Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Licht und Schutz, Heil und Erlösung, Trost und Stärkung

zum Wochenlied ''Gelobt sei der Herr'' (EG 139) am Sonntag Trinitatis

ein Impuls von Sylvia Bukowski

Der Sonntag Trinitatis schließt den Teil des Kirchenjahres ab, der von der Heilsgeschichte Jesu geprägt ist. Er bündelt sie in der Feier der Dreieinigkeit Gottes. Ein Dogma, dessen Auslegung in der Kirchengeschichte zu heftigen theologischen Auseinandersetzungen geführt hat, das aber vielen Christen letztlich fremd geblieben ist. Wie genau ist die Beziehung zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist zu verstehen? Was hat die Trinität mit meinem Glauben zu tun?

Der Choral gibt darauf eine verdichtete Antwort. Er erinnert in den ersten drei Strophen daran, was Vater, Sohn und Heiliger Geist jeweils für mich und mein Leben bewirkt haben: Licht und Schutz, Heil und Erlösung, Trost und Stärkung. Das dazugehörige Lob ist aber in allen drei Strophen an den einen Gott adressiert: „Gelobet sei der Herr, mein Gott, ...mein Leben.“ In den beiden letzten Strophen fügt der Choral das persönliche Lob in den universellen Lobgesang ein und öffnet im Nachklang auf Pfingsten den Horizont für die Gemeinschaft der ganzen Christenheit.

Aber gerade die ersten drei Strophen verstärken die Fragen von jüdischer und muslimischer Seite, ob Christen nicht doch drei verschiedene göttliche Personen verehren und nicht den einzigen Gott allein? Wie also können wir die Einheit Gottes in seinen drei Seinsweisen noch plausibler erklären und veranschaulichen? Taugt dazu das Bild Tertullians von den Wurzeln, dem Stamm und den Zweigen eines Baumes? Oder der Versuch von St. Patrick, die Dreifaltigkeit den irischen Gemeinden anhand eines (natürlich dreiblättrigen!) Kleeblatts nahezubringen? Oder sind die 3 Aggregatszustände von Wasser eine geeignete Analogie? Noch wichtiger: Welche biblischen Bezüge sind hilfreich, um miteinander und mit Juden und Muslimen über dieses Thema ins Gespräch zu kommen?

Diese Fragen brauchen Klärung, um über unseren christlichen Glauben auskunftsfähig zu sein.

Sylvia Bukowski, 15. Juni 2014

 

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

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