zürich
Wegsehen
Absehen
Übersehen
Bedürfnisse nicht stillen
Hungrig und durstig bleiben
Aufsehen
Sehen
Frei atmen
Sieh du hin
Sieh du nicht weg
Nimm uns wahr
Wir bedürfen deiner
Deiner Zuwendung
Um uns selber zu werden
Amen
Marianne Reifers, Luxor Egypt
HERR, mein Fels und mein Erlöser. Dir wirklich zu vertrauen, gelingt uns selten. Wir hetzen durch unsere Stunden und Tage und wundern uns, dass uns die Zeit davonrennt. Wenigstens einmal am Tag wollen wir zur Ruhe kommen bei Dir. Öffne uns die Augen für das, was wirklich wichtig ist. Lehre uns deine Stimme von all den anderen zu unterscheiden. Sprich uns so an, dass wir dich verstehen. In deiner Kraft, von deinem Geist begleitet gehen wir in diesen Tag. Bring du selbst zum Blühen, was wir mit Sorgfalt säen. Damit Frucht wächst, die Dir zur Ehre gereicht. Amen.
Gerhard von der Heyden, Ronsdorf
Gudrun Kuhn, Nürnberg
May we be innkeepers ready to find a place for our Lord, / May we be wise enough to follow a star. / May we be shepherds open to the possibility of miracles. / O Lord, may we find a kneeling place in the stable! // O come, O come, Emmanuel! / Enter here, / Enter now, / Find in us the angel’s alleluia! / Amen.
Ann Weems, Gifts 1980
21. August 2021
In dieser Woche, Gott,
klage ich Dir Leid.
Die Bilder und Berichte aus Afghanistan
durchstoßen den Panzer meiner Selbstgewissheit.
Ich kann die Verzweiflung der Menschen nicht abschütteln.
Männer, die ihr Leben an einem Flugzeug festklammern
Frauen und Kinder auf der hoffnungslosen Suche nach Schutz.
Ich kann mich ihrer Angst nicht verschließen.
Die Gefängnisse stehen offen,
die Bevölkerung ist eingesperrt.
Alle sind der Willkür des religiösen Fanatismus ausgeliefert.
Ich kann mich meiner Scham nicht erwehren.
Die Preisgabe der Schutzbedürftigen vor Ort
und die Abschiebungen der nach Europa Geflüchteten – bis zuletzt! -
offenbaren ein barbarisches System politischen Kalküls,
dem Hilfesuchende Fremde bleiben.
In dieser Woche, Gott,
klage ich Dir Leid.
Ich frage Dich nicht „Warum?“
Diese Frage bleibt uns Menschen
und unserer Selbstgewissheit.
Amen!
Simon Froben, Bayreuth
